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Bild:  Henri de Toulouse-Lautrec, La clownesse assise (Mademoiselle Cha-U-Ka-O) aus der Serie Elles, 1896, LithografieBild: Henri de Toulouse-Lautrec, Frau mit Handschuhen (Honorine Platzer), 1890, Öl auf Karton

Toulouse-Lautrec: Der intime Blick

Eine Ausstellung mit europäischer Dimension.
Museumstraße 14, A-4010 Linz, Donau

Im Rahmen von Linz 2009 Kulturhauptstadt Europas präsentiert die Landesgalerie Linz am Oberösterreichischen Landesmuseum die europäische Künstlerpersönlichkeit Henri de Toulouse-Lautrec. Auf die „europäische Dimension“ dieses Ausstellungsprojekts verweisen auch die Grundüberlegungen des kuratorischen Konzepts: Im Sinne des Ausstellungstitels fällt der „intime Blick“ Henri de Toulouse-Lautrecs auf eine Bildwelt, der in ihrer formalen und ikonografischen Umsetzung eine Schlüsselfunktion für die Etablierung der modernen Kunst am Ende des 19. Jahrhunderts in Europa zukommt. In diesem zeitlichen Umfeld und im Kontext der Metropole Paris vermittelt der Künstler andererseits auch ein gesellschaftliches Bild, das sowohl den Glanz als auch die Hybridität der Belle Époque zu erkennen gibt.
1901 im Alter von knapp 37 Jahren verstorben, repräsentiert Toulouse-Lautrec als Mensch und Künstler durch seine adelige Abstammung, seine gesundheitlichen und körperlichen Einschränkungen und seine Lebensführung selbst die Brüchigkeit einer Zeit, die seine Existenz und sein von akademischen Traditionen weitgehend gelöstes künstlerisches Werk bestimmte. In Toulouse-Lautrecs Œuvre treffen vom Pariser Nachtleben dynamisierte Bildkonzepte auf behutsame Beobachtung von Menschen und subtil erfasste Momentaufnahmen des gesellschaftlichen Lebens. Ebendieser Spannung gilt das kuratorische Interesse der Ausstellung. Sie verdeutlicht dabei vor allem den Aspekt der Authentizität eines Werks, das von Frankreich ausgehend international reüssierte und durch die konkrete Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte als ein besonders signifikanter Beitrag des europäischen Künstlers zur Weltkunst bezeichnet werden kann.

Ausstellungsthemen
Der räumliche Ablauf ist nach Themen gegliedert und widmet sich Aspekten wie dem frühen adeligen Landleben, Familie und Freunden sowie dem Leben in der Großstadt. Dort spielen dann Frauen und Vergnügungen eine zentrale Rolle, denen sich Toulouse-Lautrec beispielsweise in dem herausragenden Mappenwerk Elles widmete. Selbstverständlich werden auch zahlreiche seiner Plakate gezeigt, mit denen er die Farblithografie revolutionierte und die ihn so überaus populär machten.
Begleitende Ausstellungen
Parallel zur Schau Toulouse-Lautrec: Der intime Blick präsentiert die Landesgalerie drei weitere Ausstellungen, die das Thema des menschlichen Bildes zum Inhalt haben: Aus der Sammlung: Körperbilder – Egon Schiele, Gustav Klimt und Henri de Toulouse-Lautrec im Gotischen Zimmer kombiniert eine Auswahl von Arbeiten des französischen Künstlers mit Grafiken von Egon Schiele und Gustav Klimt. Vor genau 100 Jahren fand im Jahr 1909 in der Galerie Miethke in Wien die erste monografische Präsentation von Henri de Toulouse-Lautrecs Werken in Österreich statt und übte Einfluss auf Künstler wie etwa Schiele und Klimt aus. Im Kubin-Kabinett zeigt die Landesgalerie mit dem Titel Aus der Sammlung: Frauenbilder von Alfred Kubin zeitgleich mit den Werken Henri de Toulouse-Lautrecs eine Auswahl von Grafiken Alfred Kubins. Der Fokus auf die Thematik des „Frauenbilds“ ermöglicht einen einmaligen Vergleich zwischen zwei außergewöhnlichen formalen und inhaltlichen Herangehensweisen. In Ergänzung zu diesen historischen Arbeiten aus dem 19. und 20. Jahrhundert wird im Wappensaal eine junge künstlerische Position des 21. Jahrhunderts präsentiert, die das Medium Fotografie als Mittel der Vervielfältigung und Distribution von Kunst beleuchtet. In der Ausstellung L’image et l’objet setzt sich Claudia Angelmaier mit Bildern der Kunst und deren Geschichte auseinander. Bücher oder einzelne Buchseiten, Postkarten oder Dias, die „Meisterwerke der Kunst“ als Reproduktion zeigen, werden von ihr fotografisch inszeniert.
bis 7. Juni 2009

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