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Michael Freeman, Asia Gate House, 2001, Design: Tetsuo Goto, Okinawa, Japan Michael Freeman, Kaho House,  2001, Design: Atsushi Akenuji, Kyoto, JapaMichael Freeman,  M House,  2001, Design: Kazuyo Sejima & Ryue Nishizawa, Tokio, JapanWilliam CoreyWilliam Corey, Renge-Ji, 1993, Kyoto, JapanWilliam Corey, Kajo Koen, 1995, Yamagata, Japan

GARTENFOKUS – Japans Gärten

In der Ausstellungsreihe GARTENFOKUS zeigt die Stiftung Schloss Dyck in diesem Jahr ­Fotografien von Gärten und Parkanlagen in Japan. Dabei sind es ganz unterschiedliche Perspek­tiven, aus denen sich William Corey und Michael Freeman dem Thema genähert haben.
, D-41363 Jüchen

Der Amerikaner William Corey (1949 bis 2008) war ein international anerkannter Fotograf, Dozent und Pädagoge. Als Fotograf war er weltweit tätig, wobei er eine besondere Verbindung zu japanischen Gärten entwickelte. Er gilt als einer der wichtigsten westlichen Fotografen, die sich dem Thema der japanischen Gärten gewidmet haben. Er entführt uns in bedeutende historische Parkanlagen. Es sind Gärten, die über Jahrhunderte gehegt und gepflegt wurden. Einige gehören zu Tempelanlagen und bilden den Rahmen und das Objekt für meditative Übungen. Andere gehören zu kaiserlichen Palästen und Villen und spiegeln die Verfeinerung einer höfischen Kultur wider. Corey hat diese Gärten mit seiner Großformatkamera erfasst. Dabei ging es dem 2008 verstorbenen Künstler darum, keine Bilder von ­einem Garten, sondern über einen Garten zu machen. An die Stelle der dokumentarischen Wiedergabe tritt die Versenkung in die Gartenanlagen. Dies ist ganz wörtlich zu verstehen, weil Corey sich vor der eigent­lichen Aufnahme mehrere Tage in den Gärten aufhielt. Es ging ihm darum, die Gärten zu verstehen, bevor er sie in meist nur einer einzigen Aufnahme festhielt. Mit einer bis zu 40-minütigen ­Belichtungszeit wurde das Fotografieren selbst zu einem meditativen Prozess. Es ging Corey darum, den Gärten in ihrer spirituellen Essenz gerecht zu werden und in seinen Bildern die innere Ruhe der Gärten für die Betrachter zu transportieren.
Im Gegensatz dazu richtet der 1945 geborene Brite Michael Freeman sein Augenmerk auf zeitgenössische Gartenanlagen. Insgesamt hat der preisgekrönte Fotograf über 133 Bücher zum Thema Fotografie veröffentlicht, wobei sein Hauptaugenmerk auf der Reise- und Architekturfotografie liegt. Entsprechend verbringt der in London lebende Fotograf jedes Jahr etwa sechs Monate auf weltweiten Fotoreisen, wobei er seinen besonderen Schwerpunkt auf Asien gelegt hat. Hier interessieren ihn insbesondere die asiatische Kultur, Architektur und Archäologie. In diesem Zusammenhang hat er sich auch dem Thema der japanischen Gärten zugewandt. Freemans Blick gilt besonders der aktuellen und modernen Entwicklung der japanischen Gartengestaltung. Er zeigt uns die Gärten aus außergewöhnlichen Blickwinkeln und bezieht häufig die Umgebung der Anlagen in seine Arbeiten mit ein. Bei seinen Motiven handelt es sich um die Gärten moderner Villen und Penthäuser und die grünen ­Oasen im öffentlichen Raum der Großstädte. Der Blickwinkel des Fotografen ist dabei außergewöhnlich und betont die besondere Lage und Beschaffenheit der Gärten. Freeman interessiert sich für die Verbindung zwischen Gartenkunst und Architektur und bezieht daher die umgebenden Bauten in viele seiner Bilder ein. Der japanische Garten wird in diesen Arbeiten als von Menschenhand geschaffenes Naturbild präsentiert: ein kleines und konzentriertes Refugium als Rückzugsort des Menschen. So entstehen Bilder, in denen die Gärten als Inseln gestalteter Natur, begrenzt von der zivilisatorischen Realität, erscheinen. Obwohl die Motive in Freemans Werk oft einen starken Kontrast bilden, verliert der Fotograf dabei nie die lange Tradition der japanischen Gartenkunst aus den Augen.
So unterschiedlich die Ansätze der Fotografen auch sind, auf den zweiten Blick werden in der Kultivierung der Pflanzen, den Prinzipien der Gartengestaltung und der Verwendung der Materialien Parallelen deutlich. Hier erscheint, wie ein roter Faden, eine jahrhundertealte Gartenkultur, deren Prinzipien bis heute ihre Gültigkeit bewahrt haben. Tradition und Moderne – in Japans Gärten sind sie keine unversöhnlichen Gegensätze.
Die Ausstellung Gartenfokus steht unter der Schirmherrschaft des Japanischen Generalkonsulats Düsseldorf.
bis 26. Oktober 2014 

Informationen
Stiftung Schloss Dyck
Schloss Dyck, D-41363 Jüchen
Tel. +49 (0) 21 82/824-0
Di–Fr 14–18 Uhr, Sa und So 12–18 Uhr
www.stiftung-schloss-dyck.de

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