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Fabrizio Plessi, Llaüt, Installation, Ludwig Museum Budapest, 2014 © Fabrizio PlessiFabrizio Plessi, Llaüt, Installation, Ludwig Museum Budapest, 2014 © Fabrizio PlessiFabrizio Plessi, Foto: Martín Montórfarno Fabrizio Plessi, Llaüt, Installation, Ludwig Museum Budapest, 2014 © Fabrizio Plessi

Die Blaue Grotte von Koblenz

Der renommierte Künstler Fabrizio Plessi inszenierte für das Ludwig Museum in Kob­lenz eine Installation von zehn mallorquinischen Fischerbooten, die in schillerndes blaues Licht getaucht kieloben im Ausstellungsraum gestrandet sind. Die Ausstellung „Sul Viaggio – über das Reisen” ist noch bis 17. August 2014 zu sehen.
Danziger Freiheit 1, D-56068 Koblenz

Seit 2004 erstmals wieder in Deutschland, inszeniert der bekannte Medienkünstler Fabrizio Plessi zehn mallorquinische Fischerboote in einer neuen Installation.
„Llaüt/Light” ist – wie so häufig bei ihm – ­eine Hommage an das Wasser und das ­Leben. Die Boote sind ihm zugleich Symbol für eine untergegangene Kultur, die sich lange über den Fischfang definierte. Das Werk hat einen mit der Stadt Koblenz gemeinsamen thematischen Schwerpunkt: die Geschichte, vor allem jedoch die seit dem 18. Jahrhundert literarisch wie malerisch viel gelobte „romantische Rheinreise“. Der Titel der Ausstellung nimmt hierauf Bezug. Das Boot steht für Plessi als Symbol des Künstlers, der physisch und gedanklich auf Reisen geht, mutig Neues entdeckt und ständig in Bewegung ist.
Plessi hat sich in seinem Werdegang von Kaspar David Friedrich inspiriert gefühlt. Das blaue Licht der Installation Llaüt/Light steht für die spirituelle Dimension der Kunst Plessis. Das Spiel der Elemente Wasser, Feuer, Holz und Metall mit den Errungenschaften der heutigen Technik erzeugt bei Plessi Szenarien, in denen die virtuel-
le Realität die Wahrheit ersetzt und Fälschungen wahrer als die Wahrheit macht. Bildschirme erzeugen in Verbindung mit ori­ginal vor Ort aufgenommenen Bildern und Geräuschen Emotionen, erzählen Geschichten und offenbaren Geheimnisse. Nach Plessis Vorstellung gehört es zu den Herausforderungen des heutigen Menschen, zu lernen, wie die Errungenschaften des technischen Zeitalters nicht gegen Menschen, sondern für die Humanisierung unseres Miteinanders genutzt werden können. 
Fabrizio Plessi entwickelte zudem eigens für das Ludwig Museum eine neue Serie von großformatigen Zeichnungen, in denen seine zahlreichen Reisen zu wichtigen Kulturzentren der Menschheitsgeschichte als metaphysische Erfahrungen begriffen und zusammengefasst werden. Zeichnungen, Videos und Rauminstallationen umschreiben und thematisieren das Wasser, das Reisen und die Vergänglichkeit der menschlichen Kultur. Zu sehen sind neben der Installation Llaüt/Light, die da­zugehörigen Entwurfszeichnungen Llaüt Light Projects, die großformatige Werk­serie Liquid Labyrinth sowie die 2014 ­eigens für diese Ausstellung entstandene Videoinstallation Liquid Tables. Der 1940 in Reggio Emilia (Italien) geborene Künstler gilt neben Volf Vostell, Nam June Paik oder Bill Viola als einer der bedeutendsten „Altmeister“ der Videokunst. Nach Aussage von Germano Celant, dem bekannten ita­lienischen Kunstkritiker und Mitbegründers der Arte povera, zählte Fabrizio Plessi in Italien bereits zu Beginn seiner Kariere in den 1970er-Jahren zu den drei berühmtesten Künstlern des Landes.
In Deutschland wurde Plessi vom aufstrebenden Koblenzer Kunstsammler und Schokoladenfabrikanten Peter Ludwig schon Ende der 1970er-Jahren entdeckt und ausgestellt. In den durch Peter Ludwig gestifteten Museen und Kunstforen, darunter das Museum Moderner Kunst der Ludwig-Sammlung Wien und Museum Ludwig Köln, wurde Plessi von 1978 bis 1996 wiederholt ausgestellt. Die aktuelle Ausstellung im Ludwig Museum Koblenz, die in Kooperation mit dem Budapester Ludwig Museum entstanden ist, präsentiert nach einem Zeitraum von zehn Jahren dem deutschen Publikum die neuesten Werke von Plessi. 
bis 17. August 2014

Informationen

Ludwig Museum im Deutschherrenhaus

Danziger Freiheit 1 (am „Deutschen Eck“)

D-56068 Koblenz

Tel. +49 (0) 261/30 40 40

Di–Sa 10.30–17, So und Fei 11–18 Uhr

http://www.ludwigmuseum.org


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