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Friedrich Torberg

17. Sept. 2008 bis 1. Feb. 2009
zum 100. Geburtstag - Die "Gefahren der Vielseitigkeit"

»Auf dem Papier war er ein böser Mensch, in Fleisch und Blut ein lieber.« So schreibt Günther Nenning in einem Nachruf auf Friedrich Torberg (1908 –1979). Derart gespalten sind bis heute auch die Meinungen: Seinen Freunden ist Torberg seit jeher ein geistreicher Schriftsteller und pointierter Kritiker, ein stets bewusster Jude und Zionist, der in den Anekdoten seiner »Tante Jolesch« die »gute alte Zeit« vor dem jüdischen Exodus aus Österreich wie kein anderer literarisch wiedererstehen lässt. Seinen Feinden ist er der Initiator des »Brecht-Boykotts« und ein kultureller Scharfrichter.

Torberg war Schriftsteller, Journalist, Übersetzer, Herausgeber, und er war als Multitalent ein Frühvollendeter: 1928 gewann er mit einer jüdischen Mannschaft die tschechoslowakische Wasserballmeisterschaft, 1930 machte ihn sein erster Roman »Der Schüler Gerber hat absolviert« schlagartig berühmt. Der vielversprechenden Karriere wurde jedoch durch die Flucht 1939 ein jähes Ende gesetzt. Im US-Exil (1940 –1951) erschienen lediglich die kunstvolle KZ-Novelle »Mein ist die Rache«(1943), gleichwohl sein literarisch bedeutsamstes Werk, und der kontrovers diskutierte Roman »Hier bin ich, mein Vater« (1948). 1951 kehrte er nach Wien zurück, wo er mit dem FORVM eine wichtige Kulturzeitschrift herausgab (1954 –1965), die im Kalten Krieg eine streng antikommunistische Position einnahm. Die Übersetzungen von Ephraim Kishon waren nicht nur Bestseller, sondern auch Werbung für den jungen Staat Israel. Durch seine Vielseitigkeit wurde Torberg eine ebenso dominierende wie umstrittene Persönlichkeit der österreichischen Kulturgeschichte, die noch immer so präsent ist wie kaum eine zweite aus dieser Generation.

Details zur Spielstätte:
Dorotheergasse 11, Palais Eskeles, A-1010 Wien

Veranstaltungsvorschau: Friedrich Torberg - Jüdisches Museum Wien - Palais Eskeles

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