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Gustav Klimt und die besetzten Häuser

Das Wien Museum zeigt die weltgrößte Sammlung an Klimt-Zeichnungen und eine Ausstellung zum „Kampf um Freiräume seit den 70ern“.
Karlsplatz, A-1040 Wien

Das Wien Museum überrascht immer wieder mit Schätzen, die einer breiten Öffentlichkeit noch nicht so bekannt sind: Ab 16. Mai wird die weltweit umfangreichste Sammlung von Klimt-Zeichnungen gezeigt (rund 400), die im Rahmen des Jubiläumsjahrs 2012 zum 150. Geburtstag des Künstlers erstmals zur Gänze präsentiert wird. Darunter sind absolute Meisterwerke ebenso wie Skizzen und Vorstufen aus allen Phasen des klimtschen Schaffens. Erstmals in der Geschichte des Hauses werden alle Blätter präsentiert, was den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit gibt, einzelne thematische Werkgruppen (zum Beispiel erotische Zeichnungen, Secession et cetera) in all ihren Facetten kennenzulernen.
Neben den Zeichnungen werden einige bedeutende Gemälde gezeigt, darunter das wichtigste Kunstwerk des Wien Museums, das Porträt Emilie Flöge aus dem Jahr 1902. Es ist eines der berühmtesten Bilder Klimts und das erste Damenporträt, in dem das Ornament Eigenwert besitzt – damit markiert es den Beginn jener Schaffensperiode des Künstlers, deren Bilder in den letzten Jahren auf internationalen Auktionen Rekordpreise erzielten. Dazu kommen Plakate und Druckerzeugnisse, die Klimt für die Wiener Secession entworfen hat – mehrfach finden sich Original und Druckwerk in der Sammlung. Weiters in der Ausstellung zu sehen sind der Arbeitskittel des Künstlers, die Totenmaske sowie Egon Schieles Zeichnung des toten Gustav Klimt, außerdem noch kostbare Vintage Prints von frühen Porträtaufnahmen sowie Porträtplastiken.

Hier, jetzt und für alle!

Als Kontrastprogramm zur kostbaren Kunst aus Wien um 1900 geht es in der zweiten Sonderausstellung, Besetzt!, ab 12. April um den Kampf um Freiräume seit den 70ern. Mit der Besetzung der Arena, des ehemaligen Auslandsschlachthofs in Sankt Marx, begann im Sommer 1976 ein „Happening der 100 Tage“, das Wien aufrüttelte. Erstmals traten neue politische und gegenkulturelle Bewegungen in den Blickpunkt einer breiten Öffentlichkeit.
„Die Arena-Besetzung war unser 1968“, erinnert sich eine Besetzerin, „ein anarchischer Freiraum, der Energien und Fantasien freisetzte.“ Gefordert wurde ein selbstverwaltetes Kulturzentrum ohne Bevormundung, und zwar „hier, jetzt und für alle“! Die Konfrontation war grundlegend, radikal wurden die politischen Verhältnisse infrage gestellt: Wem gehört die Stadt? Wer bestimmt? Was ist Kultur? In Sankt Marx wurden über drei Monate lang Basisdemokratie und das Konzept einer offenen Gesellschaft erprobt, ehe das Experiment gestoppt und das Areal demoliert wurde.
Schon vor der Arena kam es in Wien zu Kämpfen gegen eine Stadtpolitik, die Fortschritt mit Abrissbirne und Beton gleichsetzte. Im abgewohnten Spittelbergviertel setzten sich Architekten und Intellektuelle, aber auch Jugendliche aus der Subkultur gegen Abriss und Nobelsanierung zur Wehr. Das Amerlinghaus wurde besetzt und nach langwierigen Verhandlungen 1978 zum ersten selbstverwalteten Kulturzentrum der Stadt. Anfang der 80er-Jahre entstanden die „neue“ Arena im ehemaligen Inlandsschlachthof, im 9. Bezirk das WUK (Werkstätten und Kulturhaus), beide bis heute wichtige Zentren der Alternativkultur.

Ausstellungen des Wien Museums bis Sommer

Mehr als Mode. Die Sammlung Katarina Noever

bis 20. Mai

Besetzt! Kampf um Freiräume seit den 70ern

12. April bis 12. August

Klimt. Die Sammlung des Wien Museums

16. Mai bis 16. September

Burg-Stars. 200 Jahre Theaterkult

30. März bis 4. November, Hermesvilla

Informationen

Wien Museum Karlsplatz, A-1040 Wien

Tel. +43 (0) 1/505 87 47-0

Di–So und Fei 10–18 Uhr

www.wienmuseum.at

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