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   Constantin Luster, Ohne Titel, 2006 © Constantin Luser, 2014, Courtesy der Künstler und Rotwand, Zürich

Die Kunst der Linie

Ausstellungen zur Zeichenkunst in der Kunsthalle Krems.
Franz-Zeller-Platz 3, A-3500 Krems

Wie faszinierend Zeichnungen sein können, machen die drei Frühjahrsausstellungen in der Kunsthalle Krems deutlich. Papierarbeiten der Sammlung Klüser geben mit zahlreichen Meisterwerken namhafter Künstler in der Hauptausstellung einen umfassenden Einblick in die schöpferische Vielfalt der Zeichenkunst vom 16. Jahrhundert bis heute. Eine ergänzende kleinere Schau verweist mit Arbeiten von William Kentridge auf ungeahnte Möglichkeiten der Ausdruckskraft von Zeichnung im bewegten Medium Film, während in einer weiteren Begleitausstellung bei Constantin Luser die Zeichnung als Bild- und Ideengeflecht ganze Wände erobert.
Spontaneität gepaart mit Ursprünglichkeit und Unmittelbarkeit treten bei Zeichnungen als Essenz der künstlerischen Arbeit besonders deutlich in Erscheinung. Genau daraus entwachsen mannigfache kreative Ausdrucksmöglichkeiten. Es geht deshalb um weit mehr als nur um Strich und Linie, was am Beispiel der erstmals in Österreich präsentierten rund 260 Papierarbeiten der Sammlung Klüser eindrucksvoll zur Geltung kommt.
Die Hauptausstellung der Kunsthalle Krems, Zurück in die Zukunft. Von Tiepolo bis Warhol, setzt nachvollziehbar an der Wende zur Neuzeit an, an der die Zeichnung als künstlerisches Medium Terrain gewann, und geht auf kunsthistorisch wichtige Etappen in der Zeichenkunst ein, wie sie von einflussreichen Einzelpersönlichkeiten bis in die Gegenwart hinein geprägt wurde. In Krems entfaltet sich ein hervorragender Einblick in das zeichnerische Schaffen von Parmigianino, Giovanni Battista Tiepolo, Anthonys van Dyck, Caspar David Friedrich, Eugène Dela­croix, Paul Cézanne, Henri Matisse, Alberto Giacometti, Andy Warhol, Cy Twombly, Joseph Beuys, Blinky Palermo, Tony Cragg, Jorinde Voigt und vielen anderen. Das Verwandeln und Übertragen von Sichtbarem, Unsichtbarem und von Konstrukten in Zeichnungen hat sich als Prinzip aufgrund der unzähligen Möglichkeiten nie erschöpft. In den Zeichnungen äußert sich ein erfrischendes Experimentieren mit verschiedensten Gestaltungsmöglichkeiten und geistigen Ideen, in denen auch intime Weltdeutungen ihren Platz haben.
Einen besonderen Weg der inhaltlichen Sinnführung in der Zeichnung hat William Kentridge eingeschlagen, dem die Kunsthalle Krems eine eigenständige Ausstellung gewidmet hat. Der zweifache documenta-Teilnehmer erweckt in seinen gesellschaftskritischen Animationsfilmen, wie in dem hier vorgestellten Zyklus Ten Drawings for Projection, Zeichnungen performativ und eindringlich zum Leben. In einer weiteren ergänzenden Schau besetzt der österreichische Künstler Constantin Luser mit seinen Zeichnungen die Architektur des Oberlichtsaals. Seine akribisch ausgeführten, das Prozesshafte unterstreichenden Arbeiten bestehen aus kom­plexen, versatzstückhaft eingesetzten und chiffreartigen Text- und Bildgeflechten, die als Zeichnungen den Raum bearbeiten.

Zurück in die Zukunft. Von Tiepolo bis ­Warhol. Die Sammlung Klüser
16. März bis 29. Juni 2014

William Kentridge. Ten Drawings for­ ­Projection
16. März bis 22. Juni 2014

Constantin Luser
16. März bis 29. Juni 2014

Informationen

Kunsthalle Krems

Franz-Zeller-Platz 3, A-3500 Krems-Stein

Tel. +43 (0) 27 32/90 80 10

Di–So (und Mo wenn Feiertag) 10–18 Uhr

http://www.kunsthalle.at


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