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Mondskulptur

Sternstunden unter dem „größten Mond auf Erden“

Die aktuelle Ausstellung im Gasometer Oberhausen entführt zu den Wundern unseres Sonnensystems.
Arenastraße 11, D-46047 Oberhausen

Mehr als eine halbe Million Besucher in nur zehn Monaten – das ist selbst für den an Superlative gewöhnten Gasometer Oberhausen eine stattliche Zahl. Sternstunden – Wunder des Sonnensystems, die aktuelle Ausstellung, hat alle bisherigen Rekorde in Europas höchster Ausstellungshalle gebrochen. Zuvor hatte die aus 13000 Ölfässern bestehende Ins­tallation The Wall von Christo und Jeanne-Claude im Jahr 1999 die meisten Besucher angelockt.

Ins Leben gerufen wurde die Ausstellung Sternstunden eigentlich anlässlich des Internationalen Jahrs der Astronomie 2009. Sie entpuppte sich rasch als deren erfolgreichster Einzelbeitrag, wurde verlängert und ist nun als offizielles Projekt der Kulturhauptstadt RUHR.2010 noch bis 30. Dezember 2010 zu sehen.

Die Ausstellung nimmt ihre Besucher mit auf eine spektaku­läre Reise in den Kosmos und durch die Geschichte der Astronomie. „Sternstunden zeigt unser Sonnensystem als einen gewaltigen Lebensprozess des Werdens und Vergehens. Sie verbindet ­naturwissenschaftliche, kulturelle und ästhetische Sichtweisen und spricht so die Erkenntnis, die Sinne, das Gefühl und die Fan­tasie gleichermaßen an“, erklärt Prof. Peter Pachnicke, ­einer der beiden Kuratoren.

Unterhalb der ehemaligen Gasdruckscheibe präsentiert die Ausstellung eine raumgreifende Inszenierung: Die Sonne und ihre Planeten schweben dort wie auf einer Scheibe in einem 68 Meter weiten Raum. Darüber finden sich kultische Relikte, historische Fernrohre, Messgeräte, Himmelskarten und alte Globen – und daneben die modernsten Geräte der Weltraumforschung. Hier wird deutlich, wie die Erkenntnisse über das kosmische Geschehen immer dann voranschritten, wenn neue Beobachtungstechniken den Blick in die Tiefe des Makro- und Mikrokosmos revolutionierten.

Künstlerischer Höhepunkt der Ausstellung aber ist der Größte Mond auf Erden, ­eine von Wolfgang Volz geschaffene Skulptur mit 25 Meter Durchmesser. Originalgetreu zeigt sie den Besuchern unseren Trabanten in ungewohntem Licht – und auch die erdabgewandte, die „dunkle“, Seite des Mondes ist im riesigen, 100 Meter hohen Innenraum des Gasometers zu bewundern. Dabei wechseln sich Vollmond und Neumond ständig ab. „Bereits in den alten Mythen finden sich Sehnsüchte und Visionen, die sich bis heute in ­Science-Fiction und in künstlerischen Entwürfen manifestieren“, erklärt Volz. Sein Mond versucht, diese mystische Beziehung spürbar zu machen. Untermalt wird dieser Eindruck von Sphärenklängen des Berliner Komponisten Ulle Sende.

Passenderweise spiegeln sich die Dimensionen des Weltalls in den gigantischen Ausmaßen des Oberhausener Gasometers, der als Wahrzeichen des Ruhr­gebiets allein schon einen Besuch lohnt. Knapp 60 Jahre lang stand er im Dienst der Industrie. Er speicherte zunächst Gichtgas, ein Abfallprodukt der umliegenden Hochöfen der einst renommierten Gutehoffnungshütte. Das Gas wurde anschließend wieder in den industriellen Ablauf zurückgeführt und beispielsweise in den Walzwerken verfeuert.

Heute ist der Gasometer Oberhausen nicht nur eine faszinierende Ausstellungshalle, sondern auch Ankerpunkt der Route der Industriekultur und Bestandteil der European Route of Industrial Heritage. Und vom Dach dieser „Kathedrale der ­Industrie“ bietet sich – als Abschluss eines jeden Besuchs – der unvergleichliche Panoramablick über das gesamte westliche Ruhrgebiet.

Informationen
Gasometer Oberhausen
Arenastraße 11, D-46047 Oberhausen
Tel. (+49-208) 850 37 33
Di–So 10–18 Uhr, in den NRW-Ferien auch Mo
www.gasometer.de

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