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Köstliche Stillleben von Frans Snyders bis Giorgio Morandi

Aus einer der bedeutendsten privaten europäischen Kunstsammlungen, der Sammlung Rau für UNICEF, präsentiert das in spektakulär schöner ­landschaftlicher Lage am romantischen Rhein gelegene Arp Museum Meisterwerke der Stilllebenmalerei vom 17. bis ins 20. Jahrhundert.

Hans-Arp-Allee 1, D-53424 Remagen

Gedeckte Tische mit verlockenden reifen Früchten, prächtigen Fischen und Meeresfrüchten oder auch Wild und Hühnern sowie einem glitzernden Glas Wein laden die Betrachter dazu ein, ihnen nahezukommen und sogar zuzugreifen. Ein Messer liegt scheinbar griffbereit am Tischrand, eine Zitronenschale rollt uns ent­gegen, und sie duftet sogar! Anhand von 45 Gemälden aus drei Jahrhunderten lässt sich bis 14. Oktober im eleganten Richard-Meier-Neubau des Arp Museums die alle Sinne ansprechende „Architektur der Dinge“ wie unter einer Lupe entdecken. In den nahsichtig angelegten Stillleben tastet sich der Blick des Betrachters durch das Unterholz und über köstliche Tischlandschaften hinweg.

Der Flame Frans Snyders erzählt in seinen barocken Tafeln von Überfluss und Luxus, die im 17. Jahrhundert freilich nur einige wenige genießen konnten. Einen Kontrapunkt hiezu bilden Daniel Spoerris humorvolle „Eat-Art“-Arrangements, welche die Überreste einer realen Mahlzeit auf einer Tischplatte festhalten. Mit opulenten Blumenbouquets, die Fülle und Vielfalt in der Natur wiedergeben, wartet der Holländer Willem van Aelst auf. Jede Blume hat eine besondere Bedeutung, die es zu entschlüsseln gilt. Doch das Leben in diesen Bildern ist nicht nur still, denn es wimmelt nur so von krabbelnden kleinen Käfern, Vögeln auf der Jagd nach Insekten oder auch einer lauernden Katze im Hintergrund.

In die Moderne weist ein klares und unprätentiöses Früchtestillleben des 18. Jahrhunderts und leitet zu den Küchenimpressionen Carl Schuchs über, der 1883 auf der Suche nach der „Essenz der Erscheinung“ ein Bündel Spargel in kräftigem Schwarzweißkontrast darstellte. Die Ausstellung endet mit einer abstrahierten Komposition des berühmten Stillleben­malers Giorgio Morandi. Eine Flasche mit zwei Gläsern, in einer hellen Ton-in-Ton-Palette gehalten, steht nur noch für die reine Malerei, ohne auf eine Bedeutung jenseits des Bildes zu verweisen.

Neben dieser virtuosen Zurschaustellung von Dinglichkeiten kann der Besucher auf drei zusätzlichen Ausstellungsebenen weitere Themen entdecken. In der obersten Etage des Neubaus machen die Haus­patrone Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp mit ihren avantgardistischen Zeichnungen, Collagen, Architekturentwürfen, Reliefs und Skulpturen ihre Aufwartung. Die Ebene darunter stellt noch bis 9. September Nazarenerfresken des 19. Jahrhunderts in Dialog mit neuen Wand- und Raumarbeiten von zwölf zeitgenössischen Künstlerinnen. Und der Bahnhof beherbergt Miniatur­achitekturen aus Beton von Joachim Manz (bis 7. Oktober).

Wahrhaft köstlich ist neben dem Augenschmaus im Museum auch der traumhaf-te Blick von der historischen Bahnhofs­terrasse über den Rhein auf das südlich von Bonn gelegene Siebengebirge. Ein kulinarischer Abschluss im Museumsrestaurant mit festlichen Kronleuchtern und feiner regionaler Küche ist absolut empfehlenswert.

bis 14. Oktober 2012

Informationen

Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Hans-Arp-Allee 1, D-53424 Remagen

Tel. +49 (0) 22 28/94 2 50-16

Di–Do 11–18 Uhr

info@arpmuseum.org

www.arpmuseum.org