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Foto: HafenreliefFoto: VitrineFoto: Tefaf 2009Foto: Figur, Tefaf 2009Bild: Schmetterlinge, Tefaf 2009Foto: Bunte Figuren, Tefaf 2009

Impressionen

TEFAF 2009: Ausstellungsexponate von einem Glanz, der jeder Krise trotzt.

Bunte, irisierende Schmetterlingsflügel hat Damien Hirst dicht an dicht zu einer Farbcollage von eindringlicher Kraft gefügt. Sie erinnert an ein mittelalterliches Kirchenfenster, aber auch an ein überdimensioniertes Kaleidoskop. Dieses Werk ist stellvertretend für die Pracht und Vielfalt an Kunst und Design zu sehen, die sich für den Messebesucher auf der diesjährigen, zum 22. Mal in Maastricht (Holland) stattfindenden Kunst- und Antiquitätenmesse Tefaf (The European Fine Art Fair) entfalten. Über 240 der weltweit renommiertesten Händler aus 17 Ländern präsentieren eine Woche lang ihre hochwertigen Preziosen von der Kunst der Antike und alter Kulturen über Antiquitäten und Kunstgegenstände des Mittelalters bis hin zur Gegenwart. Gemälde, Möbel, Silber, Porzellan, Schmuck und andere Kunstwerke gibt es zu entdecken. Neu hinzugekommen ist in diesem Jahr die Sektion Design des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart.
Vor Messebeginn nimmt ein Gremium von 155 Experten die Ausstellungsobjekte in Augenschein, um sie auf Echtheit zu prüfen und damit größtmögliche Sicherheit beim Kunstkauf zu garantieren. Die Tefaf, die auch aufgrund dieser Qualitätsgarantien zu einer der weltweit einflussreichsten Veranstaltungen ihrer Art gehört und jährlich rund 75000 Messebesucher anlockt, präsentiert sich in diesem Jahr größer und prunkvoller als je zuvor. Der Eingang ist prachtvoll neu gestaltet und verschafft der Wirtschaftskrise keinen Zutritt. Riesige Säulenfragmente sind mit einer „Tapete aus 20000 echten Rosen“ geziert, die von hinten bewässert werden, um die Durststrecke des Messemarathons wenigstens ein paar Tage durchzustehen, bis sie durch frische ersetzt werden. Von hinten erstrahlen sie nach dem ausgeklügelten Lichtkonzept des Messearchitekten Tom Postma und des international bekannten Bühnenbildners Paul Gallis alle paar Sekunden in einem anderen Farbspektrum. Insgesamt 120000 Blumen sind in den Arrangements im Bereich des Foyers und der Gänge kunstvoll von Floristen verarbeitet. In der Sektion „Gemälde alter Meister“ wurde die berühmte Tulpe „Semper Augustus“ ausgewählt, die im Sommer 1633 die Tulpenmanie auslöste und fortan als Zahlungsmittel galt. Sie findet sich in unmittelbarer Nachbarschaft auf zahlreichen Blumenstillleben der ausstellenden Kunsthändler wieder.

