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Eine Frage des Tempos

Das Festival Carinthischer Sommer widmet sich Beethoven aus ungewohnten Perspektiven.
Ossiach 1, A-9570 Ossiach

Beethovens 7. Symphonie, seit Wagner gern als „Apotheose des Tanzes“ bezeichnet, steht bei der diesjährigen Ausgabe des Carinthischen Sommers im Zentrum eines Beethoven-Schwerpunkts. Gleich zweimal ist das Meisterwerk im Programm von Kärntens bedeutendstem Festival zu finden. Andris Nelsons, berühmt für seine impulsiven Deutungen, ist einer ihrer Interpreten; der Niederländer Harke de Roos, Schüler des legendären Dirigentenmentors Hans Swarowsky, ihr anderer. Seine Interpretation, so viel steht fest, wird von den Hörgewohnheiten unserer Zeit deutlich abweichen. In musikwissenschaftlicher Kleinarbeit tritt er nämlich seit vielen Jahren den Beweis an, dass Beethovens Metronomzahlen, allgemein als eigenwillig verschrien, als solche nicht ernst zu nehmen seien, da sie vom Komponisten absichtlich falsch angegeben worden wären. Stattdessen, so Harke de Roos, verberge sich hinter den Ziffern ein subtiles Zahlenrätsel, dessen Auflösung sich Beethoven von jedem seiner Interpreten erhofft hätte.
Mit den Wiener Symphonikern nahm Harke de Roos vor Kurzem eine viel beachtete Neudeutung der 2. Symphonie auf, in der Stiftskirche Ossiach tritt er nun am 17. Juli mit der Wiener Kammerphilharmonie zur musikalischen Überzeugungs­arbeit an. Weitere Interpreten des Komponistenschwerpunkts, der mit Mauricio Kagels avantgardistischem Film Ludwig van beginnt, sind die französische Violinvirtuosin Fanny Clamagirand sowie Rudolf Buchbinder, der insgesamt an drei Abenden zu erleben ist.
Offiziell eröffnet wird der Carinthische Sommer am 12. Juli, bereits am 25. Mai dirigiert jedoch Weltstar Lorin Maazel in Villach ein festliches Galakonzert mit den Münchner Philharmonikern und Khatia Buniatishvili als Solistin am Klavier. Weitere große Orchesterkonzerte stehen gegen Ende des Festivals an: Wladimir Fedosejew leitet das Tschaikowsky-Orchester Moskau (18. August), und am 27. August bestreiten Andris Nelsons und das City of Birmingham Symphony Orchestra das Abschlusskonzert.
Weitere Stars, die sich 2014 rund um den idyllischen Ossiacher See ein Stelldichein geben, sind Gautier Capuçon, Ferruccio Furlanetto, Peter Matić, Martin Schwab und Jean-Yves Thibaudet. Die Programmschiene cs_alternativ umfasst 2014 sieben überaus kontrastreiche Veranstaltungen – vom Geburtstagskonzert von Mnozil Brass über schaurig-schöne Weltmusik aus Finnland bis hin zum Aufeinandertreffen von Renaissancemusik und Jazz. Uraufführungen bereiten Susanna Ridler (zu Gert-Jonke-Texten) und das Quartett Kompost3 vor. Die Kinderoper Gries, Brei und die verschwundenen Kinder, vertont von Thomas Doss, erlebt am 17. August ihre Premiere.
25. Mai, 12. Juli bis 27. August 2014

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