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Revolution am Bodensee

Umberto Giordanos André Chénier 2011 und 2012 auf der Bregenzer Seebühne

André Chénier, das berühmteste Werk des italienischen Komponisten Umberto Giordano, ist ­gleichermaßen packend als leidenschaftliches Liebesdrama und als historischer Krimi. Die Oper rund um das Schicksal des gleichnamigen Dichters, eine historische Gestalt der Französischen Revolution, der 1794 während ­Robespierres Schreckensherrschaft tatsächlich seinen Kopf verlor, ist in den Sommern 2011 und 2012 erstmals auf der Bregenzer Seebühne zu sehen. Premiere ist am 20. Juli 2011.

Platz der Wiener Symphoniker 1, A-6900 Bregenz

Frankreich im Jahr 1789. Der Adel feiert, die Bürger murren. Und zwischen allen Stühlen: der Dichter André Chénier. Geliebt von den Reichen für seine einfühlsamen Verse, im Herzen aber ein Revolutionär.

Gezeichnet vor dem Hintergrund der Französischen Revolution, ist André Chénier, uraufgeführt 1896 an der Mailänder Scala, ein historisches Drama von brillanter Schärfe und eine menschliche Tragödie von erschütternder Intensität; packend gleichermaßen als leidenschaftliches Liebesdrama und als historischer Krimi. Zent­rale Gestalt der Oper ist der gleichnamige französische Dichter, der in den Wirren der Französischen Revolution vom glühenden Anhänger zum erbarmungslos Verfolgten wird und am Ende, abgestoßen von den Exzessen der Gewaltherrschaft der Jakobiner, selbst auf der Guillotine endet.

 

Flammender Überschwang der Gefühle

Giordanos Musik, getragen von jähzorniger Begeisterung und flammendem Überschwang der Gefühle, gipfelt in einer Hymne an die Brüderlichkeit, an die Liebe – und an die Befreiung durch den Tod. Giordano ließ in seine Musik historische Tänze und Märsche aus der Zeit vor der Französischen Revolution genauso einfließen wie bekannte Revolutionsklänge, darunter das „Ça ira“ und die „Marseillaise“. Ergreifende Arien und atemberaubende Duette verleihen der Oper ihren einzigartigen Charakter.

 

Revolutionsgemälde als Inspiration

Der Tod des Marat, das bekannte Gemälde des Revolutionsmalers Jacques-Louis David, wählten Regisseur Keith Warner und Bühnenbilder David Fielding als Basis, Inspira­tion und Symbol für ihre Inszenierung von André Chénier: Erstmals ähnelt das Bühnenbild des Spiels auf dem See somit einer historischen Darstellung.

Jean-Paul Marat (1743–1793) war Arzt, Verleger und Journalist. Er gilt als einer der radikalsten Führer der Französischen Revolution aufseiten der Jakobiner und als Befürworter politischer Gewalt. Marat litt an einer Hautkrankheit, die er mit häufigen Bädern zu lindern versuchte.

Nachdem die gemäßigten Girondisten von den radikalen Jakobinern verdrängt wurden, entschied sich Charlotte Corday, eine Anhängerin der Girondisten, das Blutregime der Jakobiner zu beenden und die Hauptverantwortlichen der Schreckensherrschaft zur Rechenschaft zu ziehen. Am 13. Juli 1793 besorgte sich Corday ein 20 Zentimeter langes Küchenmesser und erstach Jean-Paul Marat in seiner Badewanne. Corday wurde bereits am 17. Juli 1793 guillotiniert. Ihre Tat hatte zwar Marats Leben beendet, ihn aber gleichzeitig zu einem Helden gemacht. Corday selbst erlangte durch den Mord den Status einer Märtyrerin der Konterrevolution, über deren Tat der reale André Chénier ein Lobgedicht schrieb.

Männertorso im Bodensee

14 Meter hoch, 16 Meter breit und insgesamt 60 Tonnen schwer ist allein der Kopf des Torsos, der in den vergangenen Monaten am Bodensee entstanden ist und schon jetzt einige Ähnlichkeit mit Davids Gemälde aufweist. Noch sind die Arbeiten an der neuen Seebühne aber nicht beendet: Bis im Juni die Proben für Giordanos Oper beginnen und die knapp 200 Mitwirkenden des Spiels auf dem See in Bregenz erwartet werden, erhält nicht nur der Torso den letzten Schliff, auch zahlreiche andere Bühnenteile werden noch montiert, ins­talliert und getestet werden.

 

„Schöpfung“ als Festspielmotto 2011

Höhepunkt Uraufführung Achterbahn von Judith Weir

Höhepunkt des weiteren Programms der Festivals am Bodensee ist am 21. Juli 2011 die Uraufführung von Achterbahn, dem neuesten Werk der bekannten britischen Komponistin Judith Weir, als Oper im Festspielhaus. Weirs Werk ist unter dem Titel „Schöpfung“ auch der Schwerpunkt des Festspielsommers 2011 gewidmet.

Ihre Kammeroper Der blonde Eckbert ist im Theater am Kornmarkt zu sehen, während die Orchesterkonzerte der Wiener Symphoniker und des Symphonieorchesters Vorarlberg eine ganze Reihe von Menschen musikalisch in den Mittelpunkt stellen, deren wacher Geist und einzigartige Kreativität Kunst, Literatur und Musik der vergangenen Jahrhunderte geprägt haben.

Im Rahmen der Schauspielreihe bringt das Deutsche Theater Berlin 2011 das von der Kritik gefeierte Gorki-Werk ­Kinder der Sonne in der Regie von Stephan Kimmig, und ­Roland Schimmelpfennigs Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes in der Inszenierung des österreichischen Regiestars Martin Kušej nach Bregenz. Neu im Bund ist das Schauspielhaus Wien, das mit dem 2009 entstandenen Stück Waisen von Dennis Kelly im Theater Kosmos gastiert.

Die zeitgenössische Reihe „Kunst aus der Zeit“ geht 2011 den Fragen auf den Grund, was Singen mit Frust zu tun hat, wo der Zusammenhang zwischen Libido und Kreativität liegt und was in der heutigen Hightechwelt aus unserem Körper wird.

20. Juli bis 21. August 2011

Der Bregenzer Intendant David ­Pountney über André Chénier

Es scheint, als sei André Chénier nur für die Seebühne komponiert worden! Diese Oper bietet die perfekte Mischung für diesen Ort: eine packende Handlung, Musik von höchster emotionaler Intensität und vier starke Charaktere, aufgerieben zwischen dem Luxus des Ancien Régime und der brutalen Politik der Französischen Revolution. Im Zentrum steht der Dichter André Chénier, eine historische Figur und ein leidenschaftliches Individuum, das, eigentlich ganz seinem schöpferischen Geist als Dichter zugewandt, vom eigenen Gewissen dazu gezwungen wird, seine Hand ins Höllenfeuer der Geschichte zu halten. Sein Gegenspieler ist Carlo Gérard, einst Diener und nun revolutionärer Rädelsführer. Und da ist die junge Adelige Maddalena, die auf der Flucht vor den Aufständischen ist, unterstützt von ihrem Dienstmädchen Bersi, das sich als Prostituierte verdingt, um seiner Herrin den Lebensunterhalt zu ermöglichen. Giordanos Musik ist Verismo allererster Güte und treibt den hoch spannenden Plot mit atemberaubender Geschwindigkeit voran.

Tickets und Infos:

Tel. +43 (0) 55 74/407-6

www.bregenzerfestspiele.com

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