SIMsKultur Online

Max Uhlig, Dünen, 1990, Aquarell auf Papier, Foto Hans Wulf KunzeMax Uhlig, Faucon,  Le Souten, 1991, Öl auf Leinwand,  Foto Hans Wulf KunzeMax Uhlig,  Elbetreibholzstudie, Zeichnung, Feder, 1971 Foto: Hans Wulf KunzeMax Uhlig, Landschaft bei Penzlin, 12.9.1982, Öl auf Leinwand, Foto Hans Wulf Kunze

Max Uhlig. Vor der Natur gewachsen

Malerei und Zeichnung | Retrospektive im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen, Magdeburg

„Die Wirklichkeit ist immer neu“, sagt Max Uhlig, der heute unbestritten zu den wichtigen deutschen Malern der Gegenwart gehört. Viele Sammlungen in Deutschland und weltweit, von Paris bis Basel, London und New York, bewahren seine Werke. Sein künstlerischer Eigensinn und besonderer Stil waren die Garantie für Qualität in politisch wie kulturell verschiedenen Gesellschaften. Immer ist Max Uhlig dabei sich selbst treu geblieben.
Neben seinem gut aufbereiteten druckgrafischen Werk, das 2012 in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden präsentiert wurde, ist es vor allem sein umfangreiches malerisches Werk, das im Zentrum der Magdeburger Ausstellung stehen wird.
Kann man sagen, die Bilder von Max Uhlig schildern nur einen Moment, oder zeigen sie das, was bleibt? Unzweifelhaft ist der Prozess des Sehens für Max Uhlig Ausgangspunkt seiner Bilder. Das lange Beobachten und Schauen gehen dem Malprozess voraus. „Für mich wird eine Sache interessant, wenn sie durch langes Anschauen fremd wird“ (Max Uhlig). Dieses Anschauen hat Max Uhlig sein Leben lang betrieben, und entstanden ist seit Ende der 60er-Jahre ein Werk „von bewundernswerter Dichte und Eigenart“ (Werner Schmidt, 1994).
Neben Porträts sind es vor allem Landschaften, die Max Uhlig immer von Neuem faszinieren. Seine Bilder sind präzise Konst­rukte einer Wahrnehmung, der das Flüchtige und Vergehende ebenso vertraut sind wie das Innehalten und Aushalten. Selten zeigen sich die Handlungen am Bild, sein in die Methode des Malvorgangs übergehendes Sehen und die daraus hervorgehende Bildstruktur auf eine Weise identisch wie im Werk dieses Malers. Die Striche und Tupfen seiner Malerei vernachlässigen die Oberfläche, sie dringen tiefer ein, sie wecken den Eindruck entkörperlichter Spuren von wesenhafter Erscheinung. Im Mittelpunkt des Interesses dieses Künstlers stehen Mitteilungen über die Natur des Künstlerischen in der immer neu gestellten Frage nach dem Vorgang des sich Vertiefens und Erinnerns an einst gesehene Bilder, die zum Abruf bereitstehen.
Die Magdeburger Ausstellung richtet den Fokus zum ersten Mal auf das über 45 Jahre hinweg entstandene zeichnerische und malerische Gesamtwerk des Künstlers. ­Neben den großformatigen Landschaftsgemälden der 90er-Jahre aus Frankreich werden kleine Landschaften der 70er-Jahre ebenso zu sehen sein wie die markanten Porträtköpfe. Darüber hinaus finden sich in der Magdeburger Ausstellung wundervolle farbige Aquarelle der mecklenburgischen Landschaft, fast nie gezeigte Straßenszenen der achtziger Jahre und große schwarz-weiße Tuschzeichnungen wie für die Entwürfe der Chorfenster der Johanniskirche zu Magdeburg, an denen Max Uhlig momentan arbeitet.
1. Juli bis 26. Oktober 2014

Max Uhlig gestaltet neue Fenster für die Magdeburger Johanniskirche
Malen auf der Leinwand und Malen mit Licht – für die Gestaltung von Kirchenfenstern durch bedeutende Künstler gibt es in jüngster Vergangenheit mehrere zum Teil aufsehenerregende Beispiele. Dazu ­gehören die Arbeiten von Neo Rauch im Naumburger Dom, von Gerhard Richter und Markus Lüpertz in Köln, von Imi Knöbel in Reims und, bereits älter, von Marc Chagall in Mainz. Magdeburg fehlte bisher auf dieser künstlerischen Landkarte. Mit den 13 von Max Uhlig für die gotische Hallenkirche Sankt Johannis entworfenen Fenstern wird sich das ab 2014 ändern.
Die künstlerische Verglasung der großen gotischen Fenster bildet den Abschluss des Wiederaufbaus der im Zweiten Weltkrieg zerstörten ältesten Pfarrkirche der Stadt. Dann wird die Johanniskirche vielleicht zu einem neuen „Pilgerort“ für Reisende auf den Spuren zeitgenössischer Glasgestaltung zwischen Elbe und Rhein.

Informationen
Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen
Regierungsstraße 4–6,
D-39104 Magdeburg
Di–Fr 10–17 Uhr, Sa und So 10–18 Uhr
www.kunstmuseum-magdeburg.de

Leserkommentare

Zum Kommentieren kostenfrei registrieren oder anmelden.