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Dominic Oley


Vier Stern Stunden

12. Sept. bis 31. Dez. 2018
Ein berühmter Schriftsteller in der Krise, eine ambitionierte Kulturjournalistin und ein in die Jahre gekommenes Kurhotel bilden den Rahmen für das neue Stück von Daniel Glattauer, in dem der Erfolgsautor nicht nur einen humorvoll-kritischen Blick auf den Literaturbetrieb, sondern auch auf das Älterwerden wirft.

BREM: Was kann schon so Übles passiert sein bei Ihnen?
TRÖMERBUSCH: Das Übelste, das einem passieren kann.
BREM: Das Übelste, das einem passieren kann, ist mir passiert.
TRÖMERBUSCH: Ich bin verlassen worden.
BREM: Und ich bin entlassen worden.
TRÖMERBUSCH: Ich wusste es, mein Tag war übler.
BREM: Warum?
TRÖMERBUSCH: Verlassen zu werden ist übler als entlassen zu werden.
BREM: Wer sagt das?
TRÖMERBUSCH: Die Sprache. Das sagt uns die deutsche Sprache. "Ver" ist immer übler als "Ent". Entrinnen – die Rettung. Verrinnen – ein Auslaufen, ein Ende.
BREM: Sehr interessant.
TRÖMERBUSCH: Entgiften – die Rettung. Vergiften – der Tod. Verspannen – der schmerzvolle Krampf. Entspannen – die heilvolle Erlösung. Verdecken – ein Zuschütten. Entdecken – die Eroberung der Welt. Ja, Frau Brem, "Ver" ist immer übler als "Ent".
BREM: Nicht immer, Herr Trömerbusch. Nehmen Sie "verzaubern" und "entzaubern". Wie schön ist das eine, wie ernüchternd und traurig das andere.
TRÖMERBUSCH: Der Schein trügt, Frau Brem. Die Entzauberung, das ist bloß die beginnende Einsicht, die Rückkehr zur Wirklichkeit. Sie mag schmerzvoll sein, aber sie bringt die Heilung. Die Verzauberung, das ist die Verblendung, das wahre Übel. Verzaubert zu werden – das ist furchtbar. Man ist nicht mehr man selbst. Glauben Sie mir, Frau Brem, ich weiß es. Ich bin verzaubert worden.

Details zur Spielstätte:
Rotenturmstraße 20, A-1010 Wien

Veranstaltungsvorschau: Vier Stern Stunden - Kammerspiele

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