SIMsKultur Online

Otto Dix, Großstadt, 1927/28, Mischtechnik auf Holz, Kunstmuseum Stuttgart © VG Bild-Kunst, Bonn 2008Fritz von Uhde, Die heilige Nacht, 1888/89, Öl auf Leinwand, Foto: Jürgen Karpinski, Galerie Neue Meister, Staatliche KunstsammlMax Beckmann, Beginning, 1946-49, Öl auf Leinwand, The Metropolitan Museum of Art, New York, VG Bild-Kunst, Bonn 2008

DREI. Das Triptychon in der Moderne

Als Altar- und Andachtsbild spielt das Triptychon seit dem Mittelalter eine große Rolle. Dass es auch heute noch von zentraler Bedeutung ist, zeigt bis 14. Juni 2009 die Ausstellung DREI. Das Triptychon in der Moderne im Kunstmuseum Stuttgart, die sich erstmals mit dem wirkungsmächtigen Bildtypus auseinandersetzt.
Kleiner Schlossplatz 1, D-70173 Stuttgart

Ende des 19. Jahrhunderts erlebt das dreiteilige Bildformat eine Wiederbelebung; teilweise mit radikal neuen Inhalten und Bildformen, die einerseits an das christliche Leidensmotiv anknüpfen, andererseits säkularisierte Themen mit der „Pathosformel“ des Triptychons aufladen. Unter dem Eindruck zweier Weltkriege bedienen sich vor allem Otto Dix, Max Beckmann und Francis Bacon dieser Bildgattung zur Darstellung großer menschlicher Themen, entwerfen moderne Mythen und nehmen politisch Stellung. Auch Künstler(innen) der jüngeren Generation wie Jonathan Meese, Damien Hirst, Ricarda Roggan oder Bjørn Melhus wählen das Triptychon als reizvolles Format zwischen Offenheit und Geschlossenheit. In der großen Sonderausstellung DREI. Das Triptychon in der Moderne zeigt das Kunstmuseum Stuttgart exemplarisch Wandel und Aktualität dieses prominenten Bildtypus. Ausgehend von Otto Dix’ berühmtem Triptychon Großstadt von 1927/28, einem Hauptwerk der städtischen Sammlung, werden auf rund 2000 Quadratmetern 60 Triptycha präsentiert, darunter internationale Leihgaben aus Tokio, New York, Rom, Paris und London. Entgegen der klassischen Form mit betonter Mitte und schmaleren Seitenteilen, finden sich freie Gestaltungsansätze, welche die Grenzen zu Diptychon, Bildreihe und Sequenz erkunden. Den Auftakt bilden Werke des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit Fritz von Uhdes Die heilige Nacht (1888/89) oder Im Lübecker Waisenhaus (1896) von Gotthardt Kuehl mit sozialkritischen Ansätzen. Daran schließen zwei der größten Themenkomplexe des 20. Jahrhunderts an: Vergänglichkeit und Krieg. Markus Lüpertz’ monumentales Werk Schwarz-Rot-Gold I-II-III (1974) und Höllensturz in Vietnam (1966/67) von Willi Sitte sind Beispiele für die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Zielen in Ost- und Westdeutschland. Max Beckmann und Francis Bacon nutzen die außergewöhnliche Bildform dagegen für die sinnbildliche Spiegelung menschlicher Existenz. Nicht allein der gegenständlichen Kunst verpflichtet, inspiriert das Triptychon mit Sophie Taeuber-Arp, Yves Klein, Ellsworth Kelly oder Adolf Fleischmann auch Vertreter der Abstraktion und ihrer Spielarten, von der Minimal Art bis zum expressionistischen Gestus. Fotoarbeiten, Videoinstallationen sowie Werke von Materialkünstler(inne)n wie Niki de Saint-Phalle und Dieter Roth runden die Ausstellung ab.
Informationen
bis 14. Juni 2009

Leserkommentare

Zum Kommentieren kostenfrei registrieren oder anmelden.