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Foto: Martin Zauner


Der Herr Karl

19. Okt. 2010 bis 18. Juni 2012
Das Ein-Personen-Stück Der Herr Karl war der Höhepunkt der Zusammenarbeit von Carl Merz und Helmut Qualtinger, der in dieser Rolle 1962 auch in den Kammerspielen zu sehen war.

Schauplatz des Monologs ist der Keller einer Delikatessenhandlung, in der Herr Karl damit beschäftigt ist, phlegmatisch-widerwillig die Waren zu ordnen und zugleich dem Publikum die Geschichte seines Lebens und den Kosmos seiner Anschauungen zu enthüllen. Fünfzig Jahre österreichische Geschichte passieren Revue im Spießerjargon eines kleinbürgerlichen Opportunisten, für den sich jedes Geschehen und jede Katastrophe auf den privaten Sensationswert reduziert. Ob der „Anschluss“ an das Deutsche Reich, ob die Kriegs- und Nachkriegsjahre – Herr Karl kann sich immer mit den Verhältnissen arrangieren und seine selbstgerecht-bornierte Mentalität kultivieren, die ihn in ihrer Mischung von Ressentiments, Vorteilssucht und Verantwortungsscheu zum Durchschnittsbürger schlechthin stempelt.

"G’freit hab i mi scho … an den Tag, wo ma 'n bekommen ham … den Staatsvertrag … Da san ma zum Belvedere zogn … san dag’standen … unübersehbar … lauter Österreicher … wie im Jahr achtadreißg … eine große Familie … a bissel a klanere … weil 's Belvedere is ja klaner als der Heldenplatz. Und die Menschen waren auch reifer geworden … Und dann is er herausgetreten … der … der … Bundes-, der Poldl und hat die zwa andern Herrschaften bei der Hand genommen und mutig bekannt: "Österreich ist frei!" Und wie i des g’hört hab, da hab i g’wusst: Auch das hab ich jetzt geschafft. Es ist uns gelungen - der Wiederaufbau … Ich mein’, nicht dass ich blind wär’ gegen die Fehler der Regierung … i war ja immer kritisch. Ich hab immer alles durchschaut … auch a Regierungsmitglied, wann i mir’s so anschau … der is aa net anders wie i. Und i kenn mi. So san de alle.
Aber bitte – es geht mi nix an. Ich mache meine Arbeit, ich kümmere mich nicht um Politik, ich schaue nur ironisch zu und behalte es für mich."

Helmut Qualtinger spielte 1962 den Herrn Karl in den Kammerspielen, eine Figur, die aus dem österreichischen Kabarett, ebenso wie die Travnicek-Dialoge, nicht mehr wegzudenken ist und die er gemeinsam mit Carl Merz entworfen hatte.

"Denn Der Herr Karl ist ja nicht bloß das Skript für ein mittlerweile klassisches Fernsehspiel, sondern ein Theaterstück, das auch von anderen und anderswo aufgeführt werden kann, soll und muss. Und auch lesen kann man es - mit Vergnügen und Grauen, mit Lachen und kalter Angst, denn selbst noch auf der gedruckten Seite ersteht Karls Figur in der ganzen Fülle ihrer schrecklichen Leiblichkeit, ihrer gemütlichen Dämonie, ihrer selbstzufriedenen Brutalität, und man reibt sich die Augen und will nicht glauben, dass dies immer noch, Tag für Tag, Jahr um Jahr, Wahl um Wahl, wirklich wird und sich ereignet."
Daniel Kehlmann

Regie:
Herbert Föttinger
Bühnenbild und Kostüm:
Rolf Langenfass

Der Herr Karl:
Martin Zauner

Details zur Spielstätte:
Rotenturmstraße 20, A-1010 Wien

Veranstaltungsvorschau: Der Herr Karl - Kammerspiele

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