Ein kleiner Messerundgang mit ausgesuchten Exponaten
Die Galerie Brimo de Laroussilhe, Paris, zeigt zwei menschengroße Holzskulpturen aus dem 13. Jahrhundert zum Preis von 300000 Euro. Die genaue Provenienz ist nicht bekannt, aber sie stammen mit Sicherheit aus einem katalanischen Sakralbau. Es handelt sich um Maria und den heiligen Johannes in der typischen Szene der Beweinung Christi. Die Figuren sind von eindringlicher, klassischer Schönheit und deshalb auch hervorragend mit einer modernen Einrichtung kombinierbar. Der renommierte Kunsthändler Albrecht Neuhaus aus Würzburg, der zu den Ausstellern der ersten Stunden zählt, zeigt eine Deckelkanne von Georg (Jürgen) Linden aus dem 17. Jahrhundert. Auf der Wandung sind in drei Reihen jeweils zehn Silbermünzen mit springendem Pferd (Braunschweig-Lüneburg) eingelassen. Das Prunkstück aus Silber mit reicher Vergoldung ist für 145000 Euro zu haben.
Viele Objekte sind speziell für die Tefaf reserviert oder zusammengetragen. So zeigt die Münchner Galerie Thomas eine eindrucksvolle Sammlung von neun Werken des expressionistischen Malers Chaim Soutine. Die Werke sind von naiver, brachialer Ausdruckskraft, und ihr Einfluss auf zeitgenössische Maler wie Georg Baselitz ist unverkennbar. Als Hauptwerk ist das lebhafte Porträt eines Metzgerjungen, das etwa im Jahr 1919 in Céret entstand, für zirka 15 Millionen Euro zu erstehen.
Die Galerie Karsten Greve AG aus Sankt Moritz präsentiert eindrucksvolle Werke der Künstlerin Louise Bourgeois. Das ausgestellte Werk The Rectory von 2002 zeigt das klassizistische, in Silber modellierte Pfarrhaus, das die Künstlerin bei dem Blick aus dem Fenster ihrer Wohnung in Chelsea, New York, sieht. Es ist hier von einem Käfig umgeben, an dem drei Spiegel angebracht sind. In ihnen erscheinen das Gebäude und die ihm innewohnende Wahrheit unverzerrt, aber trotzdem geben sie das Geheimnis des Innenlebens nicht preis. Man mag dieses Kunstwerk als Bild für die Kindheit der Künstlerin verstanden wissen. Diese hat sie aufgrund eines sehr dominanten Elternhauses oft als Gefängnis wahrgenommen und diese Erinnerungen auch in ihren berühmten bedrohlichen Spinnenskulpturen verarbeitet. Das Haus ist gleichzeitig aber auch eine Metapher für den Körper der Frau, der allen Gefahren von außen zum Trotz eine sichere Behausung und Zuflucht bietet. Dem Betrachter sind hier keine Grenzen gesetzt.
Der Münchner Kunsthändler S. Mehringer zeigt eine Skulptur von Karl Georg Merville aus dem Jahr 1790 mit der Darstellung von Merkur und Argus, die mit 320000 Euro dotiert ist und mit Sicherheit ihren Sammler findet.
Die Jean-David Cahn AG in Basel ist spezialisiert auf griechische, römische und ägyptische Kunst der Antike. Sie zeigt in diesem Jahr ein großes spätrömisches Relief mit der Darstellung einer Hafenszene aus dem 3. bis frühen 4. Jahrhundert nach Christus zum Preis von 430000 Schweizer Franken (rund 282600 Euro). Im flachen Relief sind zwei einmastige Handelsschiffe dargestellt, die nach links aus einem befestigten Hafen auslaufen. Auf dem ersten, das Weinamphoren geladen hat, setzen drei Seemänner Segel, einer ist auf den Mastbaum gestiegen. Das zweite Schiff hat das Segel schon halb gesetzt und wird von einer zwei Mann starken Truppe gesteuert. Als Dekor trägt es zwei voneinander abgewandte Delphine und wohl einen Pantherkopf als Galionsfigur. Als Fracht meint man Kisten zu erkennen. Zwei Frauen verfolgen die Szene am Fenster des Hafengebäudes, ein kleines Ruderboot scheint als Lotse zu fungieren. Das Relief ist kulturgeschichtlich bedeutsam, weil es die Darstellung von Handel, Schiffbau und Hafenarchitektur in einem Motiv vereint. Der eine oder andere Messebesucher wird es vielleicht irgendwann in einem maritimen Museum wiederfinden, wenn es nicht in einer privaten Sammlung landet.
AXA Art, führender Versicherer von Kunst- und Sammlungsgegenständen und Hauptsponsor der Tefaf, stellt in diesem Jahr ihr Engagement in Zusammenarbeit mit der deutschen Kunstakademie und der Akademie Villa Massimo in Rom vor. Das Stipendium an der Villa Massimo gilt als wichtigste Auszeichnung, die deutschen Künstlern für ein Auslandsstudium erteilt werden kann. Diese Auszeichnung bietet zehn Künstlern, die sich in Deutschland und darüber hinaus profiliert haben, in der Mitte ihrer Schaffensphase ein Jahr die Residenz in der Villa Massimo an – darunter auch Architekten, Komponisten, Schriftstellern und darstellenden Künstlern.
Die nächste Tefaf findet vom 12. bis 21. März 2010 wieder in Maastricht (Holland) statt.

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