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Anrufung

So lautet das Motto des Kunstfests Weimar 2012 nach einem Klavierstück des tiefreligiösen Franz Liszt. Das Liszt-Jubiläumsjahr ist vorbei – das Kunstfest Weimar feiert ihn ­weiter, den unerschöpflichen Musiker, Europäer und Local Hero Weimars.
Am Palais 3, D-99423 Weimar

Anrufungen sind Beschwörungen. Aus tiefer Not helfen Engel und Heilige. Die Kunst hat das jahrhundertelang sichtbar und hörbar gemacht. Kunst selbst ist ein unablässiges „Rufen“ – aber nach wem? Nach uns selbst?
Künstler aus aller Welt kommen nach Weimar. Diesmal übernimmt ein Streichquartett die Rolle des Artist-in-Residence: das Quatuor Diotima. Mit allen Spieltechniken der Avantgarde vertraut, ist dieses französische Quartett international berühmt geworden. Die späten Beethoven-Quartette bilden die Basis seiner vielfältigen, klugen Programmgestaltung.
Geistliches von Franz Liszt wird von den erfolgreichen jungen Pianisten Igor Levit und Herbert Schuch zu hören sein, theologisch Versierte denken über unsere spirituellen Bedürfnisse nach, und an kleinen Huldigungen für den Jubilar John Cage wird es auch nicht fehlen.
Schwerpunkt Tanz: Weltreligionen und Weltkulturen erscheinen in den Arbeiten des flämisch-marokkanischen Choreografen Sidi Larbi Cherkaoui. Babel (words) heißt sein verwirrend hinreißendes Gesamtkunstwerk aus Tanz, Musik, Kabarett und Skulptur. Anders der britisch-indische „Wirbelwind“ Akram Khan. Indischer und zeitgenössischer Tanz mischen sich in Gnosis (Erkenntnis) – einem märchenhaften Tanztheater, das paradoxe Bewusstseinszustände erforscht.
Die große Ausstellung 2012 kommt aus dem Kunstmuseum Liechtenstein. Arte povera hieß die skandalöse, aber einflussreiche italienische Kunstströmung der 1960er- und 1970er-Jahre, die hier eine Retrospektive erfährt. Auf ästhetische und soziale Verwandlung des Alltags setzten die Künstler damals, „Armut“ der Materialien war ihr spirituelles Konzept.
Höhepunkt des Jahres 2012 ist eine spektakuläre Neuproduktion des amerikanischen Regisseurs, Lichtdesigners und Bühnenmagiers Robert Wilson. Er inszeniert Franz Liszts Via Crucis als eine faszinierende Klang- und Lichtinstallation.
Wilsons artifizielle Formensprache und die eigene Handschrift seiner Kunstprojekte halten die internationale Theater- und Bühnenszene nun seit drei Jahrzehnten in Atem. Er hat die Zusammenhänge von Bühnenbild, Licht, Kostüm und Bewegung auf seine wundersame, stets rätselhafte Art neu definiert. Berühmt für seinen Umgang mit langsamen Zeitmaßen, mit Ritualen und mit Spirituellem, dürfte ihn die Leidensgeschichte Christi, die im ergreifenden Spätwerk von Franz Liszt erzählt wird, zu neuen ästhetischen Inspirationen führen. Zusätzlich haben Studierende der Bauhaus-Universität Weimar, angeleitet von Robert Wilson, eigene medienkünstlerische Kommentare zu Liszts ergreifendem Spätwerk entworfen. Eine gigantische alte Scheune ist Zentrum dieser Anrufungen.

24. August bis 9. September 2012

Informationen & Tickets

Tel. +49 (0) 36 43/745 745

www.kunstfest-weimar.de