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Così fan tutte, Fotograf: Thilo BeuCosì fan tutte, Fotograf: Thilo Beu


Così fan tutte von Wolfgang Amadeus Mozart

29. Dez. 2010 bis 17. Juli 2011
Stefan Soltesz gewinnt der hintergründigen Komödie Raffinement, Noblesse und eine luzide Transparenz ab.

Musikalische Leitung Stefan Soltesz
Inszenierung Johannes Schaaf
Bühne/Kostüme Kathrin-Susann Brose
Dramaturgie Wolfgang Willaschek

Die Geschichte könnte sich jederzeit, an jedem Ort wiederholen. Bei Lorenzo da Ponte und Wolfgang Amadeus Mozart spielt sie in Neapel, am Fuß des Vesuvs. Aus Lust und Laune schwören die Offiziere Ferrando und Guglielmo nach durchzechter Nacht auf die Treue ihrer Verlobten Fiordiligi und Dorabella. Vom überheblichen Getue der Grünschnäbel angestachelt, geht Don Alfonso, der im Libretto ein aus Lebenserfahrung „alter Philosoph” genannt wird, auf eine Wette ein. Die Offiziere werden in den Krieg geschickt, um kurz darauf, verkleidet als reiche Orientalen, zurückzukehren. Die Frauen sind aus Sehnsucht so sehr ins Spiel verwickelt, dass sie die Maskerade nicht durchschauen, selbst Despina nicht, die Kammerzofe der Mädchen, die an der Seite Don Alfonsos zur Drahtzieherin des Partnertausches wird. Die Männer denken lange unbeirrt, die Wette zu lenken. Die Frauen halten zunächst an ihrer Treue fest. Doch von Anfang an deckt Mozarts Musik die Ängste und geheimen Wünsche der Spielenden auf. Wird von addio oder von desir (Sehnsucht) gesungen, bleibt den Akteuren das Wort im Hals stecken. Alles vermengt sich. Niemals läßt sich erkennen, was Spiel, was Lüge ist. Stets ist es beides, in jedem Augenblick menschlicher Existenz wie im Spiel Mozarts. Vom Moment an, da die Männer den Frauen ernsthaft drohen, sich aus Liebeskummer zu töten, tritt die Komödie in eine existentielle Phase. Am Ende gelingt es den Beteiligten nur sehr oberflächlich, sich in die Illusion „Così fan tutte” („So machen es alle”) zu flüchten.

Mozart weiß es in seiner Musik besser. Er setzt die einseitig auf die Frauen gemünzte Schlussmoral bewusst vor Beginn des großen Finales. Dessen Mittelpunkt ist stattdessen ein Kanon, in dem drei Liebende davon singen, wie sich ein Lebenstraum erfüllt, während einer Gift und Galle spuckt, weil er die Wette doppelt verloren hat. „Così fan tutte” ist ein einzigartiges Experiment zwischen der „Chemie der Seelen” und der „Physik der Triebe” oder wie es der Dramatiker Thomas Bernhard in seinem Stück „Elisabeth II.” einen desillusionierten Aufklärer überspitzt sagen läßt: „die einzige Oper, die überhaupt etwas wert ist”.

Details zur Spielstätte:
Opernplatz 10, D-45128 Essen

Veranstaltungsvorschau: Così fan tutte von Wolfgang Amadeus Mozart - AALTO-MUSIKTHEATER

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