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Panneau aus Papiermaschee mit Schwarzlack, Dekor in Eitempera und Muschelgold, abschließend mit Klarlack überfangen: Vision der Schatulle aus Papiermaschee mit Schwarzlack, Dekor in Eitempera und Muschelgold, abschließend mit Klarlack überfangen: SommertroKästchen Papiermaché mit Schwarzlack; Dekor in Eitempera und Muschelgold, abschließend mit Klarlack überfangen Pflügender Bauer

Die Schule von Palech 1923–1950

Das Museum für Lackkunst in Münster zeigt vom 17. Oktober 2010 bis 13. Februar 2011 eine Sonderausstellung, welche die Erfolgsgeschichte dieser faszinierenden russischen Lackkunst nachvollziehbar macht.
Windthorststraße 26, D-48143 Münster

Ausgelöst von der Oktoberrevolution und dem staatlich verordneten Atheismus, war der religiösen Kunst in Russland seit 1917 schlagartig der Boden entzogen. In Palech, einem alten Zentrum der Ikonenmalerei, suchten die betroffenen Maler in der Hinwendung zur Lackminiatur ein Auskommen und eine neue künstlerische Ausrichtung. Nach tastenden Anfängen unter dem Einfluss des Art déco gelang die Transformation religiöser Motive und eines tradierten Stilvokabulars in die junge sowjetische Kunst. Im Zentrum dieses Geschehens stand der Maler Iwan Golikow, der gemeinsam mit sechs weiteren ehemaligen Ikonenkünstlern 1924 die Palecher „Genossenschaft für alte Malerei“ ins Leben rief. Golikows Malerei sollte Ausgangspunkt und Höhepunkt des frühen Palecher Stils zugleich sein, den sich bei aller individuellen Ausprägung auch die anderen Maler zu eigen machten.
Mit der Zehnjahresfeier der Revolution 1927 traten die Ziele und Errungenschaften des Sozialismus als dominierendes Thema in den Vordergrund. Der radikale Umbau der Gesellschaft und der Wandel vom Agrar- zum Industriestaat wurden in plakativ anmutenden Kompositionen gefeiert. Schon seit den späten 30er-Jahren und verstärkt von 1941 an wichen sie Bildern der Bedrohung und des Kampfs von düsterer Eindringlichkeit, schließlich den triumphalen Szenen des Siegs. Erstmalig wird in Ausstellung und Katalog aus dem reichen Fundus der bedeutendsten russischen Sammlungen das Werden der Palecher Schule nachgezeichnet.

Das Museum für Lackkunst
Das im Herzen der Stadt gelegene Museum für Lackkunst ist ein Juwel in der Münsteraner Kulturlandschaft. Die mit Bedacht angelegte und ausgebaute Sammlung von Kunstwerken und Gebrauchsgegenständen aus 2500 Jahren ist übersichtlich nach Ländern und Ziertechniken angeordnet. Zahlreiche Zukäufe haben den wertvollen Grundstock des Museums im Lauf der Jahre systematisch ergänzt und deutlich bereichert. Seine spezielle Ausrichtung wie auch seine weltweite Bedeutung und seine ausschließlich private Trägerschaft machen das Museum einzigartig.
In der nach Regionen gegliederten Sammlung sind die oft kleinen und filigranen Exponate liebevoll arrangiert. Die Ästhetik und Schönheit der Kunstwerke erschließen sich dem Betrachter auf den ersten Blick, die Kostbarkeit wird umso deutlicher, je mehr man über ihre aufwendigen Herstellungstechniken erfährt.
Das Museum für Lackkunst, eine Einrichtung der BASF Coatings GmbH, beherbergt eine weltweit einzigartige Sammlung von Lackkunst aus Ost- und Südostasien, Europa und der islamischen Welt. Sonderausstellungen vertiefen Einzelaspekte der traditionellen wie der zeitgenössischen Lackkunst.

Informationen
Museum für Lackkunst
Windthorststraße 26, D-48143 Münster
Tel. (+49-251) 41 8 51-22
Mi–So und Fei 12–18 Uhr
Führungen (Sonderausstellung): Di 17.30 Uhr
www.museum-fuer-lackkunst.de

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