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Foto zur Ausstellung Kirik Aynalar (Zerbrochene Spiegel)


Salam.Orient Graz: Kirik Aynalar (Zerbrochene Spiegel)

30. Okt. bis 9. Dez. 2010
Eine visuelle Reisebeschreibung von Sarajewo bis nach Jerusalem - Zersplitterte Identitäten vom Balkan bis zum Mittleren Osten.

Das Projekt “Kirik Aynalar” (“Zerbrochene Spiegel”) umfasst inhaltlich viele Länder und die Geographie des alten osmanischen Reiches.

Vorerst ist es der 87. Jahrestag des Bevölkerungsaustausches. Der Bevölkerungsaustausch ist einerseits ein Ergebnis des Vertrages von Lausanne, der am Ende des 1. Weltkrieges abgeschlossen wurde und den geographischen Status der neuen Türkei festlegte, und andererseits hat er aus vieler Hinsicht große Bedeutung. Hierbei handelt es sich um einen Bevölkerungsaustausch zwischen der Türkei und Griechenland. Doch dabei wurde zahlenmäßig die größte Menschenmigration der Geschichte von Europa und vom Nahen Osten verzeichnet. Zu der genannten Zeit wurden ca. 1,5 bis 2 Millionen Menschen von diesem Austausch umfasst. Diese Menschen, wurden aus den Regionen, in denen sie seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden lebten, herausgerissen und zusammen mit ihren Volksgenossen in eine Geographie verbracht, der sie vollkommen fremd sind. Heutzutage sind die Zeugen der ersten Generation dieser Umsiedlung nicht mehr am Leben. Ihre Kinder und Enkel veranstalten mittels der in beiden Ländern gegründeten Vereine für Umsiedler Bevölkerungsaustausch - Gedenkversammlungen und verschiedene Aktivitäten. Dieser Bevölkerungsaustausch stellte später einen Präzedenzfall dar, und ähnliche Verfahren wurden in den folgenden Jahren fortgesetzt. Zum Beispiel unterzeichneten Bulgarien und das ehemalige Jugoslawien diverse Verträge, um die muslimische Bevölkerung, für die sie nicht imstande war, diese innerhalb ihrer eigenen Bevölkerung zu verschmelzen, und die ein osmanisches Erbe darstellt, in die Türkei auszuweisen. In diesem Zuge mussten bis Ende des 20. Jahrhunderts wieder über 1 Million Menschen umsiedeln.

Eigentlich gibt es einen besonderen Jahrestag – Begriff, den wir für das Jahr 2010 aussprechen können, und zwar der im Jahre 1991 ausgebrochene Balkankrieg. Das osmanische Reich verlor seinen letzten Boden auf dem Balkan, und mit dem 1. Weltkrieg im Jahre 1914 seinen Bodenbesitz im Mittleren Osten, wobei sogar seine Existenz in Gefahr geriet. Aus diesem Grunde kann das Jahr 2010 als das 100. Jahrestag des Jahres 1910 gedenkt werden, also als das 100. Jahrestag des letzten Jahres, in dem diese Geographie von dem Balkan bis zum Mittleren Osten noch ein Ganzes darstellte, und wo die heutigen Grenzen noch nicht existierten… Wie bereits bekannt, begann mit dem Rückzug des osmanischen Reiches aus der Geschichtsbühne des Balkans und des Mittleren Ostens auch der Vernichtungsprozess einer seit der antiken Zeit andauernden Ordnung. In einer Hinsicht ist es das, was in der Wurzel des immer noch nicht gestillten Leids und der immer noch andauernden Probleme steckt…
Mesut Y. Tufan

Ausstellungseröffnung: Samstag, 30. Oktober, 19:00 Uhr im Orpheum
Montag - Freitag von 10 - 19 Uhr und Samstag von 10 - 13 Uhr.

Details zur Spielstätte:
Orpheumgasse 8, A-8020 Graz

Veranstaltungsvorschau: Salam.Orient Graz: Kirik Aynalar (Zerbrochene Spiegel) - Orpheum Graz

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