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St. GallenDom Himmel

5. St. Galler Festspiele 2010

Juwelen der italienischen und französischen Oper Bereits zum fünften Mal ist St. Gallen im Sommer 2010 Treffpunkt für die Festspiele auf dem Klosterhof.
Naturparkbüro, A-8933 St. Gallen

Vergessene oder selten zu hörende Juwelen der italienischen und französischen Oper gelangen an einem der schönsten Orte der Ostschweiz zur Aufführung, dem zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärten Klosterbezirk. Das Konzertprogramm greift thematisch Aspekte der jeweiligen Opernproduktion auf und lässt sie somit in einem umfassenden Kontext lebendig werden. SACRA, die Tanzproduktion reflektiert vergessene christliche Sakralriten.

Il diluvio universale – Die Sintflut
von ­Gaetano Donizetti
Oper auf dem Klosterhof
Grundlage ist die biblische Geschichte der Arche Noah. Doch ist in der Oper manches anders, denn zwischen Gottesfurcht und Wassermassen hat Donizettis Librettist Domenico Girlandoni jede Menge Int­rigen und Liebesgeschichten gepackt:

Noah und seine Familie bereiten sich auf die Sintflut vor, während der heidnische Satrapenführer Cadmo versucht, die Arche zu zerstören. Doch Cadmos Frau Sela, die an den jüdischen Gott glaubt, warnt Noah, und der Brandanschlag kann verhindert werden.

Ihr Verrat bleibt nicht unentdeckt. Ausgerechnet Selas Vertraute Ada erzählt Cadmo, dass Sela Noah geholfen hat. Cadmo ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu seiner Frau und dem Hass auf die Israeliten. Erneut versucht er, ­Noah zu schaden, erneut wird dieser von Sela gewarnt. Noah bietet Sela daraufhin an, gemeinsam mit ihrem Sohn auf die Arche zu kommen, doch Sela zieht den Tod ihrer Rettung vor. Cadmo glaubt, über Noah und dessen Gott triumphiert zu haben, und beschließt, Ada zu heiraten. Über den bacchanalischen Ausschweifungen der Hochzeit zwischen Cadmo und Ada öffnen sich die Schleusen des Himmels.

Zwei Kulturen prallen in Il diluvio universale aufeinander. Der dekadenten Welt von Cadmo steht die tiefgläubige Welt von Noah gegenüber. Die Unfähigkeit beider, einander verstehen zu wollen, endet in der Katastrophe, der nur Noah mit seiner Familie entkommen kann. Eine romantische Endzeitvision, die musikalisch bereits alle stilistischen Qualitäten von Donizettis berühmten Melodramen enthält: von üppigen Streicherklängen begleitete Ariosi, spannungsgeladene Szenen der Hauptfiguren, schwelgerische Gebetsensembles und Finali – Belcanto auf dem Klosterhof.

Schweizer Erstaufführung;
Premiere 25. Juni 2010, 20.30 Uhr
Musikalische Leitung: Antonino Fogliani
Inszenierung: Inga Levant
Ausstattung: Friedrich Eggert
Weitere Vorstellungen: 26. und 29. Juni;
2., 3., 7. und 9. Juli 2010, 20.30 Uhr

SACRA
Tanz
Die französische Komponistin Anne Champert setzte sich mit dem musikalischen Material in der Stiftsbibliothek auseinander. Daraus entwickelte sie für die Tanzkompagnie eigene Kompositionen. In Zusammenarbeit mit Domorganist Willibald Guggenmos sowie einem kleinen Vokal- und Instrumentalensemble werden die Tänzerinnen und Tänzer dabei selbst zu Klangkörpern. Die durch Tanzbewegungen und Gesang entstehenden Klänge, Echowirkungen und ihre bewusste Ver­mischung mit der Musik sind die Voraussetzungen zu einer der Spiritualität des Aufführungsorts angemessenen Aufführung. Marco Santi, Leiter der Tanzkompagnie und Choreograf von ­Sacra, nutzt diese musikalischen Elemente für seine zeitgenössischen Anklänge an christliche Sakraltänze des Mittelalters. Dabei zielt die Auseinandersetzung mit Formen und Notationen musikalischer Überlieferungen aus der Stiftsbibliothek auf eine Suche nach der menschlichen Identität zwischen Erde und Kosmos, zwischen körperlicher Enge und seelischer Weite im Weltbild des christlichen Mittelalters.

