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Kunst- und NaturalienkammerLindenblütenfest

Gebaute Utopie: Franckes Schulstadt in Halle

Die europaweit einzigartige historische Schulstadt August Hermann Franckes steht mit ihren ­Sammlungen auf der Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe. Eingebettet in die Geschichte idealer Stadtentwürfe, unternimmt die Jahresausstellung 2010 erstmals die ­ideengeschichtliche ­Einordnung des barocken ­Ensembles der Franckeschen Stadt.
Franckeplatz 1, Haus 37, D-06110 Halle/Saale

Franckes Schulstadt
Ein Ausflug in die historische Schulstadt des Theologen und Pädagogen August Hermann Francke (1663–1727) gleicht ­einer Reise in eine gebaute Utopie. Die Vorstellung, mit Idealstädten den Rahmen für eine harmonische Gesellschaftsordnung und zukünftige bessere Welt zu schaffen, ist in der europäischen Kulturgeschichte fest ver­ankert. Seit dem 16. Jahrhundert erlebten Stadtentwürfe in Europa eine wahre Renaissance. Viele hielten der Spannung zwischen Vorstellung und Realität jedoch nicht stand. 1698 errichtete August Hermann Francke vor den Toren der Stadt Halle dennoch eine visionäre Schulstadt zur Versorgung und Ausbildung von Kindern und zur Verbesserung der Situation aller Stände – mit schloss­artigem Waisenhaus, mehreren Schulen und Internaten, Druckerei, Buchhandlung, Bibliothek, Wunderkammer, Apotheke, Meierei, Back- und Brauhäusern, Gärten, einem Krankenhaus sowie wissenschaftlichen Instituten. Die pädagogischen und religiösen Reformen der Schulstadt trugen den Ruf Halles durch ganz Europa und bis nach Übersee. Eingebettet in die Geschichte idealer Stadtentwürfe von der frühen Neuzeit bis zur Moderne, unternimmt die Jahresausstellung 2010 nun erstmals die ideengeschichtliche Einordnung des europaweit einzigartigen barocken Bauensembles der Franckeschen Stiftungen.

Franckes Wunderkammer
Im Dachgeschoss des Historischen Waisenhauses öffnet das originale Kunst- und Naturalienkabinett Franckes seine Türen. Ursprünglich für den Schulunterricht angelegt, gehört es zu den wenigen noch erhaltenen Vorläufern des modernen Mu­seums und gilt als einzige vollständig erhaltene Kuriositätenkammer Europas, die mit über 3000 Objekten den ganzen Wissenskosmos des Barock umfasst.

Franckes Bibliothek
Über den historischen Lindenhof, an dessen Ende Christian Daniel Rauchs Fran­cke-Denkmal von 1829 an den Stifter erinnert, gelangt der Besucher zum ältesten erhaltenen profanen Bibliotheksgebäude in Deutschland. Wie in einem Theater ­ruhen hier die Bücher in den marmorierten Regalen der Kulissenbib­liothek und geben einen authentischen Einblick in
die faszinierende Bücherwelt des 18. Jahrhunderts.

Franckes Talente
Im Wohnhaus des Stifters verbergen sich hinter einer Porträtgalerie bekannte Persönlichkeiten, die von Franckes beeindruckenden Talenten berichten. Neben Ulrich Wickert, Hans-Dietrich Genscher und anderen erzählt hier auch Ralph Caspers für Kinder, wie Francke aus einer kleinen Spende seine Schulstadt aufgebaut, mit Unterstützung des preußischen Königs seine bahnbrechenden Ideen umgesetzt und nachher in die Welt getragen hat.

Höhepunkte 2010
Gebaute Utopien.
Franckes Schulstadt in der Geschichte europäischer ­­­Stadt­entwürfe
Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen im Historischen Waisenhaus
Mit umfangreichem Rahmenprogramm, ein reich bebilderter Katalog erscheint.
8. Mai bis 3. Oktober 2010

Abenteuer Bauen.
Von der Hütte zum ­Palast
Historisches Lindenblütenfest in den ­Franckeschen Stiftungen
Mit bis zu 100 thematischen Mitmach­angeboten quer durch die Bauepochen und rund um den Globus sowie historischen Marktständen zum Flanieren, mit Gauklern, Künstlern und viel Musik.
19. und 20. Juni 2010

Informationen
Historisches Waisenhaus, Historische ­Bibliothek, Francke-Wohnhaus
Franckesche Stiftungen
Franckeplatz 1
D-06110 Halle an der Saale
Tel. (+49-345) 212 74 50
Di–So und Fei 10–17 Uhr
www.francke-halle.de

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