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Schloss Rochlitz an der Zwickauer Mulde, 2013 Foto: Sylvio DittrichUnbekannter Meister, Judith mit dem Haupte des Holofernes, Öl auf Holz, 1526 © Collections artistiques de l´Université de Liège.

eine STARKE FRAUENgeschichte – 500 Jahre Reformation

Im Mittelpunkt dieser Sonderausstellung stehen Frauen, die sich mutig und aktiv in das Ringen um die Erneuerung der Kirche eingebracht haben. Neben berühmteren Protagonistinnen wie Luthers Ehefrau Katharina von Bora und der Reformationsfürstin Elisabeth von Calenberg-Göttingen werden auf Schloss Rochlitz auch eher unbekannte Streiterinnen der Reformation wie Ursula Weyda, Wibrandis Rosenblatt oder Katharina Zell in ihrem Handeln vorgestellt und somit dem Dunkel der Geschichte entrissen.

Schloss Rochlitz ist ein herausragender Ort am Lutherweg zwischen Leipzig und Chemnitz. In seiner über 1000-jährigen Geschichte, in der sich der Bau von einer Burg zu ­einem prächtigen Schloss von höchster architektonischer Brillanz entwickelte, diente er dem sächsischen Herrscher­geschlecht der Wettiner unter anderem als Prinzenschule, Witwensitz und fürstliche Residenz. Hier bereitete Graf Dedo der Fette seine Feldzüge mit dem Kaiser vor und starb währenddessen, 1190, an einer für ihn unglücklich verlaufenen Schönheitsopera­tion, von hier ritt Markgraf Wilhelm der Einäugige tapfer gegen Böhmen (um 1401), und hier ritzte Kurfürst Friedrich der Weise als Teenager heimlich noch heute sichtbare Zeichen in die Wände seines Gemachs (um 1477). Nach 20 Jahren Bauzeit ist Schloss Rochlitz denkmalgerecht saniert und 2013 der Öffentlichkeit übergeben worden. Auf Schloss Rochlitz ist somit wie kaum anderswo die Residenzkultur des Mittelalters räumlich und historisch erlebbar. Mit der neuen Sonderschau wird nun ein verges­senes Kapitel der Schlossgeschichte in den ­Fokus gerückt: Schloss Rochlitz als frühes Zentrum der Reformation.
Mit Elisabeth von Rochlitz lebte und wirkte dort von 1537 bis 1547 eine der einflussreichsten Frauen der Reformationszeit. Elisabeth nutzte ihre Position nicht nur, um gegen den heftigen Widerstand ihres Schwiegervaters, Herzog Georgs von Sachsen, in ihrem Wittum die Reformation durchzusetzen: Auf Augenhöhe schrieb und verhandelte sie mit den beiden bedeutendsten evangelischen Reichsfürsten, ihrem Bruder Landgraf Philipp von Hessen und ihrem Cousin Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen. Als einzige Frau im Schmalkaldischen Bund und als rastlose Vermittlerin wurde sie zu einer tragenden Säule der Fürstenreformation im Reich. Ihre zu weiten Teilen erhaltenen Geheimbriefe vermittelt uns diese starke und eigenwillige Persönlichkeit, die in der auf Männer fixierten Geschichtsschreibung bisher kaum Beachtung fand. Die herausragenden Geschehnisse um Elisabeth nimmt die Ausstellung zum Anlass, den Blick auf das umfassendere Generalthema „Frauen und Weiblichkeit in der Reformation“ zu richten.
Mit zirka 300 herausragenden Exponaten unterschiedlicher Gattungen von internationalen Leihgebern ­dokumentiert die Sonderschau auf etwa 1300 Quadratmetern erstmalig in dieser Form und Größe weibliche Lebenswege und Lebenswelten des 16. Jahrhunderts. Somit wird das gängige Bild der Reformation als eines rein männlich geprägten Ereignisses korrigiert. In gelungener Kombination von interaktiven Medienstationen und hochwertigen Exponaten, unter denen sich Werke Albrecht Dürers, Lucas Cranachs des Älteren und Ambrosius Bensons, aber auch Alltagsgegenstände jener Epoche befinden, lassen sich die Lebens­umstände der Frauen vom ausgehenden Mittelalter bis heute neu entdecken. Die Sonderausstellung „eine STARKE FRAUENgeschichte – 500 Jahre Reformation” ist ein einzigartiges Ausstellungserlebnis für Frauen und Männer jedes Alters.
1. Mai bis 31. Oktober 2014, Schloss Rochlitz

Informationen

Schloss Rochlitz

Sörnziger Weg 1, D-09306 Rochlitz

Mai bis Oktober, täglich 10–18 Uhr

http://www.schloss-rochlitz.de

http://www.facebook.com/Schloss.Rochlitz


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