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Lyonel Feininger, Marine, 1929, Öl auf Leinwand, Kunstmuseum Bern  © VG Bild-Kunst Bonn 2009 Lyonel Feininger, Yachten, 1929, Öl auf Leinwand, Staatsgalerie StuttgartPaul Klee, Neues Haus, 1924, Gouache auf Leinwand, National Gallery, Washington © VG Bild-Kunst Bonn 2009Paul Klee, Burghügel, 1929, Aquarell auf Leinwand, Kunsthaus Zürich

Lyonel Feininger – Paul Klee. Malerfreunde am Bauhaus

Mit etwa 65 Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen der beiden Künstler aus der gemeinsamen Zeit am Bauhaus in Weimar und Dessau zeigt die Ausstellung die Berührungspunkte und auch die Eigenständigkeit von zwei der bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Veitshöchheimer Straße 5, D-97080 Würzburg

Entscheidend für die Entwicklung der modernen Kunst in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg war das Bauhaus, die bahnbrechende Kunstschule, die – zunächst in Weimar, dann in Dessau angesiedelt – progressive Kräfte aus Deutschland und weit darüber hinaus versammelte und ihre Impulse letztlich in die ganze Welt sandte.
Zu den von Gründungsdirektor Walter Gropius berufenen künstlerischen Lehrkräften gehörten der Amerikaner Lyonel Feininger (New York 1871–1956 New York), seit 1919 als Formmeister Leiter der Druckereiwerkstatt, und Paul Klee (Münchenbuchsee bei Bern 1879–1956 Locarno), der 1921 seine Lehrtätigkeit dort aufnahm und mit seinen Beiträgen zur bildnerischen Formlehre eine eigene Gestaltungstheorie begründete, die eine große Schülerschar anzog.
Am Bauhaus in Weimar sind beide Künstler einander vermutlich Ende November 1920 erstmals persönlich begegnet, auch wenn sie das Werk des jeweils anderen bereits früher durch Ausstellungen gekannt haben dürften. Beide Künstler verband über den Kontakt in der Lehre hinaus eine enge Freundschaft, die sich in Bildertausch und Korrespondenz dokumentiert, jedoch hat es lange Zeit keine vergleichende Gegenüberstellung beider Werk gegeben, sieht man von Doppelausstellungen zu Lebzeiten der Künstler einmal ab. Die beiden Maler vis-à-vis zu präsentieren ist das Anliegen der oben genannten Ausstellung, die im Gustav-Lübcke-Museum Hamm konzipiert und nach Westfalen mit Würzburg ihre einzige süddeutsche Station hat. Kuratiert wurde die Bilderschau durch Dr. Uta Gerlach-Laxner, eine ausgewiesene Kennerin der Kunst der klassischen Moderne, die mit zahlreichen Publikationen, insbesondere zu Paul Klee, hervorgetreten ist.
Lyonel Feininger und Paul Klee stehen in der gleichen künstlerischen Tradition und schöpfen aus den gleichen bildnerischen Quellen, um zu ihrer eigenen Bildsprache zu gelangen. Die Präsentation Malerfreunde am Bauhaus beleuchtet Gemeinsames und Trennendes im Schaffen der beiden Malerfreunde, deren künstlerische Begegnung keine direkte wechselseitige Beeinflussung zur Folge hatte, sondern als kontinuierlicher Dialog die jeweils andere Arbeit anregte.
Bei beiden Künstlern spielen Architekturdarstellungen eine große Rolle, bei Lyonel Feininger treten häufig Meereslandschaften hinzu, während bei Paul Klee ein insgesamt breites Motivspektrum anzutreffen ist, das zwischen poetischer Ausstrahlung und nahezu naturwissenschaftlicher Strenge oszilliert. Wo Lyonel Feininger in seinen kristallinen Formerkundungen immer dem Gegenstand verbunden bleibt, ist Paul Klees Bildverfahren im eigentlichen Sinn abstrakt, ohne den Bezug zur Natur aufzugeben. Verbindend ist die ungewöhnliche grafische Begabung beider Künstler. Auch teilt Klee mit Feininger die Freude an Schiffsmodellen.
Nach Ausstellungen zum Würzburger Maler Hans Reichel im Gegenüber mit Paul Klee und Projekten wie Das Bauhaus und die Esoterik setzt das Museum im Kulturspeicher mit der oben genannten Ausstellung seine profilierten Projekte zur klassischen Moderne rund um das Bauhaus fort.

18. Juni bis 6. September 2009

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