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Silbertrompeten des Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz, gefertigt von Johann Wilhelm Haas in Nürnberg, 1744,Die Söhne Mannheims

Vom Minnesang zur Popakademie. Musik-kultur in Baden-Württemberg

Die Musikkultur in Baden- Württemberg ist einmalig: Von den 35000 Jahre alten Knochenflöten von der Schwäbischen Alb über die Errungenschaften der „Mannheimer Schule“ bis hin zu den Uraufführungen der Donaueschinger Musiktage – seit jeher wird hier im Land Musikgeschichte geschrieben.
Schloss, D-76131 Karlsruhe

Tagtäglich stellen zahllose Instrumentenbauer ihre musikalische Innovationskraft unter Beweis, pflegen Solisten, Orchester und Chöre lebendige Traditionen und betreiben die Hochschulen eine systematische Talentförderung. Nicht zuletzt hat das Musikland Baden-Württemberg auch international bekannte Stars wie die Söhne Mannheims, Die Flippers oder Anne-Sophie Mutter hervorgebracht.

Ausgehend von dieser musikalischen Vielfalt im 21. Jahrhundert, präsentiert die Große Landesausstellung die Entwicklung der südwestdeutschen Musikkultur und offenbart zahlreiche über­raschende Zusammenhänge: Was hat die „Schwäb’sche Eisenbahn“ mit einem Soldatenlied zu tun? Wie klingt ein Kirchenlied in einer Interpretation der Ärzte? Und auf welchem Weg fand ein Bando­neon von Astor Piazzolla in diese Ausstellung?

Sechs Abteilungen thematisieren verschiedene Aspekte der Musikpflege. Dabei widmet sich der Bereich „Klang im Alltag“ nicht nur modernen Phänomenen wie dem Rundfunk und Klingeltönen auf dem Handy, sondern belegt, dass Musik als Kommunikationsmittel weit zurückreichende Vorläufer hat. Die Abteilung „Musik und Ritual“ veranschaulicht die Musikpraxis im christlichen und jüdischen Kult, zeigt wertvolle Handschriften und erzählt die Geschichte des baden-württembergischen Orgelbaus.

Der Bereich „Konzert“ wartet neben klassischen auch mit modernen Unterhaltungsformen auf – sind doch an die Stelle der gepflegten bürgerlichen Hausmusik heute die großen Samstagabendshows im Fernsehen, die Rockfestivals in den Stadien oder der heruntergeladene Podcast auf dem MP3-Player getreten. Als herausragendes Exponat präsentiert die Große Landesausstellung in einem Exkurs eine 1500 Jahre alte Leier, die 2001 in Trossingen im Grab eines merowingischen Kriegers gefunden wurde.

Die Abteilung „Innovation“ beschäftigt sich mit dem Neuen in der Musik, versäumt aber nicht, danach zu fragen, was passiert, wenn die sogenannte „Neue Musik“ altert. Der Themenbereich „Musik und Macht“ hinterfragt die Funktion der Musik zur ­politischen Legitimation, zum Beispiel anhand der wertvollen Silbertrompeten, die für Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz produziert wurden. Schließlich spannt die Abteilung „Lied“ einen weiten Bogen von den Volks- und Wanderliedern zu den ­politischen Liedern des Vormärzes bis hin zur Anti-Atomkraft-Bewegung heute.

Musik sinnlich erfahrbar zu machen, ist das Ziel dieser Ausstellung. Daher bietet sie neben spektakulären Exponaten und einem anschaulichen Katalog zahlreiche Hörstationen, welche die Highlights der Ausstellung zum Leben erwecken. Multimediastationen verdeutlichen die Entwicklung zur heutigen Notenschrift. In Kooperation mit der Mannheimer Popakademie steht den Besuchern ein Tonstudio zur Verfügung. Neben Führungen und Workshops lädt ­außerdem jeden Donnerstag ein umfangreiches Begleitprogramm in Kooperation mit dem SWR zu Künstlerbegegnungen, Konzerten, Partys und Podiumsgesprächen ein. Sehen und hören Sie selbst!

Informationen
Badisches Landesmuseum Karlsruhe
Schloss, D-76131 Karlsruhe
Infos: Tel. (+49-721) 926 28 28
Buchungen: Tel. (+49-721) 926 65 20
Di–So und Fei 10–18 Uhr, Do 10–21 Uhr
www.musikkultur-karlsruhe.de

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