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Über den Tellerrand … zu schauen lohnt sich!

Den Besucher erwartet ein einzigartiges Museum, in dem die Welt der deutschen Fayence des 17. und 18. Jahrhunderts präsentiert wird.
Herzogin-Anna-Straße 52, D-89420 Höchstädt an der Donau

Der Ausstellungsrundgang bietet mit rund 1000 Exponaten auf fast 900 Quadrat­metern einen lebendigen Überblick über Geschichte und Technik der Fayence, informiert über Produktionsweise und Produkte der Manufakturen und macht die Bedeutung der Fayence für die Tafel- und Wohnkultur der Zeit anschaulich. Mitmachstationen für Groß und Klein, spielerische und sinnliche Elemente sowie Inszenierungen regen zum genauen Hin­sehen und Ausprobieren an.

Was genau ist Fayence, und wie wird sie hergestellt? Diese Fragen werden rund um einen nachgebauten Brennofen beantwortet. Herstellungstechniken, menschliches Erfahrungswissen und Materialfragen entschieden wesentlich über den Erfolg der Produktion von Fayencen, mit denen man zunächst chinesisches Porzellan nachzuahmen versuchte.

In Deutschland gab es damals rund 100 Fayence­manu­fakturen, die sich auf dem hart umkämpften Keramikmarkt behaupten mussten. Auch die Fayenciers – Massebereiter, Former, Maler, Brenner – mit ihren oft schwierigen Arbeitsbedingungen kommen zu Wort. Was sie herstellten, fand unterschiedlichste Nutzungen und kann im Lauf des Rundgangs erkundet werden – vom Alltagsgeschirr bis zum kostbaren Prunkstück.

Besondere Fayencen sind exklusiv zu bestaunen: ein Vogelkäfig, eine raumhohe Kachelofennische oder ein außergewöhnlicher Tischbrunnen in Form eines Fischs, der von einem Adler angegriffen wird. Andere sind im Zusammenhang ihrer ursprünglichen Funk­tion präsentiert, etwa auf ­einer prachtvoll gedeckten Tafel oder in der Schauküche mit Geschirr und originalen Koch­rezepten der damaligen Zeit. Die im 17. Jahrhundert aufkommende Mode des Kaffee- und Teetrinkens wird in einem Kaffeehaus anschaulich erklärt. Diverse Artikel für die aufwendige Morgentoilette feiner Herrschaften illustrieren die Rolle, die Fayencen auch für Hygiene und Schönheitspflege spielten.

In einigen Schlossräumen sind Reste von wiederentdeckten und jüngst restaurierten Wandmalereien des 18. Jahrhunderts zu bewundern. So bilden etwa Landschaftsdarstellungen den idealen Rahmen für eine Beschäftigung mit dem Thema Natur in der Fayence. Duftgefäße beschwören Wohlgerüche herauf, exquisite Blumendarstellungen beeindrucken mit ihren leuchtenden Farben und der feinen Ausführung. Auf Jagdfreunde warten nicht nur lebendige Jagdszenen, sondern auch kuriose Trophäen im Miniaturformat. Naturalistische Nachbildungen von Pflanzen und Tieren sorgen zum Abschluss des Rundgangs für zauberhafte Begegnungen mit diesem keramischen Material – Schmunzeln und Schwelgen sind erlaubt.

Informationen
Museum Deutscher Fayencen
Herzogin-Anna-Straße 52
D-89420 Höchstädt an der Donau
Tel. (+49-90 74) 95 85-700
April bis September: Di–So 9–18 Uhr
Oktober bis März: geschlossen

Führungen und Veranstaltungen: regelmäßig kostenlose Führungen für Familien am 1. Sonntag im Monat, 15 Uhr. Kinderveranstaltungen, Workshops und Themenführungen entnehmen Sie bitte gesonderten Ankündigungen. ­Besichtigung für Rollstuhlfahrer möglich
www.schloss-hoechstaedt.de
www.schloesser.bayern.de

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