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Brosche, Entwurf Josef Hoffmann, 1907, Ausführung: Wiener Werkstätte, 1907, Silber, Gold foliiert, Lapislazuli, Privatsammlung, Brosche, Entwurf Josef Hoffmann, 1910, Ausführung: Wiener Werkstätte/Karl Ponocny, 1910, Gold, Perlmutt, Mondstein, Opal, LapislEmilie Flöge und Gustav Klimt im Ruderboot auf dem Attersee, 1909, Fotopostkarte, Wien Museum, Emilie Flöge trägt zwei Muffkette

Glanzstücke – Schmuck der Wiener Werkstätte

Die Wiener Werkstätte, 1903 gegründet, steht für einen Paradigmenwechsel im Schmuckdesign. Ihre Reformkünstler lehnten die rein materielle Bewertung des Juwelierschmucks ab und rückten den kreativen Entwurf ins Zentrum: Schmuck der Wiener Werkstätte wurde von Architekten und Künstlern konzipiert und in enger Zusammenarbeit mit exzellenten Kunsthandwerkern umgesetzt.
Jahnstraße 42, D-75173 Pforzheim

Die individuelle Zeichnung und Farbigkeit von Schmucksteinen wie Lapislazuli, Malachit oder Opal wurde der lupenreinen Perfektion von Brillanten vorgezogen. Die Ausstellung Glanzstücke – Schmuck der Wiener Werkstätte im Schmuckmuseum Pforzheim präsentiert rare Spitzenstücke die-
ser Produktionsgemeinschaft von 1903 bis 1920. Entwurfszeichnungen und historische Fotografien geben darüber hinaus tieferen Einblick in Umfang und stilistischen Wandel des Schmucks dieser Jahre. In Kooperation mit dem Wien Museum und der Neuen Galerie New York ist eine einzigartige Zusammenschau entstanden, die nach der Präsentation im Wien Museum ausschließlich im Schmuckmuseum Pforzheim zu sehen ist.
Die Künstler der Wiener Werkstätte brachten Glanzstücke von radikaler Modernität hervor. Sie wandten sich gegen industrielle Massenproduktion und dagegen, Vergangenes zu kopieren. Dem Reformgeist der Wiener Secession gemäß forderten sie Formen, die der Zeit entsprachen, und rückten ideelle Werte und Ästhetik in den Mittelpunkt. Schmuck war seit dem ersten Jahr nach der Gründung der Wiener Werkstätte von Josef Hoffmann, Koloman Moser und dem Bankier Fritz Wärndorfer am 12. Mai 1903 das bevorzugte künstlerische Medium, gleichsam die Krönung des Schaffens neben Objekten des Alltags, Grafik, Mode oder Interieurs und Architektur. Außer den Gründungsmitgliedern Hoffmann und Moser zeichneten auch Eduard Wimmer-Wisgrill, Carl Otto Czeschka und Dagobert Peche für die Werke verantwortlich, die häufig Unikate waren.
Eine besondere Rolle im Wiener Kunstfrühling nahm Emilie Flöge ein, Lebensgefährtin und Muse von Gustav Klimt. Die emanzipierte moderne Frau trat als „Fotomodell“ und Mittlerin für den Schmuck der Wiener Werkstätte in Erscheinung, und der von ihr mitgeführte Modesalon „Schwestern Flöge“ war eine Drehscheibe des Schmuckverkaufs. Von Gustav Klimt, der Emilie Flöge 1902 porträtierte, erhielt die Modeschöpferin mehrere Schmuckstücke der Wiener Werkstätte geschenkt, von denen einige in der Ausstellung präsentiert werden.
Die Leihgaben für Glanzstücke stammen aus dem Wien Museum und der Neuen Galerie New York sowie aus Privatsammlungen in Wien und den USA, darunter die persönliche Kunstsammlung des Unternehmers und Philanthropen Ronald S. Lauder, der die Neue Galerie mit ins Leben gerufen hat. Dass sie in dieser Auswahl gezeigt werden können, ist erst durch die enge Zusammenarbeit mit Dr. Paul Asenbaum möglich geworden, einem ausgewiesenen Experten für den Schmuck der Wiener Werkstätte.
Der Katalog Glanzstücke. Emilie Flöge und der Schmuck der Wiener Werkstätte, herausgegeben von Paul Asenbaum, Wolfgang Kos, Eva-Maria Orosz; Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart 2008, 152 Seiten, ist für 29 Euro im Museumsshop erhältlich.

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