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William Shakespeare

Das Wintermärchen – vierter Akt, Schäfergegend oder: Warum Mopsus doch eine Frau ist.

In Meiningen ist eine Sammlung theat­ralischer Sachzeugen erhalten geblieben, die in seltener Komplettheit eine ruhmreiche Theatergeschichte dokumentiert. Von besonderem Wert sind 275 Bühnendekorationen aus dem 19. Jahrhundert, die für die großen Klassikerinszenierungen des Meininger Hoftheaters in der Theatermalwerkstatt der Gebrüder Brückner in Coburg entstanden. Seit dem Jahr 2000 werden in jährlichem Wechsel einzelne Bühnenbilder aus diesem Fundus im Theatermuseum „Zauberwelt der Kulisse“ präsentiert.

In diesem Jahr zeigen wir das Bühnenbild Landstraße nicht weit von des Schäfers Hütte, in Meiningen kurz Schäfergegend tituliert, für den vierten Akt der Inszenierung von 1878. Es versetzt den Betrachter in ein arkadisches Böhmen am Meer. Hier scheint es möglich, jenseits der Konventionen und unbelastet von täglicher Mühsal, ein zufriedenes Schäferleben in pittoresker Landschaft zu führen.

Hier wandelt sich das Stück von einer Tragödie zur Romanze. Hier wird ein turbulentes Schafschurfest gefeiert.

Die Rezensenten waren sich einig, den „Glanzpunkt des Abends“ erlebt zu haben. „Dieser Teil des Dramas ist schon allein ein theatralisches Meisterwerk“ (Volks-Zeitung Berlin, 25. Mai 1878).

In Meiningen war das Stück zuvor lediglich dreimal aufgeführt worden. Immer lag die Bearbeitung von Franz von Dingel­stedt zugrunde, der das Stück auf antiken Look getrimmt hatte, was entstellende Texteinschnitte einschloss. So verwandelte er die Schäferin Mopsa in einen Schäfer Mopsus, was von den „Meiningern“ übernommen wurde und erklärt, wieso der Theaterherzog Georg II., der sich für sein Theater als Bühnen- und Kostümbildner betätigte, eine männliche Figurine Mopsus beim Feste zeichnete. 1878 hatten die „Meininger“ die dingelstedtsche Bearbeitung zugunsten der Übersetzung von Dorothea Tieck fallen gelassen, in der Mopsa, dem Original entsprechend, eine junge Schäferin war. Gleichwohl ist das Kostüm dieser Figur nach Georgs II. Zeichnung gefertigt worden. Wir zeigen es in der Ausstellung.

Das Stück wurde in Meiningen „im Renaissancestil sehr frei scenirt, wie ein Mährchen“ auf die Bühne gebracht. Anfang ­April 1878 vermeldeten die Brückners die Fertigstellung der ersten Dekorationen. Georg II. war restlos begeistert, und doch gab er Anfang Mai – seine Truppe weilte bereits zum Gastspiel in Berlin – einen neuen Prospekt für die Schäfergegend in Auftrag, der in nur acht Tagen zu malen war. Da der bisher benutzte Prospekt einen zu „sicilianischen Eindruck“ machte, wurde diese Änderung in letzter Minute notwendig. Eine mediterrane Anmutung hat die Schäfergegend trotzdem behalten.

Mit 233 Aufführungen wurde Ein Wintermärchen zur zweiterfolgreichsten Einstudierung der „Meininger“ in der Zeit ihrer europäischen Gastspielreisen zwischen 1874 und 1890.

Unsere Präsentation umfasst einen Film zur Meininger Theatergeschichte, ein auf das Bühnenbild abgestimmtes Szenenlichtprogramm sowie eine Kabinettausstellung mit Kostümen, Figurinen und Bühnenbildentwürfen des Theaterherzogs, Fotos und Theaterzetteln.Text: Volker Kern

bis 20. Januar 2013

Informationen

Meininger Museen – Theatermuseum „Zauberwelt der Kulisse“

Schlossplatz 1, D-98617 Meiningen/Thüringen

Tel. +49 (0) 36 93/47 12 90

Di–So 10–18 Uhr, Präsentationen (zirka 1 Stunde) um 10, 12, 14 und 16 Uhr

www.meiningermuseen.de