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A. R. Penck, Der Übergang, 1963Bernhard Heisig, Unterm Hakenkreuz, 1973Gundula Schulze Eldowy, Ohne Titel (Gartenzwerge), 1988

Kunst und Kalter Krieg – deutsche Positionen 1945–1989

Am 23. Mai 2009 feiert die Bundesrepublik Deutschland den 60. Jahrestag ihrer Gründung. Aus diesem Anlass eröffnet das Germanische Nationalmuseum eine Retrospektive, die einem zentralen Kapitel der Moderne in Deutschland gewidmet ist.
Kartäusergasse 1, D-90402 Nürnberg

Die Ausstellung zeigt rund 320 Werke der Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Installationskunst aus der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik, darunter Werke von Joseph Beuys, Bernhard Heisig, Jörg Immendorff, Anselm Kiefer, Via Lewandowsky, Wolfgang Mattheuer, A. R. Penck, Gerhard Richter, Willi Sitte, Werner Tübke und Wolf Vostell. Sie sind als Ausdruck einer umfassenden Auseinandersetzung um konkurrierende Menschenbilder und ideologische Konzepte während des Kalten Kriegs. Begleitet werden die Werke aus europäischen und amerikanischen Museen sowie Privatsammlungen von Film-, Foto- und weiteren zeithistorischen Dokumenten.
Die Retrospektive stellt die Frage, wie tragbar die ideologischen Denkmuster des Kalten Kriegs heute noch sind, um deutsche Kunst nach 1945 in Ost und West zu umschreiben. Stichwörter wie „Abstraktion“ oder „Realismus“ und deren pauschale Zuweisung an die eine oder andere Seite werden kritisch beleuchtet. Dabei treten Verdrängungsmechanismen beider deutschen Staaten in Erscheinung, die auf die neue politische Situation unterschiedlich reagierten: in der Bundesrepublik Deutschland durch die Flucht in eine „affirmative Moderne“, in der DDR durch einen plakativen „Antifaschismus“. Darüber hinaus zeigt die Ausstellung damals nicht wahrgenommene und auch heute noch weitgehend unbekannte Dialoge von Künstlern aus Ost und West sowie die Auseinandersetzung mit einer gemeinsamen, verdrängten Vergangenheit.
Die Präsentation hat vier chronologisch gegliederte Abschnitte und einen Epilog, der die ersten Reaktionen der Künstler auf den Fall der Mauer zeigt. Sie beginnt mit einer Reihe von Selbstporträts von Künstlern, die aus dem Exil, aus der Kriegsgefangenschaft oder dem Konzentrationslager in das zerstörte und in verschiedene Besatzungszonen geteilte Deutschland zurückgekehrt sind. Der zweite Abschnitt zeigt, wie der Kalte Krieg auch die bildende Kunst erfasst. Den anfänglichen Pluralismus der Kunstauffassungen lösen die Schlagwörter Realismus und Abstraktion ab, mit denen Ostkunst gegen Westkunst ausgespielt wird. Die Konfrontation mit der Vergangenheit in beiden deutschen Staaten thematisiert der dritte Bereich, während der nächste einer neuen Generation von Künstlern gewidmet ist, welche die Mauer nicht mehr ignoriert, sondern ganz selbstverständlich in ihre Kunst integriert.
Die Ausstellung wird in Kooperation mit dem Los Angeles County Museum of Art und der Kulturprojekte Berlin GmbH realisiert. Sie wird von der Nürnberger Versicherungsgruppe und der BMW-Niederlassung Nürnberg unterstützt. Ab 3. Oktober 2009 ist sie im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen.

28. Mai bis 6. September 2009

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