SIMsKultur Online

Das Museum Hermann Hesse Montagnola, Foto: Remy Steinegger © Fondazione Hermann Hesse MontagnolaDie Ausstellung „O Freunde, nicht diese Töne!“- Hermann Hesse und der Simplicissimus im Museum Hermann Hesse Montagnola, Foto: Stefano Ember © Fondazione Hermann Hesse MontagnolaOlaf Gulbransson, Hermann Hesse, Karikatur ca. 1907Jubiläumsausgabe des Simplicissimus, 5. April 1926, Jg. 31, Nr. 1., Illustration: Thomas Theodor Heine

„O Freunde, nicht diese Töne!“ – ­Hermann Hesse und der Simplicissimus

Die Ausstellung dokumentiert anhand von Fotos, Briefen, Zeichnungen und zahlreichen Abdrucken aus dem Simplicissimus die verschiedenen Facetten, welche die Mitarbeit an der Zeitschrift für Hermann Hesse mit sich brachte.

2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Das Grauen dieser Katastrophe war einer der Faktoren, die in Hermann Hesse zu einer grund­legenden persönlichen Wandlung führten.
Hermann Hesse war langjähriger Mit­arbeiter bei der illustrierten Münchner Wochenschrift Simplicissimus, die durch ihre satirischen, von beißendem Witz geprägten Bild- und Wortbeiträge zu einer herausragenden und legendären Stimme der Kritik im Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. wurde. Von 1904 bis 1936 veröffentlichte Hermann Hesse im Simplicissimus über 150 Beiträge.
Ihn reizte zu Beginn die Mitarbeit an diesem satirisch-politischen Blatt, weil es sich gegen den preußischen Militarismus und gegen die Person des Kaisers richtete.
Der Beginn des Ersten Weltkriegs führte zu einem radikalen Richtungswechsel der Simplicissimus-Redaktion, die innerhalb weniger Tage ihre vorherige kritische Position aufgab und die Zeitschrift als patrio­tisches Propagandablatt in den Dienst der Kriegspolitik des Militärs stellte. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich eine innere Distanz zwischen der Redaktion und Hermann Hesse, der sich, anders als seine Simplicissimus-Kollegen, unter den Eindrücken des Kriegs zu einem überzeugten Pazifisten wandelte.
Seiner Überzeugung verlieh Hermann Hesse vorwiegend in der Neuen Zürcher Zeitung Ausdruck. Der bekannteste Artikel gegen den Krieg, „O Freunde, nicht diese Töne!“, wurde dort bereits am 3. November 1914 publiziert, wenige Monate nach Kriegsausbruch.
Darin heißt es unter anderem: „Menschliche Kultur entsteht durch Veredelung tierischer Triebe in geistigere, durch Scham, durch Phantasie, durch Erkenntnis. Daß das Leben wert sei, gelebt zu werden, ist der letzte Inhalt und Trost jeder Kunst, obgleich alle Lobpreiser des Lebens noch haben sterben müssen. Daß Liebe höher sei als Haß, Verständnis höher als Zorn, Friede edler als Krieg, das muß ja eben dieser unselige Weltkrieg uns tiefer einbrennen, als wir es je gefühlt haben. Wo wäre sonst sein Nutzen?“
Die Abwendung vom Simplicissimus, die sich in diesen Jahren entwickelte, blieb nach Kriegsende bestehen, auch wenn sich die Zeitschrift in der Weimarer Republik wieder ihren Ruf als kritisches Satireblatt zurückeroberte. Nachdem sich die Redaktion 1933 der Zensur der neuen nationalsozialistischen Machthaber beugte, stellte Hermann Hesse seine Mitarbeit 1936 endgültig ein.
bis 31. August 2014

Nächste Sonderausstellung
Hermann Hesse: eine Mythologie des Tessins.
Klingsors letzter Sommer illustriert von Sighanda
13. September 2014 bis 1. Februar 2015

Informationen
„O Freunde, nicht diese Töne!“ – Hermann ­Hesse und der Simplicissimus. Katalog, deutsch und ­italienisch, 120 Seiten, mit zahlreichen farbigen Illustrationen, sFr. 25.–
Konzeption: Eva Zimmermann
Kuratorin: ­Regina Bucher
www.hessemontagnola.ch

Leserkommentare

Zum Kommentieren kostenfrei registrieren oder anmelden.