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Johannes Vermeer van Delft, Die Malkunst, um 1665/66 © KHM, Wien

Flaggschiff der österreichischen Museumslandschaft

Das Kunsthistorische Museum zählt zu den fünf bedeutendsten Museen der Welt.
Maria Theresien-Platz, A-1010 Wien

Der hohe Rang der Sammlungen und ihre Vielfalt sind zum Großteil das Resultat der Vorlieben und Interessen von Persönlichkeiten aus dem Hause Habsburg, unter ihnen Kaiser Rudolf II. und Erzherzog Leopold Wilhelm. Das monumentale Gebäude an der Wiener Ringstraße entstand als Denkmal habsburgischen Mäzenatentums und gilt als begehbares Gesamtkunstwerk.
Die Sammlungen umfassen Objekte aus dem alten Ägypten, der Antike, dem Mittelalter, der Renaissance und dem Barock bis etwa zum Jahr 1800.
Von herausragender Bedeutung ist die Gemäldegalerie, die auf einigen Gebieten der Malerei einen Reichtum aufweist, der weltweit seinesgleichen sucht. Sie umfasst mehr als 8000 Bilder, darunter Hauptwerke von Pieter Bruegel dem Älteren, Albrecht Dürer, Peter Paul Rubens, Johannes Vermeer, Rembrandt, Tizian, Raffael, Tintoretto, Veronese, Caravaggio, Diego Velázquez und anderen.

Raum im Bild
Neben den umfangreichen Präsentationen in den Schausammlungen ist bis 12. Juli 2009 die Sonderausstellung Raum im Bild zur Interieurmalerei von 1500 bis 1900 zu sehen. Die Interieurmalerei erzählt vom privaten Milieu, der Arbeitswelt oder der häuslichen Intimität des Menschen. Sein Leben wird in realer Drastik, in ironischer Brechung oder als moralische Ermahnung dargestellt. Dabei ist die jeweilige Beleuchtungssituation für den Maler die besondere künstlerische Herausforderung.
Der bemerkenswerte Realitätssinn der Niederländer ließ im 16. Jahrhundert eine reiche Vielfalt von Markt-, Küchen- und Wirtshausbildern entstehen: Die Werke Pieter Aertsens und Maerten van Cleves’ bilden damit einen lebhaften Gegenpart zur „hohen“ Kunst der Historienmalerei – ihre Stärke liegt in ungeschminktem Realismus. Im 17. Jahrhundert erfasst die Interieurmalerei schließlich nahezu alle Bereiche des sich im Inneren abspielenden Lebens: Pieter de Hooch schildert den stattlichen Bürgerhaushalt, Adriaen van Ostade und David Teniers stellen das bescheidene Leben der Bauern und ihre einfachen Freizeitvergnügungen dar.
Der Blick in die Paläste kam dem Repräsentationsbedürfnis städtischer Bürger entgegen, die damit das Ambiente und die Lebensführung des Adels nachahmen wollten. Mit den Bildern von Johannes Vermeer erreicht das niederländische Interieur seinen klassischen Höhepunkt.
In der Malerei des 19. Jahrhunderts erlebt das Genre eine weitere Blüte: Am Beginn steht die karge Strenge Caspar David Friedrichs. Später erlebt man die biedermeierliche Zufriedenheit bei Jakob Alt oder wird Zeuge aristokratischer Wiener Wohnkultur in den „Zimmerbildern“ Rudolf von Alts.
Eine besonders reizvolle Sonderform des Interieurs bilden Atelierbilder, in denen Künstler ihre eigene Umgebung – und damit auch den damit verbundenen Anspruch an Geltung und Bedeutung ihres Tuns – darstellen: Sie reichen von der Malkunst des Johannes Vermeer über die Staffelei Jakob Alts am offenen Fenster, die Schilderung der alten Wiener Kunstakademie in der Annagasse bis zum secessionistischen Arbeitszimmer Carl Molls.

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