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On Stage

Viele großartige Schauspieler sind in Salzburg zu erleben – neue Gesichter und alte Bekannte wie Peter Simonischek und Nicholas Ofczarek, Ben Becker und André Jung, Stefan Kurt und Martin Reinke, Anne Ratte-Polle, Elisabeth Orth und Andrea Clausen und viele andere. Erstmals dabei ist August Diehl als Prinz von Homburg, und „Buhlschaft“ Brigitte Hobmeier übernimmt eine Rolle in der Uraufführung von Händl Klaus.

Herbert-von-Karajan-Platz 11, A-5010 Salzburg

August Diehl

Bis zu seiner Rolle in Quentin Tarantinos anarchischer Nazisatire Inglorious Basterds galt er als der Ernste unter den jüngeren Schauspielern: August Diehl, Sohn des Schauspielers Hans Diehl und einer Kostümbildnerin, erlebte schon als Kind viele Ortswechsel; in Berlin geboren, aufgewachsen unter anderem auf einem französischen Bauernhof, Abitur am Chiemsee. „Für mich war Theater eine selbstverständliche Möglichkeit und Schauspieler ein Beruf, den die Erwachsenen um mich he­rum ernst nahmen.“ Seine Ausbildung erhielt er an der bekannten Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin; dort „wurde einem klargemacht, dass der Beruf ein Handwerk ist“. Von Anfang an spielte Diehl parallel Film- und Theaterrollen; als Vorbilder nannte er einmal Gert Voss und Robert de Niro und sieht den Wechsel zwischen den Metiers als „sehr produktiv für mich“.

Für sein Kinodebüt als Computerhacker Karl Koch in dem Film 23 erhielt er den Deutschen Filmpreis als bester Darsteller; zahlreiche Filmproduktionen und Preise folgten – unter anderem Was nützt die Liebe in Gedanken (Achim von Borries; unter anderem Preis der deutschen Filmkritik), Christian in Die Buddenbrooks (Heinrich Breloer), Wer wenn nicht wir (Andreas Veiel), aber auch der amerikanische Actionfilm Salt. Als Nächstes spielt er neben Jeremy Irons und Bruno Ganz in der Verfilmung des Bestsellers Nachtzug nach ­Lissabon (Regie: Bille August). Für seine Thea­terrolle in Gesäubert von Sarah Kane wurde er 1999 von Theater heute als bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet und erhielt 2001 den Preis des Berliner Theatertreffens als Kostja in Die Möwe; er spielte am Maxim-Gorki-Theater, an den Schauspielhäusern in Bochum und Hamburg sowie in den letzten Jahren regel­mäßig am Burgtheater und arbeitete mit Regisseuren wie Peter Zadek, Luc Bondy, Klaus Michael Grüber oder Martin Kušej. Nun übernimmt er die Titelrolle in Kleists Prinz von Homburg, seine erste Zusammenarbeit mit Andrea Breth. August Diehl hat ein Faible für Rebellen: „Ich finde es halt spannend, wenn sich jemand inkorrekt verhält – alles, was Sand im Getriebe ist, etwas aufhält und stocken lässt.“ Die Versenkung in seine Rollen, sein Ernst, der zuweilen etwas Wahnhaft-Düsteres und zugleich Schwebend-Traumverlorenes hat, seine Körperpräsenz und Kraft lassen ­einen faszinierenden Prinzen von Homburg erwarten.


Brigitte Hobmeier

„Venus von Ismaning“ nannte sie der Kultur-Spiegel vor ein paar Jahren und fasste damit prägnant das Besondere, das Brigitte Hobmeier eigen ist – ein Paradox, ein scheinbarer Widerspruch: Botticelli-Schönheit und bayerisches Urgewächs, ätherisch und bodenständig zugleich, zart und zäh. Ihr kraftvoller (nicht mehr ganz) niederbayerischer Dialekt ist ihr „in die Wiege gelegt worden“, der Theaterberuf nicht – der Vater war dagegen. Heimlich ging die in einem Dorf nördlich von München geborene Hobmeier an die Folkwang-Hochschule vorsprechen. Als Anfängerin tourte sie zwei Jahre in Peter Steins Expo-Faust-Ensemble, dann schlug sie ein Angebot ans Düsseldorfer Schauspielhaus in den Wind, weil sie nach Hause wollte. Da begann Christian Stückl, mit einem jungen En­semb­le das Münchner Volkstheater zu erneuern – ein Glücksfall für beide: „Wenn der mich angeschaut hat, dann wusste ich, was er meinte.“ Hobmeier wurde sein Star, zog spätestens mit Lulu überregionale Aufmerksamkeit auf sich; daneben übernahm sie Film- und Fernsehrollen, gewann 2004 internationale Preise für den Film Identity Kills. Sie drehte Filme mit Marcus Rosenmüller (zum Beispiel Räuber Kneißl), Tatort-Folgen, die Verfilmung des bayerischen Krimibestsellers Tannöd und Nichts als Gespenster nach dem Roman von Judith Herrmann; für das historische Drama Die Hebamme bekam sie den Grimme-Preis. Dass sie nicht allein auf großäugige rotlockige Schönheit – „Ich hab bestimmt kein sehr modernes Gesicht“ – festzulegen ist, beweist Hobmeier auf der Theaterbühne immer wieder. Sie spielte in Volksstücken und Klassikern, Viola in Was ihr wollt ebenso wie die Geierwally oder Tonka in Sperrs Jagdszenen aus Niederbayern, Männerrollen (etwa Spiegelberg in den Räubern am Volkstheater oder den Halbstarken Vince in Matthieu Kassovitz’ Hass in den Münchner Kammerspielen). Seit 2005 gehört sie dem renommierten Ensemble an, war
die „Glücksritterin“ (Stefan Kimmig) Elisabeth in Horváths Glaube, Liebe, Hoffnung (Faust-Theaterpreis), Warja im Kirschgarten und Gudrun Ensslin in Jelineks Ulrike Maria Stuart. In der Fassbinder-Adaption Die Ehe der Maria Braun von Regisseur Thomas Ostermeier spielte sie die Titel­rolle, vier Frauenrollen in seiner Achternbusch-Inszenierung Susn und an der Schaubühne in Berlin in Lars Noréns Dämonen. Wenn sie auf ihr Äußeres festgelegt wird, hat sie schon manchmal gedacht: „Wir sind doch Verwandlungskünstler! Seid doch mutiger!“ Das neue Stück von Händl Klaus bietet ihr bestimmt eine Möglichkeit, ihre Vielseitigkeit zu zeigen.

Text: Barbara Maria Zollner

August Diehl © Reinhard Werner/Burgtheater

Brigitte Hobmeier © Janine Guldener

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