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Mit kühnen Pinselstrichen. Barocke Ölskizzen der Alten Galerie am Landesmuseum Joanneum

Die Alte Galerie am Landesmuseum Joanneum präsentiert Ölskizzen des 17. und 18. Jahrhunderts aus eigenen Beständen. Es sind vorbereitende Malereien in kleinerem Maßstab für nachfolgende Kunstwerke wie Altar- und Staffeleibilder sowie monumentale Fresken.
Eggenberger Allee 90, A-8020 Graz

Diese sogenannten Bozzetti waren nicht nur im Werkprozess nötig, sondern wurden im 18. Jahrhundert immer mehr zu autonomen Kunstwerken und zu begehrten Sammelobjekten. In ihnen erkannte man die originale Handschrift des Meisters und seine grundlegende Idee. Bozzetti wirken meist viel freier als endgültige Kunstwerke, da sie den Haupteindruck und nicht Details vorstellen. Sie tragen den virtuosen, kühnen Charakter, den das Barock besonders liebte.
Aus Österreich und Deutschland sind namhafte Meister wie Paul Troger, Franz Anton Maulbertsch, der Kremser Schmidt, Christian Thomas Winck, Michael Willman, Georg Anton Urlaub und andere vertreten. Unter den Italienern ist Carlo Innocenzo Carlone einer der Hauptmeister dieser Skizzenkunst des 18. Jahrhunderts. Ein besonderer Wert der Ölskizzen liegt manchmal darin, Aufträge, die Arbeitsweise von Werkstätten oder auch später zerstörte Kunstwerke zu dokumentieren.
Die Ausstellung wendet sich nicht nur an Liebhaber(innen) der österreichischen Malerei oder der mitteleuropäischen Barockmalerei, sondern besonders auch an Menschen, die Freude daran haben, das Auge etwas entdecken zu lassen. Die gezeigten Ölskizzen sind nämlich recht unterschiedlich, sowohl was ihre Vorbereitungsstufen betrifft als auch hinsichtlich ihres Zwecks, ihrer Größen sowie der Farbigkeit. Von schnellstens hingeworfenen „Gedanken“ über farblose („Grisaillen“) oder beinahe farblose Stücke zu genau ausgeführten malerischen Skizzen – es ist eine große Bandbreite vorhanden. Manchmal entdecken wir Entwürfe für Altarblätter, manchmal Skizzen für Deckenfresken, einmal ist auch ein Schmuckrahmen eines Bildes angedeutet, einmal gibt es eine Beschriftung eines Bildes. Es sind 59 Stücke ausgestellt. Auf alle Fälle sind barocke Ölskizzen meist geheimnisvoller und die Fantasie fordernder als die nachfolgenden Kunstwerke.
bis 11. Januar 2009

Das große Welttheater. Die Alte Galerie am Landesmuseum Joanneum
Die Aufstellung der Alten Galerie im Schloss Eggenberg erfolgt nach einem innovativen Konzept, das die Bestände nicht mehr dem gängigen chronologischen Schema unterwirft, sondern nach Themenkreisen geordnet präsentiert und damit den Besucher(inne)n Raum für Raum die Welt des Mittelalters und der Neuzeit erschließt.
Die Schauräume – 22 Säle im ersten Obergeschoss von Schloss Eggenberg – bieten dazu hervorragende Bedingungen: Sie sind nicht nur in ihren Dimensionen, Proportionen und Raumperspektiven sehr abwechslungsreich, sondern auch von einem Zuschnitt, der besonders den Neuzeitbeständen mit ihren überragenden Mittelformaten entgegenkommt, aber auch die Großformate bestens integriert. Die barocken Gemälde und Skulpturen werden also in Räumen gezeigt, deren Proportionen der Epoche entsprechen und die Bildinhalte ihrem Rang gemäß präsentieren. Zugleich sind die Maßverhältnisse im Schloss Eggenberg aber auch so beschaffen, dass die mittelalterliche Kunst mit ihren andersartigen Bedingungen ihrer internationalen Qualität entsprechend zur Geltung kommt.
Eine zusätzliche Bereicherung dieses neuen Orts alter Kunst stellen 16 kostbare Leihgaben aus der international bekannten Sammlung Thyssen-Bornemisza dar, die sich passgenau in das Profil der Alten Galerie am Landesmuseum Joanneum einfügen.

Informationen
Alte Galerie am Landesmuseum Joanneum,
Schloss Eggenberg
Eggenberger Allee 90, A-8020 Graz
Tel. (+43-316) 58 32 64-9770
1. April bis 31. Oktober: Di–So 10–18 Uhr;
1. November bis 31. März: Di–So 10–17 Uhr
altegalerie@museum-joanneum.at
www.museum-joanneum.at

Einprägsam. Das Münzkabinett Schloss Eggenberg
Vom Panthertaler der Münzstätte Graz über den „Entenschnäbler“ der Kelten bis hin zum Renaissance-Medaillenkleinod Erzherzog Karls II. von Innerösterreich: Das neue Münzkabinett am Landesmuseum Joanneum hat einprägsame Münzgeschichten zu erzählen.
Die Anfänge des Münzkabinetts gehen auf Erzherzog Johann zurück, der in den Gründungsstatuten des Landesmuseum Joanneum im Jahr 1811 festhielt, dass „inländische Münzen von allen Metallgattungen“ gesammelt werden sollen. Heute auf rund 70000 Objekte angewachsen, zählt es zu den größten öffentlichen Münzsammlungen Österreichs und beherbergt als Prunkstücke Münzen der Prägestätte Graz und Schatzfunde aus der ganzen Steiermark.

Archäologie-Museum. Neubau!
Das Landesmuseum Joanneum verfügt über die zweitgrößte archäologische Sammlung Österreichs. Die vielfältigen, durch Schenkung, Ankauf und Grabungstätigkeit entstandenen Sammlungen gehören zu den ältesten und bedeutendsten Beständen am Landesmuseum Joanneum; wichtige Einzelstücke gehen direkt auf Erzherzog Johann zurück.
Das neue Archäologie-Museum wird den Besucherinnen und Besuchern die berühmten und international bedeutenden Prunkstücke, aber auch viel Unbekanntes und noch nie Gezeigtes in einer neuen Zusammenstellung präsentieren. Die Archäolog(inn)en und Restaurator(inn)en am Landesmuseum Joanneum haben Sammlungsbestände und Grabungsfunde in intensiver Arbeit gesichtet und bewertet, um die Objekte aus vielen Jahrtausenden lebendig werden zu lassen. 1500 Fundstücke werden dem Publikum die Buntheit und Vielfältigkeit der archäologischen Sammlungen am Landesmuseum Joanneum mit ihren herausragenden, übernational bedeutenden Prunkstücken vor Augen führen.
In Verbindung mit der bestehenden, in einem preisgekrönten Projekt untergebrachten Römersteinsammlung wird durch einen Museumsneubau von BWM Architekten und Partner ein über Österreich hinaus bedeutendes Zentrum für Archäologie entstehen. Beide Häuser werden durch einen gemeinsamen neuen Zugang mit Museumsshop besser erschlossen (Architekten purpur.cc). Neben der Schausammlung wird die Archäologie am Landesmuseum Joanneum auch einen Sonderausstellungsraum besitzen, der besonders der aktuellen Archäologie, neuen Grabungen und Funden gewidmet werden soll. Voraussichtliche Neueröffnung: Juni 2009.

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