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Sonja Alhäuser, Das Willkommen, Butter- skulptur, 2009

Eating the Universe. Vom Essen in der Kunst

Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Düsseldorf und dem Kunstmuseum Stuttgart entstand, verfolgt mit einer breit angelegten Bestandsaufnahme aus heutiger Sicht den ­originären Charakter von Eat Art bis in die Gegenwart.
Maria Theresien Straße 45, A-6020 Innsbruck

Eat Art wurde von Daniel Spoerri als Bezeichnung für Kunst mit und aus Essbarem geprägt. 1970 gründete Spoerri die Eat-Art-Galerie in Düsseldorf, für die zahlreiche Künstler Editionen aus essbaren Materialien und Lebensmittelabfällen produzierten.

Eating the Universe – ein Titel, den Peter Kubelka, ehemals Professor für Film und Kochen an der Frankfurter Städelschule, in den 1970er-Jahren für eine TV-Sendung über das Kochen als Kunstgattung erfand – zeigt, wie relevant der künstlerische Umgang mit der Grund­subs­tanz Nahrung bis heute geblieben ist. Als elementare Schnittstelle von Kunst und Leben bekommt er vor dem Hintergrund von Themen wie Überfluss und Hunger, Konsum- und Globalisierungskritik, modernen Ernährungslehren und Kochshows, Schlankheitswahn und Fast Food eine neue Aktualität.

Die Ausstellung gliedert sich in zwei ineinandergreifende Abschnitte. Ein kleinerer historischer Teil widmet sich den Wurzeln der Eat Art sowie der Eat-Art-Galerie. Zentrale Arbeiten Daniel Spoerris, einige der Fallenbilder und Teile seiner Rezeptbuchsammlung, werden neben den wichtigsten für die Eat-Art-Galerie entstandenen Multiples gezeigt, darunter Werke von Joseph Beuys, Roy Lichtenstein, Dieter Roth, André Thomkins, Günther Uecker, Ben Vautier, Günter Weseler und anderen.

Der Hauptteil der Ausstellung präsentiert das breite Spektrum an jüngeren Posi­tionen, die sich mit dem Einsatz alimentärer Materialien beschäftigen. Kochen und Essen als gesellschaftliche und kulturelle Inszenierungen bilden den Ausgangspunkt für die ethnologisch fundierten Recherchen von Christine Bernhard, die kulinarisch-sozialkritischen Aktionen von Rirkrit Tiravanija sowie die von Künstlerinnen und Künstlern benutzte Sammlung an Trink­gefäßen von Dustin Ericksen und Mike Rogers. Sonja Alhäuser, Anya Gallacio, Judith Samen und ­Jana Sterbak verbindet das bildhauerische Interesse am Umgang mit Lebensmitteln, die durch ihre sinnliche, körpernahe und vergängliche Materialästhetik reizen. An der Grenze zwischen Faszination und Befremdlichkeit bewegen sich die Arbeiten von Michel Blazy, in denen Mikro­organismen oder Mäuse zu bildgestaltenden Elementen werden. Spielerisch surreale, abgründige oder groteske Aspekte des alltäglichen Umgangs mit Nahrung thematisieren auf ihre je eigene Weise BBB Johannes Deimling, John Bock, Carsten Höller und Shimabuku. Thomas Feuerstein zeigt einen Algen produzierenden Bioreaktor, der Lebens- und Malmittel gleichzeitig liefert. Die Küche nicht nur als Labor, sondern als kreativer und sozialer Produktionsort im Allgemeinen wird in der Ausstellung mehrfach thematisiert. Andreas Wegner baut Margarethe Schütte-Lihotzkys berühmte Frankfurter Küche von 1926 nach und reflektiert ihre sozialen und architektonischen Bedingungen. Christian Jankowski spitzt in seinem Kochstudio ironisch die Medienwirksamkeit und Marktgängigkeit gastronomischer Inszenierungen zu, während Zeger Reyers eine langsam rotierende Küche voller Lebensmittel baut, die sich von einem funktionsfähigen Alltagsgegenstand in einen Abfallcontainer verwandelt. Die hier im­plizierte Kritik an Verhaltensweisen der Überflussgesellschaft wird ebenfalls von Thomas Rentmeister aufgegriffen, während in Mika Rottenbergs Videoinstallationen Konsumwelt und vor­industrielle Produktionsbedingungen in absurden Settings miteinander kombiniert werden.

Der Umgang mit dem eigenen Körper, mit Schönheitsidealen und Essstörungen stellt einen weiteren Aspekt der Ausstellung dar und wird von den Künstlerinnen L. A. Raeven und Elke Krystufek aufgegriffen, die wie Paul McCarthy Lebensmittel auch für tabubrechende Inszenierungen verwenden.

Die Ausstellung wird von einer umfangreichen Filmreihe, Performances und Vorträgen begleitet.
24. April bis 4. Juli 2010

Informationen
Weitere Ausstellungs-Highlights 2010:
Jana Gunstheimer – „Ich bin ein Schwein. Macht mich heilig!“
24. Juli bis 12. September 2010
Simon Wachsmuth
24. Juli bis 12. September 2010
Thomas Scheibitz
25. September bis 28. November 2010

Katalog (Deutsch/Englisch) Eating the Universe. Vom Essen in der Kunst, 312 Seiten, mit zahl­reichen Texten und Farbabbildungen,
DuMont Verlag, 2009

Galerie im Taxispalais, Galerie des Landes Tirol
Maria-Theresien-Straße 45, A-6020 Innsbruck
Tel. (+43-512) 508 31 71
Di–So 11–18 Uhr, Do 11–20 Uhr
taxis.galerie@tirol.gv.at
www.galerieimtaxispalais.at

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