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„Faironika“: Das deutsche Symbol des European Milk Board wirbt für eine faire Bezahlung der Milchbauern © Punctum/Bertram KoberVerlockender Blick: die Pralinenwand in der Ausstellung © Punctum/Stefan HoyerExportschlager: Die Tafel erklärt den Gästen im Lokal The Berliner im amerikanischen Seattle den „Döner“ © Punctum/Bertram Kober In der Diskussion: der Fleischkonsum der Bundesbürger © Punctum/Stefan HoyerRund 82 Kilogramm Brot und Backwaren essen die Bundesbürger heute pro Kopf und Jahr © Punctum/Stefan Hoyer

„Is(s) was?! Essen und Trinken in Deutschland“

Neue Ausstellung im Haus der Geschichte.
Museumsmeile, Willy-Brandt-Allee 14, D-53113 Bonn

Essen und Trinken haben für die Deutschen seit jeher einen hohen Wert: Mit über 1200 Objekten beleuchtet die Ausstellung die Bandbreite der Ernährungs­gewohnheiten in Deutschland. Die Besucher begegnen Alltäglichem und Kuriosem rund um ihr tägliches Essen. Anschaulich erfahren sie Moden, Trends und Lebensstile, aber auch gesellschaftliche Realitäten und Mentalitäten. Ausgehend von der Gegenwart, bezieht die Präsentation die chronologische Entwicklung der letzten sechs Jahrzehnte sowie den vergleichenden Blick auf Ost und West mit ein.
Die Entscheidung, was, wo, wie und mit wem wir essen, hängt stark von den Gegebenheiten unseres Alltags ab. Ernährungsweise und Lebensstil bedingen sich wechselseitig. Eine große Rolle spielen individuelle Haltungen und Überzeugungen sowie die von Beruf, Familie und materiellen Voraussetzungen bestimmten Rahmen­bedingungen. Wie sehr die Esskultur Bestandteil und Folge unserer Lebensweise ist, verdeutlicht die Ausstellung an zahl­reichen Beispielen und zeigt Ursachen
für den Wandel der Ernährungsgewohnheiten auf.
Bei vielen Deutschen ist der Speiseplan inzwischen „multikulturell“, vor allem der Besuch ausländischer Lokale gehört zum Alltagsleben. Die Ausstellung zeigt unter anderem das Gästebuch der ersten deutschen Pizzeria, die schon 1952 in Würzburg eröffnete, und erinnert für die DDR an das legendäre Japanrestaurant Waffenschmied, das durch den Kinoerfolg Sushi in Suhl bekannt wurde, sowie an das italienische Lokal Fioretto in Ost-Berlin, das 1989 sogar im Gourmetführer Gault Millau Erwähnung fand.
Gesundheitliche, ethische und ökologische Kriterien sind für viele Menschen entscheidend für die Auswahl ihrer Ernährung. Für die Mehrheit der Bevölkerung ist aber nach wie vor der Preis das wichtigste Kriterium bei der Nahrungsmittelversorgung. Ausstellungsstücke aus einem „Naturkostladen“ von 1975 stehen für die Anfänge der „biologischen“ Lebensmittelversorgung in Deutschland, die in den 1980er-Jahren auch in Ostdeutschland Resonanz fand, wie das frühe Beispiel der anthroposophischen Gemeinschaft in Leipzig zeigt.
Zum Erfahrungshorizont der Älteren gehört noch die Mangelerfahrung der Kriegs- und Nachkriegszeit. Für die große Mehrheit ist heute die märchenhafte Vorstellung vom Schlaraffenland nahezu Realität geworden. Die überbordenden Konsummöglichkeiten haben den Umgang mit Nahrungsmitteln grundlegend verändert. Zwei Exponate − ein exklusives, mit Goldstaub dekoriertes „Vollmondbrot“ und „Brotpellets“, die als Heizmaterial dienen − veranschaulichen die Spannbreite. Zu den Schattenseiten der Wohlstandsgesellschaft gehört jedoch neben der Vernichtung von Lebensmitteln auch eine neue Ernährungsarmut. Die Ausstellung macht die wachsende Zahl von Menschen zum Thema, die aufgrund ihrer finanziellen Situation Probleme haben, sich aus eigenen Mitteln ausreichend zu versorgen. Junge „Mülltaucher“ ernähren sich sogar ganz bewusst von den oft noch genießbaren „Abfällen“ der Supermärkte.
Genuss, Gesundheitsprogramm, Mittel sozialer Abgrenzung oder bloße Nahrungs­aufnahme: Essen und Trinken haben in Deutschland viele Facetten. Die Ausstellung schärft das Bewusstsein dafür, welche Faktoren die Ernährungsweise des Einzelnen wie der Gesellschaft insgesamt beeinflussen.
28. März bis 12. Oktober 2014, Di–Fr 9–19 Uhr
Sa, So und Fei 10–18 Uhr, Eintritt frei

Informationen

Haus der Geschichte | Museumsmeile

Willy-Brandt-Allee 14, D-53113 Bonn

Tel. +49 (0) 228/91 65-0

post@hdg.de

http://www.hdg.de


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