SIMsKultur Online

Aris QuartettPeter SchöneMoritz Eggert, Foto Mara EggertVentus Quintett SalzburgFensterbild 1 Weltkrieg, Altes Rathaus WeidenFranz Nölken, Max Reger, Ölbild, Kohlberg 1913, Quelle Max Reger Institut Karlsruhe

Zeitenende – Zeitenwende

16. Weidener Max-Reger-­Tage beschäftigen sich mit Max Reger und den Jahren um den Ersten Weltkrieg.

„Dem Andenken der im großen Krieg gefallenen deutschen Helden“ ist Max Regers Requiem auf einen Text von Friedrich Hebbel gewidmet. Es entstand 1915, zu einer Zeit, als die anfängliche Kriegs­eupho­rie schon der Ernüchterung und dem Schrecken über den industriell organisierten Massenmord wich. Der große Krieg hatte da auf den europäischen Schlachtfeldern schon unzählige Opfer gefordert, unter ihnen auch junge Künstler wie August Macke oder Georg Trakl, denen zahlreiche weitere folgen sollten: Franz Marc etwa, aber auch weniger bekannte, deren Genie man gleichwohl schon erkannte. Zu ihnen zählen der Wormser Komponist Rudi Stephan oder der Maler Franz Nölken, der als Bekannter Max Regers zahlreiche Bildnisse von ihm geschaffen hat.
Die 16. Weidener Max-Reger-Tage wenden sich diesen gefallenen Künstlern zu – etwa mit der Interpretation ausgewählter Rudi-Stephan-Kompositionen beim Liederabend von Peter Schöne und Moritz Eggert und einer kleinen Nölken-Ausstellung im Weidener Stadtmuseum. Vor allem aber versuchen sie nachzuspüren, wie die Künstler die Situation sahen und die Kriegsereignisse verarbeiteten, wie sie sich im Spannungsfeld zwischen dem „Nicht mehr“ und dem „Noch nicht“, zwischen dem Zeiten­ende und der Zeitenwende, orientierten.
Eigens komponierte Werke und Werkwidmungen gehörten dabei ebenso zu den Mitteln, musikalisch Stellung zu beziehen, wie in patriotischem Eifer geführte Bestrebungen, die eigene Musikkultur vor den jeweils feindlichen Einflüssen zu bewahren. Da­dais­tische, suprematistische und futuristische Bewegungen zielten durch ihre Abkehr von etablierten Kunstformen gar darauf ab, die scheinheiligen Werte und Ideale der bürgerlichen Gesellschaft insgesamt zu enttarnen und zu zerstören. Andere hingegen kämpften erbittert gegen die musikalische Moderne oder flüchteten sich in ihr künstlich geschaffenes Paradies.
Nach dem Eröffnungskonzert, bei dem die drei renommierten Interpreten Elisabeth Kufferath, Julius Berger und Nicholas Rimmer neben Regers spätem „Opus 102” auch das von Ravel zu Zeiten des Kriegsbeginns komponierte Klaviertrio a-Moll vortragen, setzen sich vor allem aufstrebende junge Künstler mit dem diesjährigen Motto der Weidener Max-Reger-Tage auseinander: das Aris-Quartett aus Frankfurt zum Beispiel, das neben dem Johannes-Brahms-Wettbewerb 2012 in Pörtschach weitere Kammermusikpreise gewinnen konnte, das ebenfalls mehrfach ausgezeichnete Klavierduo Antoniya Yordanova/Ivan Kyurkchiev und der ehemalige Kämmerling-Schüler Johannes Nies von der Musikhochschule Hannover. Das Ventus-Quintett Salzburg spielt Originalwerke und Bearbeitungen von Kompositionen der Kriegszeit. Auch einheimische Künstler der Weidener Kantorei beteiligen sich zu Ehren des großen Sohns ihrer Stadt am Festival und interpretieren zum Abschluss der Veranstaltungsreihe neben Regers oben erwähntem Hebbel-Requiem weitere Kompositionen aus seinem Spätwerk.
Eine Lesung aus Weltkriegszeugnissen des Weidener Stadtarchivs und eine historische Stadtführung zu den Erinnerungsstätten des Ersten Weltkriegs in Weiden runden das Programm der diesjährigen Max-Reger-Tage ab.
14. September bis 5. Oktober 2014

Informationen
Festivalbüro Weidener Max-Reger-Tage
Altes Rathaus, D-92637 Weiden
Tel. +49 (0) 961/81 41 22
www.maxregertage.de

Leserkommentare

Zum Kommentieren kostenfrei registrieren oder anmelden.