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Makima, 22 Jahre alt, Murshidabad, Indien  © Ann-Christine Woehrl /Echo Photo Agency  Ein Nachbar wollte Makima heiraten. Sie lehnte den Antrag ab. Als Makima nachts schlief, kam die Mutter des Nachbarn und schüttete ihr Säure ins Gesicht. Api, 19 Jahre alt, Jhenaidah, Bangladesch © Ann-Christine Woehrl /Echo Photo Agency   Sokneang, 33 Jahre alt, Preah Vihear, Kambodscha © Ann-Christine Woehrl /Echo Photo Agency Christine, 25 Jahre alt, und ihr Freund Moses, Kampala, Uganda © Ann-Christine Woehrl /Echo Photo AgencyFarida, 40 Jahre alt, Manigkanj, Bangladesch © Ann-Christine Woehrl /Echo Photo Agency

UN/SICHTBAR

Frauen Überleben Säure – Fotografien von Ann-Christine Woehrl im Staatlichen Museum für Völkerkunde München.

Das Staatliche Museum für Völkerkunde München zeigt eine Fotoausstellung, die für alle sichtbar macht, was nur wenige Menschen wissen oder wissen wollen: Immer noch gibt es weltweit Gewalt gegen Mädchen und Frauen in Form von Säure- und Brandattentaten. Besonders bedrückend ist, dass in einigen Gesellschaften auch Frauen selbst einander auf diese Weise verletzen und töten.
Gekränkte Eitelkeit, Eifersucht, zu geringe Mitgift, Landstreitigkeiten und „Ungehorsam“ gegenüber familiären Erwartungen werden als Motive eines solchen Anschlags angeführt. Von den meisten betroffenen Mädchen und Frauen hat und wird man nie erfahren, da ihr Schicksal nicht an das Licht der Öffentlichkeit kommt – es wird totgeschwiegen. Die Opfer solcher Attentate müssen für den Rest ihres Lebens mit entstellten Gesichtern und Körpern leben, die mit diesen Verletzungen einhergehenden Schmerzen ertragen. Sie müssen auch die tiefen seelischen Narben, die ein solcher Gewaltakt hinterlässt, verkraften.
Die Fotografin Ann-Christine Woehrl hat sich auf ungewöhnliche Frauenporträts spezialisiert. Sie besuchte zahlreiche Opfer von Säure- und Brandanschlägen in verschiedensten Weltgegenden. In behut­samen Gesprächen befragte sie diese Menschen nach ihrem Schicksal. Sie traf bei den Frauen einerseits auf eine große Scham vor dem eigenen Aussehen, andererseits auf den festen Willen, der Ausgrenzung die Stirn zu bieten, sich dem Schicksal zu stellen und wieder ein selbstbewusstes Leben inmitten der Öffentlichkeit zu führen. So entstanden nicht nur Fotos, sondern anrührende Gesamtbilder von Frauen, die von einer Stunde auf die andere aus der Gesellschaft ausgestoßen wurden.
Die in der Ausstellung gezeigten Fotografien sind dokumentarische Meisterwerke, in denen körperlich und seelisch gleichermaßen verletzte Frauen ihren außergewöhnlichen Lebenswillen offenbaren, ihren Mut zur Rückkehr aus dem Dunkel der Verborgenheit vor die Augen aller. Die Aufnahmen belichten intime Momente, wirken aber nie voyeuristisch. Unter anderem wird die Geschichte eines Paars erzählt, bei dem die Braut von den Schwiegereltern nicht ­akzeptiert und kurz vor der Hochzeit bei ­einem vorgeblichen Haushaltsunfall entstellt wurde. Der Bräutigam heiratete sie trotzdem, er pflegt täglich ihre vernarbte Haut.
Die Bilder der Ausstellung werden von Originaltexten aus Interviews begleitet. So wird nicht nur sichtbar, sondern auch lesbar, was es heißt UN/SICHTBAR zu sein.
bis 11. Januar 2015

Informationen
Staatliches Museum für Völkerkunde München
Maximilianstraße 42, D-80538 München
täglich 9.30–17.30 Uhr
www.voelkerkundemuseum-muenchen.de

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