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Prinzipalmarkt © www.air-klick.de Türmerin © Juliane UnkelbachLWL-Museum für Kunst und Kultur Münster  © Roman MensingTobias Rehberger „the moon in alabama” © Juliane Unkelbach

Münster – bezaubernd alt. Aufregend jung

Wer wird 2014 Münsters Superstar? Francis Bacon, derzeit teuerster Maler der Moderne, den das LWL-Museum für Kunst und Kultur im Herbst ausstellt – zusammen mit Hockney, Freud und ihren Londoner Malerkollegen? Oder das Museum selbst, das sich mit diesem Paukenschlag in die internationale Kunstszene zurückmeldet? Nach Jahren des Umbaus verbindet seine spektakuläre „Höfe“-Architektur nun den Altbau mit kühner zeitgenössischer Formsprache – und schließt mit der Wiedereröffnung eine Lücke in Münsters Kulturangebot.

Eine Lücke, die in Münster vielleicht eher zu verschmerzen war als in manch anderer Stadt. Schließlich gibt es hier nicht nur fast 30 weitere Museen. Vor allem ist es die „Kunst im öffentlichen Raum“, unter der die „skulptur projekte“ Münster alle zehn Jahre – nächster Termin ist 2017 – zum Mekka der internationalen Kunst­szene machen. Das Thema prägt mit über 60 Skulpturen das Stadtbild und wird immer wieder mit hochkarätigen Beiträgen fortgeschrieben – aktuell dort, wo das untergründige Geflecht der Stadt zutage tritt: Schaltkästen im Bahnhofsviertel, die To­bias Rehberger unter dem Titel the moon in alabama in träumerisch-surreale Skulpturen verwandelt.
Kontraste und Überraschungen gehören in Münster zum Stadtbild. Picasso hinter westfälischer Adelsfassade, Juwelen barocker Baukunst neben Ikonen zeitgenössischer Architektur. Das Szenelokal in einer Hafenhalle und die Altbierküche im Kuhviertel. Eine junge Musikwissenschaftlerin, die als erste Frau eines der ältesten Stadtämter versieht, wenn sie als Türmerin allabendlich hoch vom Lamberti-Kirchturm ins Horn stößt. Gleich nebenan Spitzenforscher, die an „Leuchttürmen“ wissenschaftlicher Exzellenz arbeiten. Der selbstverliebte Eliteprofessor und der prollige Sankt-Pauli-Fan – ein unmögliches Paar? Nicht in Münster. Die Tatort-Ermittler Boerne und Thiel gehören zu den populärsten Botschaftern der Stadt. Es ist der charmante Mix, der Münsters Flair ausmacht: das Miteinander von Geschichte und Gegenwart.
Der Friedenssaal im Historischen Rathaus schrieb 1648 mit dem Westfälischen Frieden europäische Geschichte. 1773 entstand die erste westfälische Universität, Keimzelle der heutigen jungen Wissenschaftsstadt – mit über 50 000 Studierenden.
Dass Münster zu den „Historic Highlights of Germany“ zählt, lässt sich auf dem Prinzipalmarkt erleben: Unter den Giebeln prächtiger Kaufmannshäuser laden Bogengänge zum exquisiten Einkaufsbummel. Und gleich um die Ecke auf dem Domplatz einer der schönsten Wochenmärkte Europas. Die Altstadt bietet eine wunderbare Bühne: Vom Hansemahl bis zum Mu­seumsfest, vom Sparkassen-Münsterland-Giro bis zum Volksbank-Münster-Marathon. Und vor dem Barockschloss brillieren Topakteure des Reitsports, Stars der Musikszene und Könner der Kochkunst.
Bei aller Lebendigkeit kann man überall – in „Deutschlands Fahrradhauptstadt“ vor allem mit dem Rad – grüne Refugien finden: im Schlossgarten, an der Promenade und am Aasee. Und beim Latte macchiato überlegen, wann man ganz bald wiederkommt.

Informationen
http://www.tourismus.muenster.de

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