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Chris Haring/Liquid Loft, Deep Dish © Michael LoizenbauerIsmael Ivo & Grupo Biblioteca Do Corpo, NO SACRE © Karolina MiernikAlain Platel / les ballets C de la B & ­Münchner Kammerspiele, TAUBERBACH © Julian Röder, JU/OSTKREUZAlain Platel / les ballets C de la B & ­Münchner Kammerspiele, TAUBERBACH © Julian Röder, JU/OSTKREUZChris Haring/Liquid Loft, Deep Dish © Michael Loizenbauer

ImPulsTanz bringt die Stadt in Bewegung

Sehr wahrscheinlich, dass der weltoffene Esprit von ImPulsTanz im Schatten der brütenden Sommerhitze noch ansteckender wirkt. Seit der ersten Stunde setzt das Wiener Tanzfestival alles daran, sein Publikum zu bewegen.
Museumstraße 5, A-1070 Wien

Und schöpft dabei aus dem Vollen: Ob als Zuschauerin und Zuschauer geistige Saltos schlagend oder den eigenen Körper in Schwingung versetzend, wenn vom 17. Juli bis 17. August die knalligen ImPulsTanz-Räder durch die Stadt brausen, werden die müden Körper wachgerüttelt. Ein neugieriges Publikum aus aller Welt sorgt Sommer für Sommer dafür, dass es nach den Performances in der festivaleigenen Lounge im Burgtheater-Vestibül ebenso pulsiert wie zuvor auf den Bühnen. Erfreulich, dass Wien nach der stürmischen Walzerzeit wieder zum Epizentrum der Bewegungsfreude avancierte.

Schlaflos in Wien
Gewissermaßen schuld an dieser Entwicklung ist Karl Regensburger, der im Wien der 1980er-Jahre mit frischem Tanzwirbel die Szene aufmischte. Beim Tanz ist der damals 26-jährige Betriebswirt aus purem Zufall gelandet. Gemeinsam mit dem brasilianischen Choreografen Ismael Ivo hob der Intendant 1984 die ersten „Internationalen Sommertanzwochen“ aus der Taufe: mit nur sechs ­Lehrerinnen und Lehrern und 20 Workshops.
Der Erfolg war überwältigend. Als dann 1988 George Tabori den Jungspunden anbot, das im Sommer leer stehende Schauspielhaus zu bespielen, war der Weg geebnet.

Wann hört das endlich auf?
Der Rest ist Geschichte. Heute ist ImPulsTanz das größte Festival für zeitgenössischen Tanz in Europa und bespielt vom Burgtheater bis zum Volkstheater die bedeutendsten Häuser der Stadt. 2013 feierte das Festival seine 30. Jubiläumsausgabe mit einem großartigen Performanceprogramm, das selbst hartgesottene Tanzfans an die Grenzen des Machbaren führte. Bis zu acht Performances an einem Abend wurden dem Publikum geboten, das in Schwärmen von einer Spielstätte zur nächsten durchs nächtliche Wien eilte. Auf die Frage, wohin das Festival steuert, antwortet Karl Regensburger: „Wir haben letztes Jahr mit über 120 000 Besuchern einen Zuschauerrekord erreicht. Es ist nicht unser Begehr, noch größer zu werden.“ Daher konzentriert man sich 2014 noch stärker auf Visionen für die Zukunft.

Geballte Zukunftskraft
Künstlerisch weit in die Zukunft zu reichen lautet das Credo – dem bleibt man weiterhin treu, wie es das diesjährige Performanceprogramm unter Beweis stellt. Weltpremieren von Lloyd Newson mit dem DV8 Physical Theatre oder Ismael Ivo mit seiner Grupo Biblioteca do Corpo finden sich darin ebenso wie Alain Platels Erfolgsproduktion Tauberbach, die in Kooperation mit den Münchner Kammerspielen entstand und dann im Sommer direkt vom renommierten Berliner Theatertreffen nach Wien kommt.
Wenn Utopien von gestern den „State of the Art“ von heute bilden, dann weist die [8:tension] Young Choreographers’ Series auf das verheißungsvolle Morgen. Seit 2001 ist die Serie fixer Bestandteil des Festivals, und seither zeigen internationale Newcomer, wie die Zukunft des Tanzes im Hier und Jetzt aussehen könnte: 2014 in Form einer „extended version“. Eine zweiwöchige Residency während des Festivals sorgt für den künstlerischen Austausch, der durch die Verleihung der „Golden Globes“ der jungen Choreografie, der Jury- und Publikums-Awards „Prix Jardin d’Europe“, weiter intensiviert wird.

Geheimtipps
Eingebettet in das internationale Programm sind natürlich die neuesten Krea­tionen der österreichischen Szene, etwa von Chris Haring, Florentina Holzinger, An Kaler und vielen weiteren. Auch bei den mehr als 200 Tanz-Workshops und -seminaren, die der künstlerische Leiter, Rio Rutzinger, und sein Team koordinieren, finden sich zahlreiche Geheimtipps aus der Alpenrepublik. Ein solcher ist dieses Jahr die junge HipHopperin Nina Kripas, die nach ihrer Ausbildung an der Ballettschule der Wiener Staatsoper über ImPulsTanz ihren Weg nach L.A. und auf die großen Bühnen der Welt gefunden hat. Nach weltweiten Auftritten mit The Black Eyed Peas oder Avril Lavigne kehrt sie 2014 als Dozentin zum Festival zurück. Nicht etwa um den Profis zur perfekten Technik zu verhelfen, sondern um gemeinsam mit Anfängerinnen und Amateuren die pralle Lust am Tanz zu erkunden.
Text: Michael Lagerfeld

ImPulsTanz: 17. Juli bis 17. August 2014

Spielstätten
Volkstheater, MuseumsQuartier, Akademietheater, Schauspielhaus, Kasino am Schwarzenbergplatz, Arsenal/Burgtheater-Probebühnen & ART-for-ART-Werkstätten

Informationen & Tickets

ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival

Tel. +43 (0) 1/523 55 58

http://www.impulstanz.com


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