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Chaissac 54-006_3Chaissac 56-003Chaissac 63-008_200dpiPORTRAIT GASTON CHAISSAC, AOUT 1952 (Chaissac, 1952).jpg)

Ein „volkstümlicher Dandy“ zu Gast im Wienerwald

Der radikale Autodidakt Gaston Chaissac – Maler, Poet und ­unbestechlicher Künstler – steht im Zentrum der neuen Ausstellungsproduktionen des museums gugging.

Am Campus 2, A-3400 Maria-Gugging

Der französische Maler, leidenschaftliche Briefeschreiber und radikale Autodidakt Gaston Chaissac (1910–1964) griff auf alltägliche Objekte zurück, malte auf allen erdenklichen Trägern wie Leinwand, Pappe, Stein und Wellblech oder verwandelte Holzbretter in beeindruckende „Totems“. Seine künstlerische Suche ist jene nach einer Art von vollkommener Schlichtheit. Zeit­lebens war Chaissac nicht in der Lage, seinen Lebensunterhalt durch seine Kunst zu bestreiten. Erst nach seinem Tod wurde er als bedeutender Künstler anerkannt und ist nun mit rund 125 Werken, Zeichnungen, Collagen, Malereien, Skulpturen und seinen „Totems“ im museum gugging vertreten.

 

Eigenwillig und unangepasst

Chaissac entstammte sehr einfachen Verhältnissen. Nach kläglichen Versuchen als Handwerker verließ er bald das heimatliche Burgund, um sein Glück in Paris zu ver­suchen. Er begann, sich für die Kunst zu interessieren, knüpfte Kontakte zur Pariser Kunstszene der 30er-Jahre und fand wich­tige Unterstützer auf seinem Weg als angehender Künstler. Zunehmend misstrauisch und eigenbrötlerisch, kehrte der unter anderem von Dubuffet sehr geschätzte Autodidakt jedoch bald der Kunstwelt den Rücken und zog sich in die bäuerliche Vendée zurück. Gaston Chaissacs Bestreben als Künstler und Mensch war es, selbstbestimmt und unabhängig zu sein. Dafür nahm er private Einsamkeit, begleitet von den Anfeindungen der ihn umgebenden Landbevölkerung, ebenso in Kauf wie die schwierige Position innerhalb einer Kunstszene, die seinen ­eigenwilligen Weg nur zum Teil guthieß.

Der „volkstümliche Dandy“, wie er von ­einem Zeitgenossen bezeichnet wurde, betätigte sich unermüdlich und hinterließ mit seinem frühen Tod eine beeindruckende Fülle an Bildern, Skulpturen und Texten, die ihn als einen der bedeutendsten Künstler im großen Umfeld des Art brut des 20. Jahrhunderts ausweisen. Viele Exponate, vor allem die im Novomatic-Salon gezeigten raren Zeichnungen, werden nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

gaston chaissac.! und gaston chaissac.! Erstmals gezeigte Zeichnungen im Novomatic-Salon

31. März bis 25. September 2011

museum gugging

Als Ausstellungsort für die Kunstrichtung Art brut konzipiert, zeigt das museum gugging im Rahmen der ständigen Präsenta­tion gugging classics.! die Werke der Gugginger Künstler am Ort ihres Entstehens und ist gleichzeitig ein Forum für inter­nationalen Art brut und Gegenwartskunst. Die inspirierende Atmosphäre des Hau-
ses inmitten des Wienerwalds ermöglicht Kunstliebhabern und Interessierten, Jung und Alt ein intensives Kunsterlebnis.

Informationen

museum gugging

Am Campus 2, A-3400 Maria Gugging

Tel. (+43-22 43) 87 0 87

Sommerzeit: Di–So 10–18 Uhr

Winterzeit: Di–So 10–17 Uhr

museum@gugging.at • www.gugging.at

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