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Blick in die Ausstellung des Volksmuseums EisenheimDetail - Küchenschrank mit Gerätentypische Wohnungstür eines SiedlungshausesVolksmuseum Eisneheim

„… für tüchtige Meister und Arbeiter rechter Art …“

Eisenheim, die älteste Arbeitersiedlung im Ruhrgebiet.

Eisenheim: Das sind heute 39 Häuser in Oberhausen-Osterfeld, eine typi-sche Arbeitersiedlung im Ruhrgebiet, dabei aber in ihrer Art einmalig.
Und ein Museum des LVR-Industriemuseums.
Im 19. Jahrhundert strömten von überall her Arbeiter in die entstehenden Industriegebiete. In Werksiedlungen fanden einige von ihnen ein neues Zuhause. Kaum eine Region haben die Siedlungen so sehr geprägt wie das Ruhrgebiet. In Eisenheim, der ersten Arbeitersiedlung des Ruhrgebiets, lebten Arbeiter mit ihren Familien und Kollegen. Auch wenn sich die Lebensverhältnisse seit damals grundlegend verändert haben, blieb der Charakter einer Werkkolonie bis heute erhalten.
Am Anfang war das Eisen – so kann man die Entstehung „Eisenheims“ überschreiben. 1758 nahm in Osterfeld als erstes Hüttenwerk im Ruhrgebiet die St.-Antony-Hütte, die Wiege der Ruhrindustrie, ihren Betrieb auf, heute Teil des LVR-Industriemuseums. Als der Eisenbahnbau einen rasanten Aufschwung der Eisen- und Stahlproduktion auslöste, profitierte davon auch die 1810
aus der St.-Antony-Hütte hervorgegangene „Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel und Huyssen“. Für ihr neues Puddel- und Walzwerk warb das Unternehmen qualifizierte Arbeiter aus entfernten Gegenden an. „Für tüchtige Meister und Arbeiter rechter Art“ baute das Werk 1846 die ersten Häuser Eisenheims. Doch Arbeits- und Mietvertrag waren gekoppelt: Wer entlassen wurde, verlor auch sofort seine Wohnung.
Bis 1900 wuchs Eisenheim auf insgesamt 51 Häuser. Als in den 1890er-Jahren der Bergbau expandierte, zogen neben den Hüttenarbeitern nun auch Bergleute in Eisenheim ein. Um 1900 lebten 1200 Menschen in der Siedlung. Für eine Dreizimmerwohnung, zu der noch 300 bis 400 Quadratmeter Gartenland gehörten, zahlte man nur die Hälfte der ortsüblichen Miete.
Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte nur unvollständig, und bis 1958 fielen sieben Meisterhäuser der Abrissbirne zum Opfer. Als Anfang der 1970er-Jahre die Siedlung vollständig abgerissen werden sollte, formierte sich der Protest der Bewohner. Ihrem legendär gewordenen und beispielgebenden Kampf ist es zu verdanken, dass die Siedlung saniert und unter Denkmalschutz gestellt wurde.
Das Volksmuseum Eisenheim gründeten die „Eisenheimer“ selbst. Sie trugen Möbel, Alltagsgegenstände und Bilder der Sied-lung im ehemaligen Waschhaus zusam-men. 1989 übernahm das LVR-Industriemuseum die Sammlung, richtete das Museum neu ein und öffnete gegenüber eine „Musterwohnung“ als Teil der Ausstellung.
Das Museum Eisenheim ist ein guter Ausgangspunkt für einen geführten Rundgang durch die Siedlung, die das LVR-Industriemuseum ganzjährig anbietet. Außerdem ist die Siedlung Teil der Eisen.Straße, auf der man alle Angebote des LVR-Industriemuseums Oberhausen sowie weitere industriekulturelle Orte Oberhausens mit dem Rad oder zu Fuß entdecken kann. Hiezu ist auch ein handlicher Tourführer mit Kartenmaterial erschienen.

Informationen

Museum Eisenheim

Berliner Straße 10a, D-46117 Oberhausen

Ostern bis Ende Oktober So und Fei 11–18 Uhr

www.industriemuseum.lvr.de

Besucherservice:

Kulturinfo Rheinland

Tel. +49 (0) 22 34/99 21-555

info@kultur-rheinland.de

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