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Die Unterweisung, 1990, Bleistifte und Aquarell, 64 x 49 cm, © VG Bild-Kunst Bonn, 2014Die Überreste des Geweihten, 1998, Bleistift und Pastell, 56 x 37 cm, © VG Bild-Kunst Bonn, 2014Das innere Gespräch, 1998, Bleistifte und Aquarell, 64 x 50 cm, © VG Bild-Kunst Bonn, 2014Träumst du ? Wovon träumst du?, 1996, Bleistift und Pastell, 66 x 104 cm, © VG Bild-Kunst Bonn, 2014Die multiplen Etappen eines Bildes, 2003, Tinten, 43 x 34 cm, © VG Bild-Kunst Bonn, 2014

Fred Deux – Le livre de la vie

In diesem Jahr rückt ein bedeutender zeitgenössischer französischer Künstler in den Fokus europäischer Aufmerksamkeit – präsentiert im Panorama Museum Bad Frankenhausen.
Am Schlachtberg 9, D-06567 Bad Frankenhausen

Fred Deux, der am 1. Juli dieses Jahres seinen 90. Geburtstag beging, ist eine Ausstellungsreihe in Deutschland, Frankreich und der Schweiz gewidmet. Den Auftakt in Deutschland bildet die Exposition im Panorama Museum Bad Frankenhausen.
Die retrospektive Schau des Gesamtwerks mit über 130 Blättern von 1949 bis heute wird das Werk des Zeichners in seiner Entwicklung und all seinen unterschiedlichen Facetten erstmals im mitteldeutschen Raum zeigen. Eine stilistische Einordnung seines Schaffens ist dabei schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Rainer Michael Mason, Kunsthistoriker und bis 2005 Direktor des Cabinet des Estampes in Genf, verortet ihn zwischen Art brut und Henri Michaux. In jungen Jahren entdeckt Fred Deux Paul Klee und den Surrealismus mit André Breton für sich. Auch die Gruppe um Leonor Fini scheint ihn anfangs beeinflusst zu haben. Letztlich jedoch findet Fred Deux seinen ganz eigenen Weg in grandiosen figurativ-imaginären Bilderwelten, welche die ganze Tiefe und Unendlichkeit seiner Empfindungen und Erinnerungen widerspiegeln.
Innenschauen an eine düstere Kindheit, an Krieg und Krankheit gebären mit äußerst sensibel geführtem Stift ein unentwirrbares Geflecht aus feinsten Linien und Schraffuren, das für sich allein gesehen abstrakt zu sein scheint, im Zusammenspiel aller Ge­äste jedoch organische Gewebe entstehen lässt, die Leben atmen. Amorphe Kreaturen entsteigen der Dunkelheit des Seins und bezwingen die Dämonen der Vergangenheit. Es ist ein schmerzhafter, aber dennoch reinigender Prozess des „Bezeichnens“ einer unaussprechlichen Wahrheit, welche die Seele erdrückt.
Fred Deux ist ein kritisch Hinterfragender seines eigenen Schaffens. Ob als Autor (seinem ersten autobiografischen Roman mit dem Titel La Gana unter dem Pseudonym Joan Douassot folgen weitere Bücher) oder bildender Künstler sieht er den kreativen Prozess als identitätsstiftende „Arbeit“ an, die allein es vermag, sich selbst zu finden und letztlich auch selbst zu erkennen. Es ist für ihn ein immer wiederkehrendes, bewusstes Hinabsteigen in die Abgründe seiner Seele, in der sich gewesene Wirklichkeiten mit gleichnishaften Träumen zu grotesken Visionen verbinden. Das Unwirkliche aufs Papier zu bringen gleicht dabei einem unentwegten Ringen mit sich selbst.
Sepp Hiekisch-Picard, stellvertretender Direktor des Kunstmuseums Bochum, das ein repräsentatives Konvolut von Deux-Arbeiten zu seinem Sammlungsbestand zählt, charakterisiert das Œuvre wie folgt: „Im Überblick erscheint sein Werk zwischen den Polen einer traumhaft-fantas­tischen Figuration und einer zur Formauflösung strebenden Abstraktion zu pendeln, zwischen Gegensätzen von Expressivität und meditativer Kontemplation, die zu immer wieder überraschenden Synthesen und Weiterentwicklungen führen. Ein Werk, das jahrzehntelang mit ungeheurer Arbeitsdisziplin in einer mönchisch an­mutenden Abgeschiedenheit entsteht, fernab vom jeweils aktuellen Kunstgeschehen, nur sich selbst und dem absoluten Anspruch nach radikaler Ehrlichkeit in der Erforschung der eigenen Innenwelten verpflichtet.“
Text: Silke Krage
bis 12. Oktober 2014

Informationen
Panorama Museum
Am Schlachtberg 9,
D-06567 Bad Frankenhausen
Tel. +49 (0) 346 71/61 90
www.panorama-museum.de

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