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Foto: René Pollesch


Peking-Opel

28. Mai 2010 bis 23. Jan. 2012
René Pollesch hat weit über hundert Theatertexte geschrieben und auch die meisten von ihnen inszeniert. Das Burgtheater-Publikum kennt Ihn bereits von den Inszenierungen „Hallo Hotel ...!“, „Häuser gegen Etuis, „Das purpurne Muttermal (ausgezeichnet mit dem Nestroy 2007 „Bestes Stück) und „Fantasma. Wie all seine Texte, wird auch dieser, der den Arbeitstitel „Peking-Opel“ trägt, erst während des Probenprozesses klarere Konturen annehmen.

Du siehst dir ein Tier an, oder das Innere einer Walnuss, und du entdeckst als erstes: das Innere der einen Walnuss und das Innere der anderen sehen gleich aus, oder zumindest ähnlich. Wenn du aus den beiden jetzt eines dieser Bilderrätsel machen würdest, wo es darum geht die Unterschiede zu finden, also ein Bild, auf dem eine Szene dargestellt ist und ein anderes auf dem die gleiche Szene mit zehn Fehlern dargestellt ist, und du sollst jetzt entdecken, dass auf dem einen Bild jemand seinen Hut nicht auf hat, und auf dem anderen Bild ist der Stock, den jemand in der Hand hat, kürzer als bei dem anderen. Wenn du jetzt die zwei Walnusshälften zu diesen zwei Bildern eines Bilderrätsels machst, wirst du nach einer unendlichen Zeit unendlich viele Unterschiede feststellen können, und du könntest am Ende dieses unendlichen Tages nicht mehr davon sprechen, dass das hier dieses Bilderrätsel ist, sondern zwei völlig unähnliche Dinge, diese zwei Walnusshälften. Aber die Illusion, dass alles, was als Ähnliches vor uns steht, dieses Bilderrätsel ist, die ist da. Und die ist sogar unser Wissen, also wir handeln nicht einmal wider besseres Wissen wie in den Illusionen, die wir sonst vor Augen haben. Wir saugen dieses Wissen mit der Muttermilch auf, dass die eine Walnuss und die andere nach einem Plan gebacken wurden. Aber wenn man die Ähnlichen zu einem Bilderrätsel der Unterschiede macht, wird man schier verrückt. Das erklärt vielleicht, warum uns ein Körper nicht mehr genügt, mit dem wir bis ans Ende unserer Tage glücklich werden sollen. Wir entdecken, es gibt keine ähnlichen Körper, das ist dauernd was anderes. Aber dich jetzt, du einzige wahre Liebe, werde ich nicht ersetzen durch einen weiteren Körper. Was ist das dann, die Liebe? Da ist das obszöne Wort Körper, das dich immer als Fremden denkt, als etwas, das wir erkunden müssen. Aber es gibt kein Erkunden, es gibt keine Suche nach dem was wir sind, das taugt nur dazu, Körper zu Fremden zu machen, oder Tiere oder so was. Die Wahrheitssuche macht den anderen immer zum Fremden. Und die Wahrheitssucher werden immer die ähnlichen Körperlosen sein, weil sie nicht obszön sein dürfen, aber die Wahrheit ist obszön.

Details zur Spielstätte:
Lisztstraße 1, A-1030 Wien

Veranstaltungsvorschau: Peking-Opel - Akademietheater

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