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Spurenlese

Die Ausstellung „Spurenlese. Fotografien von Herlinde Koelbl” präsentiert über 400 Fotografien, dazu Interviews und Videoinstallationen der renommierten deutschen Fotokünstlerin.
Museumsmeile, Willy-Brandt-Allee 14, D-53113 Bonn

„Was ist das Wesentliche des Menschseins, was treibt Menschen an? Fragen, die ich mir immer wieder stelle: Liebe, Gier, Hass, Glaube, Angst, Macht, Sexualität, Tod.“ Antworten auf diese grundlegenden Fragen, die sich Herlinde Koelbl bei ihrer Arbeit stellt, gibt sie selbst in ihren Fotografien.

Ihre Arbeiten reichen von Sozialstudien wie Das deutsche Wohnzimmer und Feine Leute über Serien von Männern und ­Frauen bis zur fotografischen Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte in Jüdische Porträts. Die Aufnahmen in Kleider machen Leute beschäftigen sich mit Leitmotiven ihrer Arbeit: Rollenmuster, Image, Status und Macht.

In den Fotos von Herlinde Koelbl wird das Sein hinter dem Schein sichtbar. Interviews, die sie mit vielen Porträtierten führte, vertiefen die fotografischen Eindrücke.

Die Vielzahl der Themen spiegelt den ­Pluralismus von Lebenserfahrungen und -wirklichkeiten wider und erlaubt soziale, alltags- und kulturgeschichtliche Perspektiven auf die deutsche Zeitgeschichte.

Herlinde Koelbls Werke sind eine Art von „Spurenlese“: Sie wählt Menschen nach bestimmten Kriterien aus − wie Herkunft, Geschlecht oder Beruf − und bindet die Einzelporträts in Serien ein. So entstand von 1991 bis 1998 die Langzeitstudie Spuren der Macht, in der sie Personen des öffentlichen Lebens über fast ein Jahrzehnt beobachtete. Koelbl ging der Frage nach, wie ein Amt den Menschen innerlich und äußerlich verändert. Zusammen mit den begleitenden Interviews entstanden ein Psychogramm der Macht und ein ungewöhnlicher Blick auf die deutsche Zeit­geschichte.

Ebenso entlarvend gelang ihr dies in der Fotoreportage Feine Leute mit einem Blick auf die „High Society“. Von 1979 bis 1985 fotografierte Koelbl bei Filmbällen und Modenschauen, der Rennwoche in Baden-Baden und beim Neujahrsempfang in Bonn. Sie beobachtete die Menschen, ihre Körpersprache und die Rituale der sogenannten besseren Gesellschaft.

Neben ihren Langzeitreportagen beschäftigten Herlinde Koelbl auch immer wieder soziale Rollenbilder: In ihrer Fotoserie über Männer (1984) breitet sie − in zum Teil drastischen Fotos − ein weites Spektrum von Männlichkeit aus. Die Studie Starke Frauen (1996) zeigt Aktfotos jenseits gängiger Schönheitsideale, sie inszeniert die Vitalität und die Präsenz ihrer Modelle, die „eine archaische Kraft ausstrahlen“.

Einen anderen Schwerpunkt setzt Her­linde Koelbl bei ihren Fotografien Das deutsche Wohnzimmer (1980) und Das Schlafzimmer (2002). Die Künstlerin ini­tiiert darin einen visuellen Dialog zwischen Zimmern und ihren Bewohnern, die aus unterschiedlichen sozialen Milieus kommen. Sie zeigt Einblicke in eine Gesellschaft, in der Lebensstile zunehmend individualisiert sind. Die Bildgestaltung verzichtet auf dramatisierendes Licht und ausgefallene Bildausschnitte. Koelbl verwendet immer dieselbe Kamera und immer dasselbe Weitwinkelobjektiv. In ihrer jüngsten Produktion, Kleider machen Leute, geht die Künstlerin der Frage nach,
wie Uniformen und Berufskleidung den Eindruck des jeweiligen Gegenübers bestimmen.

Im Mittelpunkt aller Werke von Herlinde Koelbl steht immer die Suche nach dem, was den Menschen ausmacht. Ihre Aufnahmen entwerfen mit Offenheit und Tiefenschärfe ein facettenreiches und ungewöhnliches Porträt unserer Gesellschaft.

5. Juli 2012 bis 27. Januar 2013

Informationen

Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Museumsmeile

Willy-Brandt-Allee 14, D-53113 Bonn

Tel. +49 (0) 228/91 65-0

Di–Fr 9–19 Uhr, Sa, So und Fei 10–18 Uhr

Eintritt frei

post@hdg.de

www.hdg.de