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 Bettina van Haaren, PrintChris Kremberg, Körper. Nicht Ort. 2009.2010 Ville Lenkkeri, Northerly Wind

Tradition und Gegenwart

Das Programm der Kunsthalle Erfurt vermittelt zwischen den traditionellen künstlerischen Bildmedien wie Malerei, Grafik und Skulptur und technischen beziehungsweise methodischen Neuerungen, zum Beispiel in der digitalen Fotografie, im Video oder in temporären raumbezogenen Installationen. Auch das diesjährige Sommer- und Herbstprogramm zeigt interessante Ausstellungen.
Fischmarkt 7, D-99084 Erfurt

Bettina van Haaren.
Partikel und Membranen, Malerei, Zeichnungen, Druckgrafik
Sie sei, so sagt Bettina van Haaren, an der Stofflichkeit der Dinge interessiert. Und wirklich, wer einen Blick in das Atelier der 1961 in Krefeld geborenen Künstlerin werfen darf, findet Birkenstämme, einen Tischfußball, Modelle von Pferdeköpfen vor. All das, was auch Einzug in ihre Bilder und Zeichnungen hält. Und auch wieder nicht, denn ihre Werke wirken wie Träume, die abgebildet sind, damit sie sich nicht in Luft auflösen. Auf eine fast drastische Weise sind Bettina van Haarens Arbeiten und Motive durchlässig, die Körper für Gegenstände wie kleine Fußballspielerfiguren, Pistolen und Pferdeköpfe. Sie sind Partikel und Membran zugleich. Der weibliche Körper selbst ist transparent, ein Fuß kann minutiös und wirklichkeitsgetreu wiedergegeben sein, während der Oberkörper nur durch eine Kontur angedeutet ist, ein Oberschenkel kann mit jedem Härchen abgebildet sein, während das Gesicht sich wie aus Muskelsträngen zusammensetzt. Malerei und Zeichnung ergänzen sich auf das Sinnfälligste. Es sind Gegensätze, die sich hier verbinden, ganz ähnlich wie in den Collagen der Surrealisten, etwa bei Hannah Höch oder László Moholy-Nagy. Bettina van Haarens Werke vermitteln eine Ahnung, wie sich Körper anfühlen kann.
18. Juli bis 22. August 2010

BILDPODIUM XIV
Chris Kremberg. Nackt.Pur.
Fotografien
Die fotografische Serie Nackt.Pur. des 1971 geborenen Chris Kremberg entstand 2009/10 nachts im Außenraum verschiedener Großstädte und untersucht das prekäre Verhältnis vom Einzelkörper zum architektonischen Umraum.
22. Juli bis 22. August 2010

Im Doppelpack. Walter Bergmoser & Ville Lenkkeri
Fotografien
Im Rahmen der Reihe Im Doppelpack trifft Walter Bergmoser den finnischen Künstler Ville Lenkkeri. Bergmoser, geboren 1959, reagiert fotografisch auf Räume, die er bereist, und auf Menschen, denen er begegnet. Subjektive Erfahrung ist ein zentrales Antriebselement seines Schaffens, das in diesem Verständnis auch stark autobiografisch geprägt ist. Nicht selten verwandelt er Räume durch Bilder, entwickelt auf spezielle Orte bezogene Werke, welche die vorgefundene Situation deuten und umdeuten. Das Fotografische ist für ihn ein subjektives Ausdrucksmittel, expressiv und wandelbar. In seinen Werkgruppen geht es um menschliche Beziehungsgeflechte, um persönliche und kollektive Identität, um das Fremde und das Eigene, um Momente der Begegnung und Momente der Versenkung, um die Dimension des Vergänglichen, der fließenden Zeit.
Ville Lenkkeri, geboren 1972, ist einer der Absolventen der renommierten Hochschule für Kunst und Design in Helsinki, welche die zeitgenössische künstlerische Fotografie aus Finnland in den letzten Jahren zu einem ungemein erfolgreichen kulturellen Exportartikel machte.
Er kam über den Film zur Fotografie; bis heute ist dies an seiner künstlerischen Herangehensweise ablesbar. Immer wieder führt der Fotograf mit seinem raffinierten Spiel zwischen Realität und Fiktion die Wahrnehmung des Betrachters aufs Glatteis.
5. September bis 31. Oktober 2010

Informationen
Kunsthalle Erfurt
Fischmarkt 7, D-99084 Erfurt
Di–So 11–18 Uhr, Do 11–22 Uhr
kunsthalle@erfurt.de
www.kunsthalle-erfurt.de

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