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   Bild: Krypta-Gewölbemalerei-Detail

Wiedereröffnung der Krypta der Stiftskirche in Quedlinburg

Mit einem Festakt wurde das nationale Monument, die Krypta der Stiftskirche Sankt Servatii in Quedlinburg, am 14. März 2009 wiedereröffnet. Heute evangelisch, wird die Stiftskirche damit auch wieder zum Wallfahrtsort für Katholiken aus aller Welt, wird doch so das Grab der heiligen Mathilde nach vielen Jahren wieder zugänglich.
Markt 2, D-06484 Quedlinburg

Die Krypta der Stiftskirche Sankt Servatii in Quedlinburg gehört zu den schönsten Räumen dieser Art in ganz Europa. Sie entstand im Zuge des Neubaus der Kirche zwischen 1070 und 1129 unter Einbeziehung älterer Bauteile. So greift ihr Ostteil vermutlich den Grundriss der Pfalzkapelle Heinrichs I. auf, und auch die im Apsisbereich gelegene Confessio mit reichem Stuckdekor entstand bereits im 10. Jahrhundert.
Krypten waren historisch Orte des Totengedenkens und der Reliquienverehrung. Als gesonderte Räume mit kapellenartigem Charakter nahmen sie vielfach die Gräber besonders verehrter Persönlichkeiten auf. Die Krypta der Stiftskirche Sankt Servatii in Quedlinburg birgt die Grablegen König Heinrichs I. († 936) und seiner zweiten Gemahlin, Mathilde († 968). Mit der Grablegung Heinrichs in Quedlinburg aufs Engste verbunden war die Gründung eines Kanonissenstifts auf dem Burgberg, dem heutigen Schlossberg, durch die Königinwitwe Mathilde bereits wenige Wochen nach dem Tod Heinrichs. Dieses Stift wurde nicht nur zu einem wichtigen Ort des Totengedenkens an Heinrich I., sondern auch zu einem Ort der Heilssorge der Gründer und der Gründerfamilie und zu einer wichtigen Bildungseinrichtung für Kinder aus dem Hochadel.
Die Krypta der Stiftskirche ist eine geräumige Hallenkrypta mit reichem Bauschmuck. Neben den Grablegen des Herrscherpaars birgt sie eine Reihe wertvoller Äbtissinnengrabplatten und einzigartige spätromanische Gewölbemalereien. Die ältesten Grabplatten entstanden bereits in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Sie zeigen die Verstorbenen – Kaisertöchter, die dem Stift als Äbtissinnen vorstanden (un-
ter anderen Beatrix I., eine Tochter Heinrichs III.) – als Ganzfiguren und gehören damit zu den ältesten überkommenen ganzfigurigen Grabplatten in Europa überhaupt.
Auch die Gewölbemalereien entstanden bereits im 12. Jahrhundert und zählen damit zu den ältesten überlieferten Wandmalereien in Deutschland. Dargestellt sind Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament, außerdem einzelne Heilige und historische Persönlichkeiten, darunter ein Bischof und eine männliche Herrschergestalt, letztere inschriftlich als „Otto Magnus“ bezeichnet. Der umfangreichste erhaltene Bildzyklus berichtet von Susanna, einer vorbildhaften, gottesfürchtigen und Gott vertrauenden Frauengestalt des Alten Testaments, und umfasst allein zehn Bildfelder.
Wegen großer Schäden an den Gewölbemalereien musste die Krypta 2002 für Besucher geschlossen werden. Bereits 2001 begannen im Rahmen eines Forschungsprojekts der Hochschule für bildende Künste in Dresden umfangreiche Zustandserfassungen. Sie bildeten die Grundlage für ein von der Hochschule entwickeltes Konservierungskonzept, das in den Folgejahren umgesetzt wurde.
Nach weiteren vom Land Sachsen-Anhalt und der Lotto-Toto GmbH Sachsen- Anhalt geförderten Maßnahmen, zu denen Sicherungsarbeiten an den ottonischen Stuckelementen der Confessio, die Installation einer neuen Beleuchtung und die Reparatur des Ziegelbodens gehören, wurde die Krypta am 14. März 2009 feierlich wiedereröffnet. Sie ist jetzt für Besucher der Stiftskirche erneut zugänglich, aus konservatorischen Gründen vorerst allerdings nur für 30 Gäste stündlich (Anmeldung über den Besucherdienst empfehlenswert).

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