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 Pablo Picasso, José Delgado alias Pepe-Hillo: La Tauromaquia o arte de torear, 1959, Aquatinta im Zuckeraussprengverfahren, Blatt 8, Sprung mit der Garrocha © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2013 Picasso beim Stierkampf © Hubertus Hierl 2014, Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2013Rineke Dijkstra, aus der Serie Bullfighters, Farbfotografien, Montemor, Portugal, 1. Mai 1994 © Rineke Dijkstra 2014, Kunstmuseum HeidenheimFrancisco de Goya, Tauromaquia, 1816, Aquatinta, Radierung und Kaltnadel, Blatt 20, Leichtfüßigkeit und Wagemut von Juanito Apiñani in der (Arena) von Madrid

Tauromaquia

Die Kunst des Stierkampfs. Goya, Picasso, Hubertus Hierl und Rineke Dijkstra.
Marienstraße 4 , D-89518 Heidenheim

Im Zentrum der Ausstellung stehen die beiden bedeutendsten Grafikzyklen zur Kunst des Stierkampfs von Francisco de Goya und Pablo Picasso. Goya, der seine Radierungsfolge 1816 vollendet, will mit ihr „eine Vorstellung von den Anfängen, dem Fortschritt und dem jetzigen Zustand dieser Feste in Spanien“ (Goya), dieses spezifisch spanischen Rituals, vermitteln. Durch asymmetrische Kompositionen und gekonnte Lichtinszenierungen gelingt es ihm überzeugend, den Kampf zwischen Mensch und Stier zugleich als Kampf zwischen Kultur und Natur im überzeitlichen Sinn zu interpretieren.
Picassos Version der Tauromaquia von 1957 weist dagegen einen ausgesprochen erzählerischen Charakter auf, indem er
– entgegen seiner sonstigen Gewohnheit
– den Ablauf eines Stierkampfs in der ­korrekten Reihenfolge wiedergibt. Alle 26 Aquatinten malt Picasso mit dem Pinsel an einem Nachmittag direkt auf die Kup­ferplatten. In ihrem spannungsvoll wechselnden Duktus stellen seine Pinselzeichnungen dabei weniger die Grausamkeit des Stierkampfs als vielmehr dessen rituellen, künstlichen Charakter dar. Sie erzählen von der Choreografie des Geschehens, von dessen Eleganz und Nähe zum Tanz.
Hubertus Hierl, ein Fotograf aus Landsberg, ist am 7. August 1966 in Fréjus, als der hochbetagte Picasso letztmals eine Corrida besucht. Der junge Fotograf nutzt die Gunst der Stunde und kann sowohl den Stierkampf, bei dem ein Torero schwer verletzt wird, als auch Picassos Reaktionen im Bild festhalten. Seine Fotoserie dokumentiert Picassos Gefühle und zeigt zugleich in realistischen Aufnahmen, wie ein Stierkampf tatsächlich abläuft. Dies macht seine Bildserie zu einer hervorragenden Vergleichsfolie für die künstlerischen Darstellungen von Picasso und Goya. Zugleich schlägt seine schwarzweiße Foto­serie eine Brücke zu den Toreroporträts von Rineke Dijkstra aus dem Jahr 1994.
Frontal, aus ihrem Umfeld isoliert und vor neutralem Hintergrund fotografiert Rineke Dijkstra portugiesische Stierkämpfer unmittelbar nach dem Verlassen der Arena. Mit ihren großformatigen Aufnahmen untersucht die niederländische Fotografin, wie sich existenzielle Grenzerfahrungen und einander widersprechende Emotionen in einem Gesicht widerspiegeln. So verdichtet sie das von den anderen Künstlern seriell ausgebreitete Geschehen zu einem einzigen eindrücklichen Bild.
Außerdem werden erstmals in Deutschland die frühesten Illustrationen eines anonymen Künstlers zur Kunst des Stierkampfs aus dem Jahr 1804 gezeigt. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
bis 27. April 2014

Informationern

Kunstmuseum Heidenheim

Marienstraße 4, D-89518 Heidenheim

Tel. +49 (0) 73 21/327-4800

http://www.heidenheim.de


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