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Luther und [Bachs] Musik

Eisenach ist die Stadt, die Luther und Bach in ihrer Kindheit musikalisch prägte. In der neuen Sonderausstellung im Bachhaus vereinigen sich Luthers Lieder und Bachs Musik zu überwältigenden Zeugnissen christlich-lutherischen Glaubens. Zu den herausragenden Exponaten zählt das „Achtliederbuch“ von 1524 – das erste deutsche Gemeindegesangbuch.
Frauenplan 21, D-99817 Eisenach

„Luthers Lieder haben mehr Seelen verdorben als alle seine Schriften und Reden“, konstatierte 1620 der Jesuit Adam Contzen. Denn kein anderer Reformer setzte so konsequent auf die Macht der Musik zur Propagierung seiner Lehre und zur Erneue­rung des Gottesdiensts. Mit Windeseile verbreiteten sich die Lieder aus Wittenberg in alle Teile Deutschlands und weiter nach Straßburg und in die Schweiz. Luthers Dicht- und Kompositionsgabe verdanken wir Lieder wie „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ und „Aus tiefer Not ruf ich zu dir“. Durch das Werk Johann Sebastian Bachs sind fast alle heute noch präsent: 30 der 37 Luther-Lieder verwendete Bach für Kantaten und Orgel­werke, einige, wie „Nun komm, der Heiden Heiland“, gleich mehrfach.

Die vom 25. Februar bis 11. November zu sehende Sonderausstellung widmet sich Luthers musikalischer Leistung. Ausgedrückt hat sich diese vor allem in Gesangbüchern – der vielleicht schönsten Erfindung der Reformation. Weltweit kein einziges gab es zur Zeit von Luthers Jugend, aber mehr als 100, als er starb. Die „Mutter aller deutschen Gesangbücher“, das Achtliederbuch von 1524, ist ebenso zu sehen wie ein Erfurter Enchiridion, das Wittenberger Gesangbuch von 1535, in dem erstmals das Lied „Vom Himmel hoch“ stand, und das prächtigste, das Babstsche Gesangbuch. Von Luther führt der Weg zu Bach – entlang der Gesangbücher, die Bach in seiner Jugend und an seinen späteren Wirkungsstätten antraf. Hörstationen machen Luthers Lieder in Bachs Vertonungen zum Erlebnis.

Musik war für Luther nicht „L’art pour l’art“. Er schrieb einmal: „Ich liebe die Musik“ – aber es war mehr als ein persönliches Bekenntnis, es war die Überschrift für ein Traktat zur Theologie der Musik. Leider hat Luther es nur skizziert und nicht vollendet. Für Luther war Musik ein Gottesgeschenk, ja „nach Gottes Wort der höchste Schatz auf Erden“. Grund war die enge Verbindung, in der für ihn Wort und Musik standen: „Die Noten machen den Text lebendig.“ Das Wort versteht der Verstand, das Lied verbindet es mit dem Gefühl und lässt es so die Herzen erreichen. Bis in kleinste Details feilte Luther an Worten und Melodien, damit sich die Menschen die von ihm erkannten Wahrheiten fröhlich ersingen. So gab er mit dem Lied „Nun freut euch, liebe Christen g’mein“ seinem „Turmerlebnis“ Ausdruck: der Erkenntnis der Gnade Gottes, die allen Menschen ohne ihr Zutun zuteil wird, wenn sie im Glauben angenommen wird. Und er wollte mit dem berühmten „Ein feste Burg“ keineswegs die „Marseillaise der Reformation“ (Heine) schaffen, sondern den 46. Psalm erklären.

In Eisenach kreuzen sich die Spuren Luthers und Bachs. Durch einen sonderbaren Zufall der Geschichte gingen beide hier vier Jahre zur Schule, erhielten hier Musik­unterricht, zogen mit der „Kurrende“ durch die Straßen und sangen im Chor der Georgenkirche. Einen Schatz stellt die Stadt ­Eisenach der Ausstellung zur Verfügung: das Eisenacher Kantorenbuch. Um 1540 angelegt, wurde hieraus bis zum 17. Jahrhundert gesungen. Es enthält Noten von Komponisten wie Luthers Vertrautem Johann Walter, dem Münchner Ludwig Senfl, mit dem Luther über Motetten korrespondierte, und Josquin Desprez. Diesen bewunderte Luther lebenslang und sagte: „Josquin ist der Noten Meister.“ Denn die persönliche Musikliebe des Lautenspielers und begeisterten Sängers, der gelegentlich selbst vierstimmige Motetten komponierte, ist natürlich ebenfalls ein Thema.

bis 11. November 2012

Informationen

Bachhaus Eisenach

Frauenplan 21, D-99817 Eisenach

Tel. +49 (0) 36 91/79 3 40

täglich 10–18 Uhr

info@bachhaus.de

http://www.bachhaus.de