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Bild: Bogenschütze aus dem Westgiebel des Aphaiatempels in Ägina, Farbrekonstruktion, Variante B, Stiftung Archäologie/UniversitBild: Sogenannter Perserreiter von der Athener Akropolis, Farbrekonstruktion, 2008, Deutsche Forschungsgemeinschaft, LeibnizpreiFoto: Bernd SchoelzchenFoto: Bernd Schoelzchen

Bunte Götter. Die Farbigkeit antiker Skulptur

Die antike Marmorskulptur war nicht weiß, sondern bunt. Bis heute haben sich an antiken Skulpturen zahlreiche Spuren des ursprünglichen Farbenkleids erhalten. Sie beweisen, dass die griechischen und römischen Statuen Gewänder trugen, die mit aufwendigen Ornamenten und kostbaren Farben verziert waren.
Schlosspark 1, D-34131 Kassel

Seit 25 Jahren werden von einem internationalen Forscherteam unter der Leitung von Vinzenz Brinkmann Untersuchungen durchgeführt, aus deren Ergebnissen die Wanderausstellung Bunte Götter hervorgegangen ist. Sie macht in Kassel anhand von über 25 detailreichen farbigen Rekonstruktionen und rund 200 ausgewählten Originalen aus internationalen Sammlungen sowie dem Bestand der Antikensammlung der MHK die Ergebnisse der wissenschaftlichen Polychromieforschung für den Betrachter sichtbar und belegt in beeindruckender Weise die Bedeutung der Farbe für die antike Skulptur.
Die Ausstellung, die rund 800 Quadratmeter Fläche bespielt, gliedert sich in zwei Teile. Die Präsentation im Erdgeschoss von Schloss Wilhelmshöhe widmet sich dem aktuellen Stand der Forschung und den eindrucksvollen Rekonstruktionen der Stiftung Archäologie, darunter das Ostfries des Siphnierschatzhauses in Delphi sowie die berühmte Statue des „Perserreiters“, die erst im vergangenen Jahr rekonstruiert wurde.
Die Ausstellung im zweiten Obergeschoss von Schloss Wilhelmshöhe steht unter dem Titel Die Entdeckung der Farbe. Hier wird die Geschichte der Polychromieforschung erzählt. Der letzte Abschnitt der Präsentation ist durch etwa 50 Exponate aus der Kasseler Antikensammlung bestimmt, darunter griechische Keramik aus dem 4. Jahrhundert vor Christus.

Kontroverse Diskussionen um die Polychromie
Die antiken Marmorskulpturen, die Friedrich II., Landgraf von Hessen-Kassel, während seiner italienischen Reise im Winter 1776/77 für seine Antikensammlung ankaufte, waren strahlend weiß. Man hatte sie, wie damals üblich, nach dem Ausgraben intensiv mithilfe scharfer Säuren gereinigt. Das Bild der Antike wurde damals von dem berühmten deutschen Archäologen und Kunsthistoriker Johann Joachim Winckelmann (1717–1768) und seiner 1764 erschienenen Geschichte der Kunst des Alterthums geprägt. Für Winckelmann, dem farbige Fassungen antiker Kunstwerke bekannt waren, war Farbe nur eine Zutat zur Schönheit, nicht aber das entscheidende Kriterium. Seine Ansichten beeinflussten die Kunst des 19. Jahrhunderts und prägen unsere Vorstellung griechischer und römischer Kunst bis heute. Dabei entdecken bereits zu Anfang des 19. Jahrhunderts Forscher eindeutige Farbreste an zahlreichen Marmorfiguren, doch die farbigen Skulpturen lösten zumeist Verwunderung und Ablehnung aus. Gegen das weiße, klassizistische Ideal der Antike vermochten sich die Forschungen zunächst nicht durchzusetzen. Erst in den 1960er-Jahren begannen Wissenschaftler wieder, die Farbigkeit mit neuen technischen Methoden zu erforschen.

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