SIMsKultur Online

Hoe_K2_3_06FayencentafelHoe_K_0142_Jaeger_mit_Maedchenschloss_hoechstaedtue_d_Tellerrand_09ZN_438_Mops

Keramikzauber und Schlachtgetümmel

Die außergewöhnlichen neuen Museen in Schloss Höchstädt an der Donau.

Eines der interessantesten neuen Museen eröffnete letztes Jahr in Schloss Höchstädt: „Über den Tellerrand …“, das erste Mu­seum Deutscher Fayencen, ist weit mehr
als nur eine Ausstellung prunkvollen Geschirrs. Es entführt seine Besucher in ein wahres Zauberreich der Fayence.

Fayence sieht Porzellan optisch sehr ähnlich, ist aber im Prinzip einfache Keramik mit einer weißen Zinnglasur, die farbig bemalt wird. Als preiswerte, aber oft nicht minder kunstvolle Alternative verbreitete sie sich im 17. und 18. Jahrhundert rasch in ganz Europa. Den Namen gab ihr die ita­lienische Stadt Faenza. Die „kleine Schwester“ des Porzellans präsentiert sich im Museum mit kunstvoller Keramik voller Humor, Charme und Fantasie.

Vom schlichten Nachttopf bis zum extravaganten Tischbrunnen erzählen alle Stücke im Museum ihre ganz eigene Geschichte. Hier erfahren Besucher, was Mokka, Mops und Muffelfarbe mit Fayencen zu tun haben oder warum man sich
vor „Höllenbrand“ und „Vorfeuer“ nicht fürchten muss. Mit rund 1000 Exponaten zählt die Sammlung zu den größten und bedeutendsten in Europa.

Das neue Museum Deutscher Fayencen ist aber nicht nur für Sammler und Liebhaber bestimmt. Es macht Herkunft, Kulturgeschichte und Technik der Fayence für jeden anschaulich erlebbar. „Bei der Gestaltung hatten wir vor allem Familien im Blick“, so Dr. Friederike Ulrichs von der Bayerischen Schlösserverwaltung. „Gerade die kleinen Besucher dürfen nicht nur betrachten, sondern auch mitmachen: Kinderstationen laden in jedem Raum kleine Forscher zum Fühlen, Rätseln, ­Hören und Begreifen ein.“ Das Museum schildert die Arbeitsweise und Produkte der Manufakturen, informiert über typische Dekore, Formen oder Materialien und erklärt die Bedeutung der Fayence für die Tafel- und Wohnkultur der Zeit.

Aus Fayence wurde einst so ziemlich alles gefertigt, was man sich in Keramik vorstellen kann: Tafelgeschirre, Tee-, Kaffee- und Schokoladenservice, Trinkkrüge, Blumentöpfe, Vasen, Tintenzeuge, Vorrats- und Apothekengefäße, Toiletten­artikel wie Seifenbehälter, Rasierbecken und Nachttöpfe sowie Fliesen und Kachelöfen.

 

Höchstädt – die Schlacht, das Schloss und seine Geschichte

Architektonisch zählt  Schloss Höchstädt zu den bedeutendsten Schlossbauten der Renaissance in Bayern. Pfalzgraf Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg ließ die Vierflügelanlage mit den runden Ecktürmen 1589 bis 1603 anstelle einer ­mittelalterlichen Burg errichten, deren mächtiger Bergfried erhalten blieb. Das Schloss war als Witwensitz für seine ­Gemahlin Anna gedacht. Sie lebte hier von 1616 bis 1632 als Witwe und hielt
in katholischer Umgebung am evangelischen Glauben fest. Davon zeugt noch die Ausmalung des Gewölbes der Schloss­kapelle, die zu den schönsten Zeugnissen des süddeutschen Protestantismus vor der Gegen­reformation gehört.

Neben dem Museum Deutscher Fayencen ist im Schloss auch die große Dauerausstellung Brennpunkt Europas 1704 zu sehen. Sie erinnert an die Schlacht von Höchstädt im Spanischen Erbfolgekrieg, die europäi­sche Geschichte geschrieben hat.

Außerdem informiert ein Raum mit historischen Relikten zur Schlossgeschichte. Das Forum für schwäbische Geschichte des Bezirks Schwaben präsentiert zudem wechselnde Sonderausstellungen. Zusammen mit dem neuen Café ist das Schloss eines der attraktivsten Ausflugsziele für die ganze Familie.

Informationen
Schloss Höchstädt
Herzogin-Anna-Straße 52,
D-89420 Höchstädt an der Donau
Tel. (+49-90 74) 95 85-700
April bis September:
Di–So 9–18 Uhr
Oktober bis März: geschlossen
www.schloss-hoechstaedt.de

Leserkommentare

Zum Kommentieren kostenfrei registrieren oder anmelden.