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Joseph BeuysJoseph Beuys, The Pack (das Rudel), 1969, VW-Bus, 24 Schlitten mit Wachs/Fett, Baumwollband, Filz, -Abbindegurten und Stablampe

Joseph Beuys. Parallelprozesse

Mit der untrennbaren Einheit von künstlerischem Denken und Handeln ist Joseph Beuys (1921–1986) zu einer der charismatischsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts geworden. Sein facettenreiches Werk, das bis heute Einfluss auf die aktuelle Kunstproduktion hat, wird immer wieder unter den verschiedensten Aspekten präsentiert und diskutiert.
Grabbeplatz 5, D-40213 Düsseldorf

Die Ausstellung Joseph Beuys. Parallelprozesse verdeutlicht unter anderem mit zehn bedeutenden Rauminstallationen und insgesamt rund 300 Werken den „erweiterten Kunstbegriff“ des Künstlers. Politische und künstlerische Utopien verschmelzen hier zur Sicht auf die Gesellschaft als „sozialer Plastik“: Beuys glaubte an die Kraft der Kunst, den Menschen zu verändern, und entwarf soziale und künstlerische Utopien.
Zu den insgesamt 300 Arbeiten, die in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen gezeigt werden, gehören herausragende Hauptwerke wie zeige deine Wunde (1974/75), The pack (das Rudel) (1969) oder Fond IV/4 (1970/71). Einige dieser von wichtigen Museen oder Privatsammlern entliehenen Installationen verlassen erstmals seit dem Tod des Künstlers für diese Ausstellung ihren festen Platz. Zum ersten Mal ist in Europa die Rauminstallation Stripes from the house of the shaman 1964–72 (1980) zu sehen. Auch eine umfangreiche Auswahl von Zeichnungen, Objekten, plastischen Bildern und Relikten seiner Aktionen, die auf besondere Weise Kunst und Leben in Beziehung setzen sollten, ist zu sehen.
Skulpturale und bildnerische Aspekte, theoretische Reflexion und aktionistisches Handeln sowie die eigenwillige Umwandlung von Werkstoffen und Gegenständen verbinden sich damit in „Parallelprozessen“ zum unverwechselbaren und außergewöhnlichen Lebenswerk von Joseph Beuys. Nicht nur die bildhauerischen Qualitäten, sondern auch die performativen Potenziale seiner Kunst werden auf diese Weise gegenwärtig. Diese komplexen Vernetzungsstrukturen innerhalb des Beuys-Werks sind in der Ausstellung auf fast 3000 Quad­ratmetern nachvollziehbar und sinnlich erfahrbar.
In drei großen Sälen der Ausstellung entwickeln sich verschiedene Landschaften, die der Besucher durchschreiten kann; hinzu kommt als Außenstation das Schmela-Haus, ein ehemaliges Galeriehaus, gebaut von Aldo van Eyck und 1971 mit einer Einzelausstellung Joseph Beuys’ eröffnet. Für die Kunstsammlung seit 2009 als experimentelle Probebühne konzipiert, reagiert dieser Ort mit einem lebendigen Programm auf aktuelle Kunstentwicklungen. In der Reihe „Von Beuys inspiriert“ werden internationale Künstler in Vorträgen, Gesprächen und Performances ihre jeweils eigene Hommage an Beuys gestalten.
Die Ausstellung findet im Programm der Düsseldorfer Quadriennale statt.
bis 16. Januar 2011

Pa­ral­lel zeigt die Kunstsammlung Nord­rhein-Westfalen auch in K21 Ständehaus eine neue Ausstellung:
Auswertung der Flugdaten: Kunst der 80er. Eine Düsseldorfer Perspektive
bis 30. Januar 2011

Informationen
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
K20 Grabbeplatz und Schmela-Haus
Grabbeplatz 5, D-40213 Düsseldorf
Tel. (+49-211) 83 81-130
Di–Fr 10–18 Uhr, Sa (bis 16. Januar 2011)
11–22 Uhr, So und Fei 11–18 Uhr
www.kunstsammlung.de

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