Premiere: 30. Juni 2010, 21 Uhr
Tanzkompagnie des Theaters St. Gallen
Choreografie: Marco Santi mit der ­Tanzkompagnie
Musik: Anne Champert
Orgel: Willibald Guggenmos
Klarinette: Ivan Galluzzi
Weitere Vorstellungen: 1. und 5. Juli, 21 Uhr

Konzert
Beim Konzertprogramm werden Bögen geschlagen, von Opernkomponist Gaetano Donizetti hin zu L’organo belcanto, von der Sintflut zur Wassermusik Georg Friedrich Händels, von der Kathedrale nach Sankt Laurenzen; einen Schwerpunkt setzt das Konzertprogramm dabei auf die Alte Musik.
Donizetti ist vor allem für seine Opern bekannt, doch hat er auch in anderen Genres „zugeschlagen“: Beim Donizetti-Projekt spielen und singen Mitglieder des Sinfonieorchesters und des Theaters St. Gallen Kammermusik. Beim Festkonzert präsentiert das Sinfonieorchester St. Gallen unter der Leitung von Chef­dirigent David Stern und in Zusammen­arbeit mit dem Bach-Chor St. Gallen Donizettis selten zu hörendes Requiem, ein Chorwerk im Spannungsfeld zwischen italienischer Kirchenmusiktradition und der Stilistik des Belcantos. In L’organo belcanto widmet sich Domorganist Willibald Guggenmos sinfonischer Orgelmusik und Opernparaphrasen aus dem 19. Jahrhundert in Werken von Giuseppe Verdi, Samuel Coleridge-Taylor, Aloys Claussmann, Marco Enrico Bossi und Edwin H. Lemare.

Wasser spielt bei der Oper auf dem Klosterhof heuer eine große Rolle. Und Wasser, das manchmal nur plätschert und manchmal tost, hat schon immer die Komponisten inspiriert. Und so „fließt“ es in diesem Jahr einmal quer durch das Konzertprogramm: Den Anfang macht das Kammermusikkonzert Wasserwege – Musik an Flüssen und Lagunen. Darin präsentieren die Weltstars der Alten Musik Maurice Steger (Blockflöte), Hille Perl (Viola da Gamba), Lee Santana (Laute) und Naoki Kitaya (Cembalo) Barock­musik von Elbe, Themse und aus Venedig. Auf dem Programm stehen Werke von Francesco Maria Veracini, Carl Friedrich Abel, Alessandro Piccinini, Salomone Rossi, Arcangelo Corelli und Georg Friedrich Händel.

Einen Höhepunkt stellt das Konzert des Ensembles Opera Fuoco unter der Leitung von David Stern dar. Bereits im vergangenen Jahr konnte das Ensemble mit Henry Purcells Oper Dido and Aeneas begeistern. In diesem Jahr heißt es Wassermusik – Von Wogen und Wellen.

Programm:
Wasserwege – Musik an Flüssen und Lagunen
27. Juni, Sankt Laurenzen, 19 Uhr

Donizetti-Projekt
1. Juli, Sankt Laurenzen, 19 Uhr
Italia e Giovanni Sebastiano
2. Juli, Schutzengelkapelle, 19 Uhr

L’organo belcanto
3. Juli, Kathedrale, 19 Uhr

Wassermusik – Von Wogen und Wellen
4. Juli, Sankt Laurenzen, 19 Uhr

Festkonzert: Messa da Requiem von ­Gaetano Donizetti
8. Juli, Kathedrale, 20.30 Uhr

Informationen & Tickets
St. Galler Festspiele
Museumstraße 24, CH-9004 Sankt Gallen
Tel. (+41-71) 242 06 06
info@stgaller-festspiele.ch
www.stgaller-festspiele.ch

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